Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Vierdter Theil. Halle, 1725.

Bild:
<< vorherige Seite

zum Erben eingesetzet, und wenn derselbe ohne eheliche Leibes-Erben versterben solte, ihme seines, des Testatoris, Bruders Anverwandten substituiret. Species facti.Hat besagter Johann Faust nebst seinen Vormündern nach des Testatoris Tode sich mit denen übrigen Erben in gewissen Puncten verglichen, und fordern nunmehro nach besagtes Johann Fausts Todte die ihme substituirten dessen Erbschafft von dessen hinterlassenen Halb-Bruder, welcher aber diese geschehene Substitution impugniret, oder, da dieselbige ja in vim fideicommissi resolviret werden solte, Johann Fausts materna & paterna & ex haereditate aviae percepta atque post mortem testatoris de novo acquisita von der Erbschafft zu separiren, auch von der übrigen massa duplicem quartam praetendiren, I. Frage.und entstehet dannenhero die erste Frage: Ob Johann Eide Fausts Testament nicht auf ein Fideicommissum gezogen werden könne: Auf welche allerdings mit Ja zu antworten, weil in dem Testament §. und dieses soll also etc. die Clausula codicillaris ausdrücklich II. Frage. enthalten. Auf die II. Frage: Ob Johann Faust quartam Trebellianicam deduciren könne: erachte ich vor Recht. Ob wohl wieder ihn angeführet wird, daß er kein beständiges Inventarium gehabt, auch solches aus dem Anfang des Vergleichs ausdrücklich verstanden worden, über dieses auch er die Erbschafft gezwungen restituiret. Dieweil aber dennoch dieses letzte gar keine Rationem dubitandi machen kan; so viel aber das erste betrifft, wohl zu consideriren, daß im besagten Vergleich von des Testatoris Bruder dem Heredi Johann Fausten und dessen Vormündern dieser Neglectus mit erlassen worden; anderer Umstände, und absonderlich desjenigen, daß zuforderst dahin zusehen, ob nicht an dem Loco quaestionis per juratam specificationem der Defectus neglecti Inventarii suppliret zu werden pflege, anitzo zugeschweigen; So möchte auch Johann Faustens Trebellianicam zu deduciren III. Frage.allerdings befuget seyn. Auf die III. Frage: Ob denn, wenn pars adversa Trebellianicam zöge, nicht zuförderst von der gantzen massa bonorum die 51. Jück, so bereits der fideicommissarius Krafft des Vergleichs in Händen hat; wie nicht weniger die 51. Jück, so perpetuirlich der studirenden Jugend beygeleget werden, welches aus dem Contract gleichfalls erhellet, abzuziehen wären: erachte ich vor Recht: Daß die Frage allerdings zu bejahen, weil von denen Legatis ad pias causas so wenig als von demjenigen, was pro parte haereditatis restituendae nicht geachtet werden kan, keine Tre-

zum Erben eingesetzet, und wenn derselbe ohne eheliche Leibes-Erben versterben solte, ihme seines, des Testatoris, Bruders Anverwandten substituiret. Species facti.Hat besagter Johann Faust nebst seinen Vormündern nach des Testatoris Tode sich mit denen übrigen Erben in gewissen Puncten verglichen, und fordern nunmehro nach besagtes Johann Fausts Todte die ihme substituirten dessen Erbschafft von dessen hinterlassenen Halb-Bruder, welcher aber diese geschehene Substitution impugniret, oder, da dieselbige ja in vim fideicommissi resolviret werden solte, Johann Fausts materna & paterna & ex haereditate aviae percepta atque post mortem testatoris de novo acquisita von der Erbschafft zu separiren, auch von der übrigen massa duplicem quartam praetendiren, I. Frage.und entstehet dannenhero die erste Frage: Ob Johann Eide Fausts Testament nicht auf ein Fideicommissum gezogen werden könne: Auf welche allerdings mit Ja zu antworten, weil in dem Testament §. und dieses soll also etc. die Clausula codicillaris ausdrücklich II. Frage. enthalten. Auf die II. Frage: Ob Johann Faust quartam Trebellianicam deduciren könne: erachte ich vor Recht. Ob wohl wieder ihn angeführet wird, daß er kein beständiges Inventarium gehabt, auch solches aus dem Anfang des Vergleichs ausdrücklich verstanden worden, über dieses auch er die Erbschafft gezwungen restituiret. Dieweil aber dennoch dieses letzte gar keine Rationem dubitandi machen kan; so viel aber das erste betrifft, wohl zu consideriren, daß im besagten Vergleich von des Testatoris Bruder dem Heredi