Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Dritter Theil. Halle, 1724.

Bild:
<< vorherige Seite

men gethan, solches ihnen auch auf vorhergegangene Ansuchung von der Obrigkeit durch des Raths Secretarium in Beyseyn etlicher Schöppen des Orths erlaubet worden, das Auffgebot und die Priesterliche copulation aber nur ex ordinatione humana herrührete, und in übrigen in Göttlichen Rechten nicht einmahl die Ehe zwischen Gläubigen und Ungläubigen verboten wäre. So ist auch sehr notabel, daß, da die Herren Helmstadienses diese Beywohnung für eine für GOtt paßierliche Ehe gehalten; sie demnach daneben (aber nur in rationibus dubitandi) eingereumet, daß eben selbige Ehe nichts destoweniger für keine, in und bey Christlichen Evangelischen Protestirenden Kirchen und Consistoriis paßietliche Ehe zu achten und zu halten wäre. Mich wundert, wo die Herren ICti Anno 1630. das Hertze hergenommen so confident zuschreiben; und daß sie sich nicht gefürchtet, es möchten die meisten Protestantischen Consistoria wieder sie eine Inquisition anstellen lassen, als ob sie von ihnen hierdurch gleichsamm geschimpffet und beschuldiget werden wollen, als ob sie in Ehe-Sachen ein poßirliches Recht hätten, weil sie die für GOtt paßierliche Ehen nicht auch paßieren lassen wolten. etc.

XI. Handel. Scheinheilige Praetexte die alten ungegründeten Lehren in Ehe-Sachen mit Gewalt zu vertheydigen.
§. I.
Kurtze Praeliminar-An merckungen.

ICh habe in den notis ad Lancelottum öffters angemerckt, daß alle die Lehren, durch welche der Papst und sein Anhang denen Regenten und dero treuen Räthen sich wiedersetzet und die weltliche Gewalt ihnen aus der Hand gedrehet und sie zu des Papsts Sclaven gemacht, mit der Larve der pietät oder Gottesfurcht und Frömmigkeit, oder Eyffers für GOttes Ehre, der honestät und sonderbahren Erbarkeit, ingleichen pudoris naturalis, der natürlichen Schamhafftigkeit, und dergleichen zu bedecken, und sich damit bey denen Regenten, die nicht allzuscharffsinnig gewesen und die List der Schein heiligen nicht verstanden, und aus Einfalt ihnen zuviel getrauet, zu insinuiren, und wenn solches geschehen, sie unter ihr Joch durch die em-

men gethan, solches ihnen auch auf vorhergegangene Ansuchung von der Obrigkeit durch des Raths Secretarium in Beyseyn etlicher Schöppen des Orths erlaubet worden, das Auffgebot und die Priesterliche copulation aber nur ex ordinatione humana herrührete, und in übrigen in Göttlichen Rechten nicht einmahl die Ehe zwischen Gläubigen und Ungläubigen verboten wäre. So ist auch sehr notabel, daß, da die Herren Helmstadienses diese Beywohnung für eine für GOtt paßierliche Ehe gehalten; sie demnach daneben (aber nur in rationibus dubitandi) eingereumet, daß eben selbige Ehe nichts destoweniger für keine, in und bey Christlichen Evangelischen Protestirenden Kirchen und Consistoriis paßietliche Ehe zu achten und zu halten wäre. Mich wundert, wo die Herren ICti Anno 1630. das Hertze hergenommen so confident zuschreiben; und daß sie sich nicht gefürchtet, es möchten die meisten Protestantischen Consistoria wieder sie eine Inquisition anstellen lassen, als ob sie von ihnen hierdurch gleichsam̃ geschimpffet und beschuldiget werden wollen, als ob sie in Ehe-Sachen ein poßirliches Recht hätten, weil sie die für GOtt paßierliche Ehen nicht auch paßieren lassen wolten. etc.

XI. Handel. Scheinheilige Praetexte die alten ungegründeten Lehren in Ehe-Sachen mit Gewalt zu vertheydigen.
§. I.
Kurtze Praeliminar-An merckungen.

