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Voß, Julius von: Ini. Ein Roman aus dem ein und zwanzigsten Jahrhundert. Berlin, 1810.

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vor ihrem Sturme, den Boden sicherte. Dies
konnte nicht anders als unter seinem Rande
geschehen. Daher mußten die disseitigen Minirer
zeitig ihren Weg antreten. Große Erdbohrer,
durch Maschinen in Bewegung gesetzt, dienten
zu diesem Zwecke. Man beeilte sich, die höllischen
Anlagen aufzufinden und durch eine frühere
Brandstiftung sie unschädlich zu machen.

Grausenvoller Krieg, schauderhafte Anwen¬
dung entsetzlicher Naturkräfte! Doch dies fürch¬
terliche Verfahren war nothwendig geworden,
man durfte sich nicht ungestraft an Mordkunst
überbieten lassen. Und die Möglichkeit solcher
Allvertilgung, mahnte desto lauter an, den Frieden
zur ersten Tugend der Menschheit zu erheben.
Noch hörten aber nicht alle Völker darauf.

Wer nun von den jungen Soldaten in eine
der kunstreichen Truppenarten aufgenommen
worden, und den Unterricht dreier neuen Lehr¬
jahre empfangen hatte, konnte nach Belieben
wieder austreten, denn es war nützlich, unter
den Bürgern im Staate, auch eine Zahl so ange¬
lehrter zu wissen. Es war nun eine Befreiung
von gewissen Gaben und ein Ehrenzeichen ihr
Lohn.

vor ihrem Sturme, den Boden ſicherte. Dies
konnte nicht anders als unter ſeinem Rande
geſchehen. Daher mußten die diſſeitigen Minirer
zeitig ihren Weg antreten. Große Erdbohrer,
durch Maſchinen in Bewegung geſetzt, dienten
zu dieſem Zwecke. Man beeilte ſich, die hoͤlliſchen
Anlagen aufzufinden und durch eine fruͤhere
Brandſtiftung ſie unſchaͤdlich zu machen.

Grauſenvoller Krieg, ſchauderhafte Anwen¬
dung entſetzlicher Naturkraͤfte! Doch dies fuͤrch¬
terliche Verfahren war nothwendig geworden,
man durfte ſich nicht ungeſtraft an Mordkunſt
uͤberbieten laſſen. Und die Moͤglichkeit ſolcher
Allvertilgung, mahnte deſto lauter an, den Frieden
zur erſten Tugend der Menſchheit zu erheben.
Noch hoͤrten aber nicht alle Voͤlker darauf.

Wer nun von den jungen Soldaten in eine
der kunſtreichen Truppenarten aufgenommen
worden, und den Unterricht dreier neuen Lehr¬
jahre empfangen hatte, konnte nach Belieben
wieder austreten, denn es war nuͤtzlich, unter
den Buͤrgern im Staate, auch eine Zahl ſo ange¬
lehrter zu wiſſen. Es war nun eine Befreiung
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[95/0107] vor ihrem Sturme, den Boden ſicherte. Dies konnte nicht anders als unter ſeinem Rande geſchehen. Daher mußten die diſſeitigen Minirer zeitig ihren Weg antreten. Große Erdbohrer, durch Maſchinen in Bewegung geſetzt, dienten zu dieſem Zwecke. Man beeilte ſich, die hoͤlliſchen Anlagen aufzufinden und durch eine fruͤhere Brandſtiftung ſie unſchaͤdlich zu machen. Grauſenvoller Krieg, ſchauderhafte Anwen¬ dung entſetzlicher Naturkraͤfte! Doch dies fuͤrch¬ terliche Verfahren war nothwendig geworden, man durfte ſich nicht ungeſtraft an Mordkunſt uͤberbieten laſſen. Und die Moͤglichkeit ſolcher Allvertilgung, mahnte deſto lauter an, den Frieden zur erſten Tugend der Menſchheit zu erheben. Noch hoͤrten aber nicht alle Voͤlker darauf. Wer nun von den jungen Soldaten in eine der kunſtreichen Truppenarten aufgenommen worden, und den Unterricht dreier neuen Lehr¬ jahre empfangen hatte, konnte nach Belieben wieder austreten, denn es war nuͤtzlich, unter den Buͤrgern im Staate, auch eine Zahl ſo ange¬ lehrter zu wiſſen. Es war nun eine Befreiung von gewiſſen Gaben und ein Ehrenzeichen ihr Lohn.

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Zitationshilfe: Voß, Julius von: Ini. Ein Roman aus dem ein und zwanzigsten Jahrhundert. Berlin, 1810, S. 95. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/voss_ini_1810/107>, abgerufen am 13.07.2024.