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Unzer, Johann August: Gedanken vom Einfluß der Seele in ihren Körper. Halle (Saale), 1746.

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an dasienige gehalten, was er sehen kan, und
daß er sich nicht bemühet habe, etwas zu erra-
then, das er nicht sehen kan. Jch will es in-
dessen nur vorher sagen, daß ich es wisse, man
werde mir diese Worte sehr übel auslegen.

§. 49.

Jch habe oben erwiesen, daß die Sele die
Ursach einiger Veränderungen unsers Körpers
und dieser eine Ursach anderer in der Sele sey.
Dieses will eben so viel sagen, als: die Sele
und der Körper würcken physicalisch in einan-
der. Man wird also nicht von mir verlangen,
daß ich den physicalischen Einfluß nach meiner
Auslegung hier vom neuen beweisen solte. Jch
schliesse so: Weil zwischen zweyen Verände-
rungen bey dem Menschen ein Einfluß statt
hat, und weil dieser Einfluß weder bloß idealisch
§. 16. noch allein physicalisch seyn kan, wenn
ich den physicalischen Einfluß nach der Erklä-
rung des Herrn M. Meiers nehme §. 13. 14.
so ist die Meinung, welche ich ietzo vom physi-
calischen Einfluß vorgetragen, so lange wahr,
bis man sie wiederleget und eine andere substi-
tuiret. Meiner Einsicht nach sind hierzu wohl
noch ziemlich weit aussehende Zeiten, und die
Jnfluxionisten werden nicht Ursach haben, die-
serhalb unruhig zu schlafen. Da ich aber nur
von einigen Veränderungen des Menschen ge-
sprochen habe; so fragt es sich nunmehro, ob
auch wol die Herren Stahlianer Recht haben,
welche dieses von allen Veränderungen des

Körpers
K 3

an dasienige gehalten, was er ſehen kan, und
daß er ſich nicht bemuͤhet habe, etwas zu erra-
then, das er nicht ſehen kan. Jch will es in-
deſſen nur vorher ſagen, daß ich es wiſſe, man
werde mir dieſe Worte ſehr uͤbel auslegen.

§. 49.

Jch habe oben erwieſen, daß die Sele die
Urſach einiger Veraͤnderungen unſers Koͤrpers
und dieſer eine Urſach anderer in der Sele ſey.
Dieſes will eben ſo viel ſagen, als: die Sele
und der Koͤrper wuͤrcken phyſicaliſch in einan-
der. Man wird alſo nicht von mir verlangen,
daß ich den phyſicaliſchen Einfluß nach meiner
Auslegung hier vom neuen beweiſen ſolte. Jch
ſchlieſſe ſo: Weil zwiſchen zweyen Veraͤnde-
rungen bey dem Menſchen ein Einfluß ſtatt
hat, und weil dieſer Einfluß weder bloß idealiſch
§. 16. noch allein phyſicaliſch ſeyn kan, wenn
ich den phyſicaliſchen Einfluß nach der Erklaͤ-
rung des Herrn M. Meiers nehme §. 13. 14.
ſo iſt die Meinung, welche ich ietzo vom phyſi-
caliſchen Einfluß vorgetragen, ſo lange wahr,
bis man ſie wiederleget und eine andere ſubſti-
tuiret. Meiner Einſicht nach ſind hierzu wohl
noch ziemlich weit ausſehende Zeiten, und die
Jnfluxioniſten werden nicht Urſach haben, die-
ſerhalb unruhig zu ſchlafen. Da ich aber nur
von einigen Veraͤnderungen des Menſchen ge-
ſprochen habe; ſo fragt es ſich nunmehro, ob
auch wol die Herren Stahlianer Recht haben,
welche dieſes von allen Veraͤnderungen des

Koͤrpers
K 3
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[123/0153] an dasienige gehalten, was er ſehen kan, und daß er ſich nicht bemuͤhet habe, etwas zu erra- then, das er nicht ſehen kan. Jch will es in- deſſen nur vorher ſagen, daß ich es wiſſe, man werde mir dieſe Worte ſehr uͤbel auslegen. §. 49. Jch habe oben erwieſen, daß die Sele die Urſach einiger Veraͤnderungen unſers Koͤrpers und dieſer eine Urſach anderer in der Sele ſey. Dieſes will eben ſo viel ſagen, als: die Sele und der Koͤrper wuͤrcken phyſicaliſch in einan- der. Man wird alſo nicht von mir verlangen, daß ich den phyſicaliſchen Einfluß nach meiner Auslegung hier vom neuen beweiſen ſolte. Jch ſchlieſſe ſo: Weil zwiſchen zweyen Veraͤnde- rungen bey dem Menſchen ein Einfluß ſtatt hat, und weil dieſer Einfluß weder bloß idealiſch §. 16. noch allein phyſicaliſch ſeyn kan, wenn ich den phyſicaliſchen Einfluß nach der Erklaͤ- rung des Herrn M. Meiers nehme §. 13. 14. ſo iſt die Meinung, welche ich ietzo vom phyſi- caliſchen Einfluß vorgetragen, ſo lange wahr, bis man ſie wiederleget und eine andere ſubſti- tuiret. Meiner Einſicht nach ſind hierzu wohl noch ziemlich weit ausſehende Zeiten, und die Jnfluxioniſten werden nicht Urſach haben, die- ſerhalb unruhig zu ſchlafen. Da ich aber nur von einigen Veraͤnderungen des Menſchen ge- ſprochen habe; ſo fragt es ſich nunmehro, ob auch wol die Herren Stahlianer Recht haben, welche dieſes von allen Veraͤnderungen des Koͤrpers K 3

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Zitationshilfe: Unzer, Johann August: Gedanken vom Einfluß der Seele in ihren Körper. Halle (Saale), 1746, S. 123. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/unzer_gedanken_1746/153>, abgerufen am 16.04.2024.