Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Tieck, Ludwig: Franz Sternbald's Wanderungen. Bd. 2. Berlin, 1798.

Bild:
<< vorherige Seite

Du bist viel zu gewissenhaft, mein
Freund, sagte Rudolf weiter. Alles in der
Welt bestimmt Dich und hat Einfluß auf
Dein Gemüth.

Ein Fußsteig führte sie in einen dichten
kühlen Wald hinein, und sie bedachten sich
nicht lange, ihm nachzugehn. Eine erquik¬
kende Luft zog durch die Zweige, und das
mannigfaltigste, anmuthigste Konzert der
Vögel erschallte. Es war ein lebendiges
Gewimmel in den Gebüschen; die buntgefie¬
derten Sänger sprangen hier und dort hin;
die Sonne flimmerte nur an einzelnen Stel¬
len durch das dichte Grün.

Beide Freunde gingen schweigend neben
einander, indem sie des schönen Anblicks
genossen. Endlich stand Rudolf still, und
sagte: Wenn ich ein Mahler wäre, Freund
Sternbald, so würde ich vorzüglich Wald¬
scenen studiren und darstellen. Schon der

Du biſt viel zu gewiſſenhaft, mein
Freund, ſagte Rudolf weiter. Alles in der
Welt beſtimmt Dich und hat Einfluß auf
Dein Gemüth.

Ein Fußſteig führte ſie in einen dichten
kühlen Wald hinein, und ſie bedachten ſich
nicht lange, ihm nachzugehn. Eine erquik¬
kende Luft zog durch die Zweige, und das
mannigfaltigſte, anmuthigſte Konzert der
Vögel erſchallte. Es war ein lebendiges
Gewimmel in den Gebüſchen; die buntgefie¬
derten Sänger ſprangen hier und dort hin;
die Sonne flimmerte nur an einzelnen Stel¬
len durch das dichte Grün.

Beide Freunde gingen ſchweigend neben
einander, indem ſie des ſchönen Anblicks
genoſſen. Endlich ſtand Rudolf ſtill, und
ſagte: Wenn ich ein Mahler wäre, Freund
Sternbald, ſo würde ich vorzüglich Wald¬
ſcenen ſtudiren und darſtellen. Schon der

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0060" n="52"/>
          <p>Du bi&#x017F;t viel zu gewi&#x017F;&#x017F;enhaft, mein<lb/>
Freund, &#x017F;agte Rudolf weiter. Alles in der<lb/>
Welt be&#x017F;timmt Dich und hat Einfluß auf<lb/>
Dein Gemüth.</p><lb/>
          <p>Ein Fuß&#x017F;teig führte &#x017F;ie in einen dichten<lb/>
kühlen Wald hinein, und &#x017F;ie bedachten &#x017F;ich<lb/>
nicht lange, ihm nachzugehn. Eine erquik¬<lb/>
kende Luft zog durch die Zweige, und das<lb/>
mannigfaltig&#x017F;te, anmuthig&#x017F;te Konzert der<lb/>
Vögel er&#x017F;challte. Es war ein lebendiges<lb/>
Gewimmel in den Gebü&#x017F;chen; die buntgefie¬<lb/>
derten Sänger &#x017F;prangen hier und dort hin;<lb/>
die Sonne flimmerte nur an einzelnen Stel¬<lb/>
len durch das dichte Grün.</p><lb/>
          <p>Beide Freunde gingen &#x017F;chweigend neben<lb/>
einander, indem &#x017F;ie des &#x017F;chönen Anblicks<lb/>
geno&#x017F;&#x017F;en. Endlich &#x017F;tand Rudolf &#x017F;till, und<lb/>
&#x017F;agte: Wenn ich ein Mahler wäre, Freund<lb/>
Sternbald, &#x017F;o würde ich vorzüglich Wald¬<lb/>
&#x017F;cenen &#x017F;tudiren und dar&#x017F;tellen. Schon der<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[52/0060] Du biſt viel zu gewiſſenhaft, mein Freund, ſagte Rudolf weiter. Alles in der Welt beſtimmt Dich und hat Einfluß auf Dein Gemüth. Ein Fußſteig führte ſie in einen dichten kühlen Wald hinein, und ſie bedachten ſich nicht lange, ihm nachzugehn. Eine erquik¬ kende Luft zog durch die Zweige, und das mannigfaltigſte, anmuthigſte Konzert der Vögel erſchallte. Es war ein lebendiges Gewimmel in den Gebüſchen; die buntgefie¬ derten Sänger ſprangen hier und dort hin; die Sonne flimmerte nur an einzelnen Stel¬ len durch das dichte Grün. Beide Freunde gingen ſchweigend neben einander, indem ſie des ſchönen Anblicks genoſſen. Endlich ſtand Rudolf ſtill, und ſagte: Wenn ich ein Mahler wäre, Freund Sternbald, ſo würde ich vorzüglich Wald¬ ſcenen ſtudiren und darſtellen. Schon der

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/tieck_sternbald02_1798
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/tieck_sternbald02_1798/60
Zitationshilfe: Tieck, Ludwig: Franz Sternbald's Wanderungen. Bd. 2. Berlin, 1798, S. 52. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/tieck_sternbald02_1798/60>, abgerufen am 03.12.2021.