Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Erster Theil. Halle, 1723.

Bild:
<< vorherige Seite
II. Handel. Responsum vor einen Korn-Schreiber, der aus Haß von Seinem Closter-Verwalter angegeben worden.
§. I.

VOr Alters sind bey allen vernünfstigen Völckern die delatoresErinnerung wegen Schädligkeit der Denuntianten, und daß das Angeben für ein Christlich Werck gehalten wird. und Angeber, und zwar so wohl die öffentlichen als heimlichen, sehr verhast gewesen; und weisen die Historien, daß solche Angeber gemeiniglich als instrumenta tyrannidis gebraucht; und von denen, die absolut herrschen wollen zwar gehegt, aber doch auch nach dem gemeinen Sprichwort (proditionem amo, proditorem odi) nicht aestimiret noch allemahl geschützet worden; Löbliche Regenten aber, und die die Schädlichkeit, die durch solche gefährliche, hämische und falsche Leute dem gemeinen Wesen zugefügt wird, etwas reifflicher erwegen, dieselben ärger als die Pest gehasset, und Sie mit höchstlöblichen Straff-Gesetzen verfolget. Gleichwie aber das Papstthum sonsten aus schwartz weiß, und aus denen grösten Lastern und Schelmstücken, und zwar mehrentheils unter der Larve sonderlicher Gottesfurcht und Beförderung der Ehre und des Dienstes GOttes, die grösten Tugenden, und nach dem stilo des Päpstlichen Rechts, Wercke der Christlichen Liebe zu machen gewohnet ist, also hat es auch vermittelst seiner infallibilität aus denen schändlichsten Delatoribus, Ehristliche und gottseelige Denuncianten gemacht, und die Denuntiation solcher Blaustrümpffe wohl gar aus dem heil. Evangelio nicht nur entschuldigen, sondern gar loben und vertheidigen wollen, wie hiervon ad Tit. 1. Libri 4. Institut. Lancelotti mit mehrern ist gehandelt worden. Und an diesem Greuel des Päbstlichen Rechts hängen noch heute zu Tage die meisten Lehrer auch auff denen Protestirenden Universitäten. Es gehet kein Monat hin, da nicht etliche Acta in unsere Facultät geschickt werden solten, in welchen Evangelischer Lehrer und Prediger Ihre schrifftlichen Denuntiationes gar vielfältig zu lesen sind, und gehen gemeiniglich die Denuncianten von geringer condition hin zu denen Predigern, und brauchen diese (auch öffters bey offenbahren calumnien) zu instrumentis Ihrer Boßheit. Ja es finden sich insgemein in denen Denuntiationen der Prediger diese formalia, daß Sie nach Ihrem Amt und

II. Handel. Responsum vor einen Korn-Schreiber, der aus Haß von Seinem Closter-Verwalter angegeben worden.
§. I.

VOr Alters sind bey allen vernünfstigen Völckern die delatoresErinnerung wegen Schädligkeit der Denuntianten, und daß das Angeben für ein Christlich Werck gehalten wird. und Angeber, und zwar so wohl die öffentlichen als heimlichen, sehr verhast gewesen; und weisen die Historien, daß solche Angeber gemeiniglich als instrumenta tyrannidis gebraucht; und von denen, die absolut herrschen wollen zwar gehegt, aber doch auch nach dem gemeinen Sprichwort (proditionem amo, proditorem odi) nicht aestimiret noch allemahl geschützet worden; Löbliche Regenten aber, und die die Schädlichkeit, die durch solche gefährliche, hämische und falsche Leute dem gemeinen Wesen zugefügt wird, etwas reifflicher erwegen, dieselben ärger als die Pest gehasset, und Sie mit höchstlöblichen Straff-Gesetzen verfolget. Gleichwie aber das Papstthum sonsten aus schwartz weiß, und aus denen grösten Lastern und Schelmstücken, und zwar mehrentheils unter der Larve sonderlicher Gottesfurcht und Beförderung der Ehre und des Dienstes GOttes, die grösten Tugenden, und nach dem stilo des Päpstlichen Rechts, Wercke der Christlichen Liebe zu machen gewohnet ist, also hat es auch vermittelst seiner infallibilität aus denen schändlichsten Delatoribus, Ehristliche und gottseelige Denuncianten gemacht, und die Denuntiation solcher Blaustrümpffe wohl gar aus dem heil. Evangelio nicht nur entschuldigen, sondern gar loben und vertheidigen wollen, wie hiervon ad Tit. 1. Libri 4. Institut. Lancelotti mit mehrern ist gehandelt worden. Und an diesem Greuel des Päbstlichen Rechts hängen noch heute zu Tage die meisten Lehrer auch auff denen Protestirenden Universitäten. Es gehet kein Monat hin, da nicht etliche Acta in unsere Facultät geschickt werden solten, in welchen Evangelischer Lehrer und Prediger Ihre schrifftlichen Denuntiationes gar vielfältig zu lesen sind, und gehen gemeiniglich die Denuncianten von geringer condition hin zu denen Predigern, und brauchen diese (auch öffters bey offenbahren calumnien) zu instrumentis Ihrer Boßheit. Ja es finden sich insgemein in denen Denuntiationen der Prediger diese formalia, daß Sie nach Ihrem Amt und

