Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Voß, Julius von: Ini. Ein Roman aus dem ein und zwanzigsten Jahrhundert. Berlin, 1810.

Bild:
<< vorherige Seite

Auch Athania, die edle Erzieherin, war zu
scharfsichtig, um nicht Ini bald aus ihren Um¬
gestaltungen zu errathen, wenn ihr gleich der
Jüngling ihrer Liebe noch ein Geheimniß blieb.

Doch da die Liebenden sich nachher öfter zu¬
sammenstahlen, konnten sie der forschenden Be¬
obachtung nicht entgehen. Beide Alten waren
schnell mit ihrem Glauben aufs Reine und bei
einer Zusammenkunft entstand folgendes Ge¬
spräch.

Gelino. Werthe Athania, mein Zögling
scheint Ini zu lieben.

Athania. Eben wollte ich dir meine Be¬
merkungen über diesen Gegenstand vortragen.

Gelino. Ich gerathe in keine kleine Verle¬
genheit. Wohl hat diese Liebe, ohne Zweifel
die erste, und eben so gewiß auf eine würdige
Art erwiedert, Veredlung im Gefolge, dennoch
muß ich darauf sinnen, wie sie am bequemsten
zu hindern sei.

Athania. Harte Strenge gegen die jungen
Seelen.

Gelino. Aber nothwendig. Der Kaiser nimmt
sich meines Guido, den er hier kennen lernte,
an, hat mir bei seiner letzten Gegenwart ver¬

Auch Athania, die edle Erzieherin, war zu
ſcharfſichtig, um nicht Ini bald aus ihren Um¬
geſtaltungen zu errathen, wenn ihr gleich der
Juͤngling ihrer Liebe noch ein Geheimniß blieb.

Doch da die Liebenden ſich nachher oͤfter zu¬
ſammenſtahlen, konnten ſie der forſchenden Be¬
obachtung nicht entgehen. Beide Alten waren
ſchnell mit ihrem Glauben aufs Reine und bei
einer Zuſammenkunft entſtand folgendes Ge¬
ſpraͤch.

Gelino. Werthe Athania, mein Zoͤgling
ſcheint Ini zu lieben.

Athania. Eben wollte ich dir meine Be¬
merkungen uͤber dieſen Gegenſtand vortragen.

Gelino. Ich gerathe in keine kleine Verle¬
genheit. Wohl hat dieſe Liebe, ohne Zweifel
die erſte, und eben ſo gewiß auf eine wuͤrdige
Art erwiedert, Veredlung im Gefolge, dennoch
muß ich darauf ſinnen, wie ſie am bequemſten
zu hindern ſei.

Athania. Harte Strenge gegen die jungen
Seelen.

Gelino. Aber nothwendig. Der Kaiſer nimmt
ſich meines Guido, den er hier kennen lernte,
an, hat mir bei ſeiner letzten Gegenwart ver¬

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0033" n="21"/>
          <p>Auch Athania, die edle Erzieherin, war zu<lb/>
&#x017F;charf&#x017F;ichtig, um nicht Ini bald aus ihren Um¬<lb/>
ge&#x017F;taltungen zu errathen, wenn ihr gleich der<lb/>
Ju&#x0364;ngling ihrer Liebe noch ein Geheimniß blieb.</p><lb/>
          <p>Doch da die Liebenden &#x017F;ich nachher o&#x0364;fter zu¬<lb/>
&#x017F;ammen&#x017F;tahlen, konnten &#x017F;ie der for&#x017F;chenden Be¬<lb/>
obachtung nicht entgehen. Beide Alten waren<lb/>
&#x017F;chnell mit ihrem Glauben aufs Reine und bei<lb/>
einer Zu&#x017F;ammenkunft ent&#x017F;tand folgendes Ge¬<lb/>
&#x017F;pra&#x0364;ch.</p><lb/>
          <p>Gelino. Werthe Athania, mein Zo&#x0364;gling<lb/>
&#x017F;cheint Ini zu lieben.</p><lb/>
          <p>Athania. Eben wollte ich dir meine Be¬<lb/>
merkungen u&#x0364;ber die&#x017F;en Gegen&#x017F;tand vortragen.</p><lb/>
          <p>Gelino. Ich gerathe in keine kleine Verle¬<lb/>
genheit. Wohl hat die&#x017F;e Liebe, ohne Zweifel<lb/>
die er&#x017F;te, und eben &#x017F;o gewiß auf eine wu&#x0364;rdige<lb/>
Art erwiedert, Veredlung im Gefolge, dennoch<lb/>
muß ich darauf &#x017F;innen, wie &#x017F;ie am bequem&#x017F;ten<lb/>
zu hindern &#x017F;ei.</p><lb/>
          <p>Athania. Harte Strenge gegen die jungen<lb/>
Seelen.</p><lb/>
          <p>Gelino. Aber nothwendig. Der Kai&#x017F;er nimmt<lb/>
&#x017F;ich meines Guido, den er hier kennen lernte,<lb/>
an, hat mir bei &#x017F;einer letzten Gegenwart ver¬<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[21/0033] Auch Athania, die edle Erzieherin, war zu ſcharfſichtig, um nicht Ini bald aus ihren Um¬ geſtaltungen zu errathen, wenn ihr gleich der Juͤngling ihrer Liebe noch ein Geheimniß blieb. Doch da die Liebenden ſich nachher oͤfter zu¬ ſammenſtahlen, konnten ſie der forſchenden Be¬ obachtung nicht entgehen. Beide Alten waren ſchnell mit ihrem Glauben aufs Reine und bei einer Zuſammenkunft entſtand folgendes Ge¬ ſpraͤch. Gelino. Werthe Athania, mein Zoͤgling ſcheint Ini zu lieben. Athania. Eben wollte ich dir meine Be¬ merkungen uͤber dieſen Gegenſtand vortragen. Gelino. Ich gerathe in keine kleine Verle¬ genheit. Wohl hat dieſe Liebe, ohne Zweifel die erſte, und eben ſo gewiß auf eine wuͤrdige Art erwiedert, Veredlung im Gefolge, dennoch muß ich darauf ſinnen, wie ſie am bequemſten zu hindern ſei. Athania. Harte Strenge gegen die jungen Seelen. Gelino. Aber nothwendig. Der Kaiſer nimmt ſich meines Guido, den er hier kennen lernte, an, hat mir bei ſeiner letzten Gegenwart ver¬

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/voss_ini_1810
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/voss_ini_1810/33
Zitationshilfe: Voß, Julius von: Ini. Ein Roman aus dem ein und zwanzigsten Jahrhundert. Berlin, 1810, S. 21. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/voss_ini_1810/33>, abgerufen am 13.07.2024.