ICh habe in den notis ad Lancelottum öffters angemerckt, daß alle die Lehren, durch welche der Papst und sein Anhang denen Regenten und dero treuen Räthen sich wiedersetzet und die weltliche Gewalt ihnen aus der Hand gedrehet und sie zu des Papsts Sclaven gemacht, mit der Larve der pietät oder Gottesfurcht und Frömmigkeit, oder Eyffers für GOttes Ehre, der honestät und sonderbahren Erbarkeit, ingleichen pudoris naturalis, der natürlichen Schamhafftigkeit, und dergleichen zu bedecken, und sich damit bey denen Regenten, die nicht allzuscharffsinnig gewesen und die List der Schein heiligen nicht verstanden, und aus Einfalt ihnen zuviel getrauet, zu insinuiren, und wenn solches geschehen, sie unter ihr Joch durch die em-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <p><pb facs="#f0324" n="318"/>
men gethan,                      solches ihnen auch auf vorhergegangene Ansuchung von der Obrigkeit durch des                      Raths Secretarium in Beyseyn etlicher Schöppen des Orths erlaubet worden, das                      Auffgebot und die Priesterliche copulation aber nur ex ordinatione humana                      herrührete, und in übrigen in Göttlichen Rechten nicht einmahl die Ehe zwischen                      Gläubigen und Ungläubigen verboten wäre. So ist auch sehr notabel, daß, da die                      Herren Helmstadienses diese Beywohnung für eine für GOtt paßierliche Ehe                      gehalten; sie demnach daneben (aber nur in rationibus dubitandi) eingereumet,                      daß eben selbige Ehe nichts destoweniger für keine, in und bey Christlichen                      Evangelischen Protestirenden Kirchen und Consistoriis paßietliche Ehe zu achten                      und zu halten wäre. Mich wundert, wo die Herren ICti Anno 1630. das Hertze                      hergenommen so confident zuschreiben; und daß sie sich nicht gefürchtet, es                      möchten die meisten Protestantischen Consistoria wieder sie eine Inquisition                      anstellen lassen, als ob sie von ihnen hierdurch gleichsam&#x0303;                      geschimpffet und beschuldiget werden wollen, als ob sie in Ehe-Sachen ein                      poßirliches Recht hätten, weil sie die für GOtt paßierliche Ehen nicht auch                      paßieren lassen wolten. etc.</p>
      </div>
      <div>
        <head>XI. Handel. Scheinheilige Praetexte die alten ungegründeten Lehren in                      Ehe-Sachen mit Gewalt zu vertheydigen.</head><lb/>
      </div>
      <div>
        <head>§. I.</head><lb/>
        <note place="left">Kurtze <hi rendition="#i">Praeliminar</hi>-An merckungen.</note>
        <p>ICh habe in den notis ad Lancelottum öffters angemerckt, daß alle die Lehren,                      durch welche der Papst und sein Anhang denen Regenten und dero treuen Räthen                      sich wiedersetzet und die weltliche Gewalt ihnen aus der Hand gedrehet und sie                      zu des Papsts Sclaven gemacht, mit der Larve der pietät oder Gottesfurcht und                      Frömmigkeit, oder Eyffers für GOttes Ehre, der honestät und sonderbahren                      Erbarkeit, ingleichen pudoris naturalis, der natürlichen Schamhafftigkeit, und                      dergleichen zu bedecken, und sich damit bey denen Regenten, die nicht                      allzuscharffsinnig gewesen und die List der Schein heiligen nicht verstanden,                      und aus Einfalt ihnen zuviel getrauet, zu insinuiren, und wenn solches                      geschehen, sie unter ihr Joch durch die em-
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[318/0324] men gethan, solches ihnen auch auf vorhergegangene Ansuchung von der Obrigkeit durch des Raths Secretarium in Beyseyn etlicher Schöppen des Orths erlaubet worden, das Auffgebot und die Priesterliche copulation aber nur ex ordinatione humana herrührete, und in übrigen in Göttlichen Rechten nicht einmahl die Ehe zwischen Gläubigen und Ungläubigen verboten wäre. So ist auch sehr notabel, daß, da die Herren Helmstadienses diese Beywohnung für eine für GOtt paßierliche Ehe gehalten; sie demnach daneben (aber nur in rationibus dubitandi) eingereumet, daß eben selbige Ehe nichts destoweniger für keine, in und bey Christlichen Evangelischen Protestirenden Kirchen und Consistoriis paßietliche Ehe zu achten und zu halten wäre. Mich wundert, wo die Herren ICti Anno 1630. das Hertze hergenommen so confident zuschreiben; und daß sie sich nicht gefürchtet, es möchten die meisten Protestantischen Consistoria wieder sie eine Inquisition anstellen lassen, als ob sie von ihnen hierdurch gleichsam̃ geschimpffet und beschuldiget werden wollen, als ob sie in Ehe-Sachen ein poßirliches Recht hätten, weil sie die für GOtt paßierliche Ehen nicht auch paßieren lassen wolten. etc. XI. Handel. Scheinheilige Praetexte die alten ungegründeten Lehren in Ehe-Sachen mit Gewalt zu vertheydigen. §. I. ICh habe in den notis ad Lancelottum öffters angemerckt, daß alle die Lehren, durch welche der Papst und sein Anhang denen Regenten und dero treuen Räthen sich wiedersetzet und die weltliche Gewalt ihnen aus der Hand gedrehet und sie zu des Papsts Sclaven gemacht, mit der Larve der pietät oder Gottesfurcht und Frömmigkeit, oder Eyffers für GOttes Ehre, der honestät und sonderbahren Erbarkeit, ingleichen pudoris naturalis, der natürlichen Schamhafftigkeit, und dergleichen zu bedecken, und sich damit bey denen Regenten, die nicht allzuscharffsinnig gewesen und die List der Schein heiligen nicht verstanden, und aus Einfalt ihnen zuviel getrauet, zu insinuiren, und wenn solches geschehen, sie unter ihr Joch durch die em-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Obrigkeitskritik und Fürstenberatung: Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel 1568-1714: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in XML/TEI. (2013-02-15T13:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-02-15T13:54:31Z)
Marcus Baumgarten, Frederike Neuber, Frank Wiegand: Konvertierung nach XML gemäß DTA-Basisformat, Tagging der Titelblätter, Korrekturen der Transkription. (2013-02-15T13:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Ligaturen werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Zeilengrenzen hinweg werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Seitengrenzen hinweg werden beibehalten.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.
  • Griechische Schrift wird nicht transkribiert, sondern im XML mit <foreign xml:lang="el"><gap reason="fm"/></foreign> vermerkt.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte03_1724
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte03_1724/324
Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Dritter Theil. Halle, 1724, S. 318. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte03_1724/324>, abgerufen am 14.04.2021.