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb facs="#f0121" n="105"/>
      </div>
      <div>
        <head>II. Handel. Responsum vor einen Korn-Schreiber, der aus Haß von Seinem                      Closter-Verwalter angegeben worden.</head><lb/>
      </div>
      <div>
        <head>§. I.</head><lb/>
        <p>VOr Alters sind bey allen vernünfstigen Völckern die delatores<note place="right">Erinnerung wegen Schädligkeit der <hi rendition="#i">Denuntian</hi>ten, und daß das Angeben für ein Christlich Werck                          gehalten wird.</note> und Angeber, und zwar so wohl die öffentlichen als                      heimlichen, sehr verhast gewesen; und weisen die Historien, daß solche Angeber                      gemeiniglich als instrumenta tyrannidis gebraucht; und von denen, die absolut                      herrschen wollen zwar gehegt, aber doch auch nach dem gemeinen Sprichwort                      (proditionem amo, proditorem odi) nicht aestimiret noch allemahl geschützet                      worden; Löbliche Regenten aber, und die die Schädlichkeit, die durch solche                      gefährliche, hämische und falsche Leute dem gemeinen Wesen zugefügt wird, etwas                      reifflicher erwegen, dieselben ärger als die Pest gehasset, und Sie mit                      höchstlöblichen Straff-Gesetzen verfolget. Gleichwie aber das Papstthum sonsten                      aus schwartz weiß, und aus denen grösten Lastern und Schelmstücken, und zwar                      mehrentheils unter der Larve sonderlicher Gottesfurcht und Beförderung der Ehre                      und des Dienstes GOttes, die grösten Tugenden, und nach dem stilo des                      Päpstlichen Rechts, Wercke der Christlichen Liebe zu machen gewohnet ist, also                      hat es auch vermittelst seiner infallibilität aus denen schändlichsten                      Delatoribus, Ehristliche und gottseelige Denuncianten gemacht, und die                      Denuntiation solcher Blaustrümpffe wohl gar aus dem heil. Evangelio nicht nur                      entschuldigen, sondern gar loben und vertheidigen wollen, wie hiervon ad Tit. 1.                      Libri 4. Institut. Lancelotti mit mehrern ist gehandelt worden. Und an diesem                      Greuel des Päbstlichen Rechts hängen noch heute zu Tage die meisten Lehrer auch                      auff denen Protestirenden Universitäten. Es gehet kein Monat hin, da nicht                      etliche Acta in unsere Facultät geschickt werden solten, in welchen                      Evangelischer Lehrer und Prediger Ihre schrifftlichen Denuntiationes gar                      vielfältig zu lesen sind, und gehen gemeiniglich die Denuncianten von geringer                      condition hin zu denen Predigern, und brauchen diese (auch öffters bey                      offenbahren calumnien) zu instrumentis Ihrer Boßheit. Ja es finden sich                      insgemein in denen Denuntiationen der Prediger diese formalia, daß Sie nach                      Ihrem Amt und
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[105/0121] II. Handel. Responsum vor einen Korn-Schreiber, der aus Haß von Seinem Closter-Verwalter angegeben worden. §. I. VOr Alters sind bey allen vernünfstigen Völckern die delatores und Angeber, und zwar so wohl die öffentlichen als heimlichen, sehr verhast gewesen; und weisen die Historien, daß solche Angeber gemeiniglich als instrumenta tyrannidis gebraucht; und von denen, die absolut herrschen wollen zwar gehegt, aber doch auch nach dem gemeinen Sprichwort (proditionem amo, proditorem odi) nicht aestimiret noch allemahl geschützet worden; Löbliche Regenten aber, und die die Schädlichkeit, die durch solche gefährliche, hämische und falsche Leute dem gemeinen Wesen zugefügt wird, etwas reifflicher erwegen, dieselben ärger als die Pest gehasset, und Sie mit höchstlöblichen Straff-Gesetzen verfolget. Gleichwie aber das Papstthum sonsten aus schwartz weiß, und aus denen grösten Lastern und Schelmstücken, und zwar mehrentheils unter der Larve sonderlicher Gottesfurcht und Beförderung der Ehre und des Dienstes GOttes, die grösten Tugenden, und nach dem stilo des Päpstlichen Rechts, Wercke der Christlichen Liebe zu machen gewohnet ist, also hat es auch vermittelst seiner infallibilität aus denen schändlichsten Delatoribus, Ehristliche und gottseelige Denuncianten gemacht, und die Denuntiation solcher Blaustrümpffe wohl gar aus dem heil. Evangelio nicht nur entschuldigen, sondern gar loben und vertheidigen wollen, wie hiervon ad Tit. 1. Libri 4. Institut. Lancelotti mit mehrern ist gehandelt worden. Und an diesem Greuel des Päbstlichen Rechts hängen noch heute zu Tage die meisten Lehrer auch auff denen Protestirenden Universitäten. Es gehet kein Monat hin, da nicht etliche Acta in unsere Facultät geschickt werden solten, in welchen Evangelischer Lehrer und Prediger Ihre schrifftlichen Denuntiationes gar vielfältig zu lesen sind, und gehen gemeiniglich die Denuncianten von geringer condition hin zu denen Predigern, und brauchen diese (auch öffters bey offenbahren calumnien) zu instrumentis Ihrer Boßheit. Ja es finden sich insgemein in denen Denuntiationen der Prediger diese formalia, daß Sie nach Ihrem Amt und Erinnerung wegen Schädligkeit der Denuntianten, und daß das Angeben für ein Christlich Werck gehalten wird.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in TEI. (2012-11-23T14:00:00Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme der Wolfenbütteler Digitalen Bibliothek entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-11-23T14:00:00Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-11-23T14:00:00Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Ligaturen werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Zeilengrenzen hinweg werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Seitengrenzen hinweg werden beibehalten.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.
  • Griechische Schrift wird nicht transkribiert, sondern im XML mit <foreign xml:lang="el"><gap reason="fm"/></foreign> vermerkt.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte01_1723
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte01_1723/121
Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Erster Theil. Halle, 1723, S. 105. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte01_1723/121>, abgerufen am 10.04.2021.