Johann Fausten und dessen Vormündern dieser Neglectus mit erlassen worden; anderer Umstände, und absonderlich desjenigen, daß zuforderst dahin zusehen, ob nicht an dem Loco quaestionis per juratam specificationem der Defectus neglecti Inventarii suppliret zu werden pflege, anitzo zugeschweigen; So möchte auch Johann Faustens Trebellianicam zu deduciren III. Frage.allerdings befuget seyn. Auf die III. Frage: Ob denn, wenn pars adversa Trebellianicam zöge, nicht zuförderst von der gantzen massa bonorum die 51. Jück, so bereits der fideicommissarius Krafft des Vergleichs in Händen hat; wie nicht weniger die 51. Jück, so perpetuirlich der studirenden Jugend beygeleget werden, welches aus dem Contract gleichfalls erhellet, abzuziehen wären: erachte ich vor Recht: Daß die Frage allerdings zu bejahen, weil von denen Legatis ad pias causas so wenig als von demjenigen, was pro parte haereditatis restituendae nicht geachtet werden kan, keine Tre-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <p><pb facs="#f0274" n="266"/>
zum Erben eingesetzet,                      und wenn derselbe ohne eheliche Leibes-Erben versterben solte, ihme seines, des                      Testatoris, Bruders Anverwandten substituiret. <note place="left"><hi rendition="#i">Species facti</hi>.</note>Hat besagter Johann Faust nebst                      seinen Vormündern nach des Testatoris Tode sich mit denen übrigen Erben in                      gewissen Puncten verglichen, und fordern nunmehro nach besagtes Johann Fausts                      Todte die ihme substituirten dessen Erbschafft von dessen hinterlassenen                      Halb-Bruder, welcher aber diese geschehene Substitution impugniret, oder, da                      dieselbige ja in vim fideicommissi resolviret werden solte, Johann Fausts                      materna &amp; paterna &amp; ex haereditate aviae percepta atque post mortem                      testatoris de novo acquisita von der Erbschafft zu separiren, auch von der                      übrigen massa duplicem quartam praetendiren, <note place="left">I.                      Frage.</note>und entstehet dannenhero die erste Frage: Ob Johann Eide Fausts                      Testament nicht auf ein <hi rendition="#i">Fideicommissum</hi> gezogen werden                      könne: Auf welche allerdings mit Ja zu antworten, weil in dem Testament §. und                      dieses soll also etc. die Clausula codicillaris ausdrücklich <note place="left">II. Frage.</note> enthalten. Auf die II. Frage: Ob Johann Faust <hi rendition="#i">quartam Trebellianicam deducir</hi>en könne: erachte ich vor                      Recht. Ob wohl wieder ihn angeführet wird, daß er kein beständiges Inventarium                      gehabt, auch solches aus dem Anfang des Vergleichs ausdrücklich verstanden                      worden, über dieses auch er die Erbschafft gezwungen restituiret. Dieweil aber                      dennoch dieses letzte gar keine Rationem dubitandi machen kan; so viel aber das                      erste betrifft, wohl zu consideriren, daß im besagten Vergleich von des                      Testatoris Bruder dem Heredi Johann Fausten und dessen Vormündern dieser                      Neglectus mit erlassen worden; anderer Umstände, und absonderlich desjenigen,                      daß zuforderst dahin zusehen, ob nicht an dem Loco quaestionis per juratam                      specificationem der Defectus neglecti Inventarii suppliret zu werden pflege,                      anitzo zugeschweigen; So möchte auch Johann Faustens Trebellianicam zu deduciren                          <note place="left">III. Frage.</note>allerdings befuget seyn. Auf die III.                      Frage: Ob denn, wenn <hi rendition="#i">pars adversa Trebellianicam</hi> zöge,                      nicht zuförderst von der gantzen <hi rendition="#i">massa bonorum</hi> die 51.                      Jück, so bereits der <hi rendition="#i">fideicommissarius</hi> Krafft des                      Vergleichs in Händen hat; wie nicht weniger die 51. Jück, so <hi rendition="#i">perpetuir</hi>lich der <hi rendition="#i">studir</hi>enden Jugend                      beygeleget werden, welches aus dem <hi rendition="#i">Contract</hi> gleichfalls                      erhellet, abzuziehen wären: erachte ich vor Recht: Daß die Frage allerdings zu                      bejahen, weil von denen Legatis ad pias causas so wenig als von demjenigen, was                      pro parte haereditatis restituendae nicht geachtet werden kan, keine Tre-
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[266/0274] zum Erben eingesetzet, und wenn derselbe ohne eheliche Leibes-Erben versterben solte, ihme seines, des Testatoris, Bruders Anverwandten substituiret. Hat besagter Johann Faust nebst seinen Vormündern nach des Testatoris Tode sich mit denen übrigen Erben in gewissen Puncten verglichen, und fordern nunmehro nach besagtes Johann Fausts Todte die ihme substituirten dessen Erbschafft von dessen hinterlassenen Halb-Bruder, welcher aber diese geschehene Substitution impugniret, oder, da dieselbige ja in vim fideicommissi resolviret werden solte, Johann Fausts materna & paterna & ex haereditate aviae percepta atque post mortem testatoris de novo acquisita von der Erbschafft zu separiren, auch von der übrigen massa duplicem quartam praetendiren, und entstehet dannenhero die erste Frage: Ob Johann Eide Fausts Testament nicht auf ein Fideicommissum gezogen werden könne: Auf welche allerdings mit Ja zu antworten, weil in dem Testament §. und dieses soll also etc. die Clausula codicillaris ausdrücklich enthalten. Auf die II. Frage: Ob Johann Faust quartam Trebellianicam deduciren könne: erachte ich vor Recht. Ob wohl wieder ihn angeführet wird, daß er kein beständiges Inventarium gehabt, auch solches aus dem Anfang des Vergleichs ausdrücklich verstanden worden, über dieses auch er die Erbschafft gezwungen restituiret. Dieweil aber dennoch dieses letzte gar keine Rationem dubitandi machen kan; so viel aber das erste betrifft, wohl zu consideriren, daß im besagten Vergleich von des Testatoris Bruder dem Heredi Johann Fausten und dessen Vormündern dieser Neglectus mit erlassen worden; anderer Umstände, und absonderlich desjenigen, daß zuforderst dahin zusehen, ob nicht an dem Loco quaestionis per juratam specificationem der Defectus neglecti Inventarii suppliret zu werden pflege, anitzo zugeschweigen; So möchte auch Johann Faustens Trebellianicam zu deduciren allerdings befuget seyn. Auf die III. Frage: Ob denn, wenn pars adversa Trebellianicam zöge, nicht zuförderst von der gantzen massa bonorum die 51. Jück, so bereits der fideicommissarius Krafft des Vergleichs in Händen hat; wie nicht weniger die 51. Jück, so perpetuirlich der studirenden Jugend beygeleget werden, welches aus dem Contract gleichfalls erhellet, abzuziehen wären: erachte ich vor Recht: Daß die Frage allerdings zu bejahen, weil von denen Legatis ad pias causas so wenig als von demjenigen, was pro parte haereditatis restituendae nicht geachtet werden kan, keine Tre- Species facti. I. Frage. II. Frage. III. Frage.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Obrigkeitskritik und Fürstenberatung: Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel 1568-1714: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in XML/TEI. (2013-02-15T13:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-02-15T13:54:31Z)
Marcus Baumgarten, Frederike Neuber, Frank Wiegand: Konvertierung nach XML gemäß DTA-Basisformat, Tagging der Titelblätter, Korrekturen der Transkription. (2013-02-15T13:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Ligaturen werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Zeilengrenzen hinweg werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Seitengrenzen hinweg werden beibehalten.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.
  • Griechische Schrift wird nicht transkribiert, sondern im XML mit <foreign xml:lang="el"><gap reason="fm"/></foreign> vermerkt.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte04_1725
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte04_1725/274
Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Vierdter Theil. Halle, 1725, S. 266. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte04_1725/274>, abgerufen am 09.05.2021.