Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wolff, Caspar Friedrich: Theorie von der Generation. Berlin, 1764.

Bild:
<< vorherige Seite

2. Kap. Von der Entstehungsart
len, wie zu vermuthen ist, einerley gefunden; aber
eben so verhält es sich auch, wie Sie im folgenden
Kapitel sehen werden, mit der Formation der Ge-
fäße und der Zellen bey den Thieren. Also nun
hurtig, weil wir bey der Sache sind, weiter ge-
schlossen, was sich schließen läft! Diese Gefäße
und Bläschen oder Zellen machen die innere Struk-
tur eines Theiles; sie machen den Theil organisch,
und ohne ihnen würde der Theil auf hören orga-
nisch zu seyn. Nehmen Sie der Leber oder der
Niere alle Gefäße weg, so bleibt weiter nichts,
als ein Klumpen Materie übrig, die zwar die Ei-
genschaften der thierischen Substanz haben kann,
in der sie aber so wenig Organisation oder Struk-
tur noch antreffen, als in einem Klumpen Wachs.
Eben dieselbe Bewandniß hat es mit den Blät-
tern der Pflanzen, den Aesten der Wurzel etc. Nun
aber werden diese Gefäße und Bläschen erst in ei-
nem Theile formirt, nachdem der Theil schon pro-
ducirt war, und die Production des Theils ist von
der Formation seiner Gefäße, woraus er, wenn er
erwachsen ist, bestehen soll, verschieden. Folglich
wird ein jeder organischer Theil zuerst producirt,
und alsdann organisirt, und diese Organisation ei-
nes Theiles ist eine von der Produktion desselben
unterschiedene Würkung der Natur. Wie die
Produktion geschiehet, das werden Sie im vier-
ten Kapitel sehen; vor jetzo ist es genug, wenn
wir wissen, daß ein Theil, ehe die Formation der
Gefäße in ihm vorgeht, allemal unter der Figur
einer Tropfe entweder, oder eines Randes, oder

eines

2. Kap. Von der Entſtehungsart
len, wie zu vermuthen iſt, einerley gefunden; aber
eben ſo verhaͤlt es ſich auch, wie Sie im folgenden
Kapitel ſehen werden, mit der Formation der Ge-
faͤße und der Zellen bey den Thieren. Alſo nun
hurtig, weil wir bey der Sache ſind, weiter ge-
ſchloſſen, was ſich ſchließen laͤft! Dieſe Gefaͤße
und Blaͤschen oder Zellen machen die innere Struk-
tur eines Theiles; ſie machen den Theil organiſch,
und ohne ihnen wuͤrde der Theil auf hoͤren orga-
niſch zu ſeyn. Nehmen Sie der Leber oder der
Niere alle Gefaͤße weg, ſo bleibt weiter nichts,
als ein Klumpen Materie uͤbrig, die zwar die Ei-
genſchaften der thieriſchen Subſtanz haben kann,
in der ſie aber ſo wenig Organiſation oder Struk-
tur noch antreffen, als in einem Klumpen Wachs.
Eben dieſelbe Bewandniß hat es mit den Blaͤt-
tern der Pflanzen, den Aeſten der Wurzel ꝛc. Nun
aber werden dieſe Gefaͤße und Blaͤschen erſt in ei-
nem Theile formirt, nachdem der Theil ſchon pro-
ducirt war, und die Production des Theils iſt von
der Formation ſeiner Gefaͤße, woraus er, wenn er
erwachſen iſt, beſtehen ſoll, verſchieden. Folglich
wird ein jeder organiſcher Theil zuerſt producirt,
und alsdann organiſirt, und dieſe Organiſation ei-
nes Theiles iſt eine von der Produktion deſſelben
unterſchiedene Wuͤrkung der Natur. Wie die
Produktion geſchiehet, das werden Sie im vier-
ten Kapitel ſehen; vor jetzo iſt es genug, wenn
wir wiſſen, daß ein Theil, ehe die Formation der
Gefaͤße in ihm vorgeht, allemal unter der Figur
einer Tropfe entweder, oder eines Randes, oder

eines
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0184" n="162"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">2. Kap. Von der Ent&#x017F;tehungsart</hi></fw><lb/>
len, wie zu vermuthen i&#x017F;t, einerley gefunden; aber<lb/>
eben &#x017F;o verha&#x0364;lt es &#x017F;ich auch, wie Sie im folgenden<lb/>
Kapitel &#x017F;ehen werden, mit der Formation der Ge-<lb/>
fa&#x0364;ße und der Zellen bey den Thieren. Al&#x017F;o nun<lb/>
hurtig, weil wir bey der Sache &#x017F;ind, weiter ge-<lb/>
&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en, was &#x017F;ich &#x017F;chließen la&#x0364;ft! Die&#x017F;e Gefa&#x0364;ße<lb/>
und Bla&#x0364;schen oder Zellen machen die innere Struk-<lb/>
tur eines Theiles; &#x017F;ie machen den Theil organi&#x017F;ch,<lb/>
und ohne ihnen wu&#x0364;rde der Theil auf ho&#x0364;ren orga-<lb/>
ni&#x017F;ch zu &#x017F;eyn. Nehmen Sie der Leber oder der<lb/>
Niere alle Gefa&#x0364;ße weg, &#x017F;o bleibt weiter nichts,<lb/>
als ein Klumpen Materie u&#x0364;brig, die zwar die Ei-<lb/>
gen&#x017F;chaften der thieri&#x017F;chen Sub&#x017F;tanz haben kann,<lb/>
in der &#x017F;ie aber &#x017F;o wenig Organi&#x017F;ation oder Struk-<lb/>
tur noch antreffen, als in einem Klumpen Wachs.<lb/>
Eben die&#x017F;elbe Bewandniß hat es mit den Bla&#x0364;t-<lb/>
tern der Pflanzen, den Ae&#x017F;ten der Wurzel &#xA75B;c. Nun<lb/>
aber werden die&#x017F;e Gefa&#x0364;ße und Bla&#x0364;schen er&#x017F;t in ei-<lb/>
nem Theile formirt, nachdem der Theil &#x017F;chon pro-<lb/>
ducirt war, und die Production des Theils i&#x017F;t von<lb/>
der Formation &#x017F;einer Gefa&#x0364;ße, woraus er, wenn er<lb/>
erwach&#x017F;en i&#x017F;t, be&#x017F;tehen &#x017F;oll, ver&#x017F;chieden. Folglich<lb/>
wird ein jeder organi&#x017F;cher Theil zuer&#x017F;t producirt,<lb/>
und alsdann organi&#x017F;irt, und die&#x017F;e Organi&#x017F;ation ei-<lb/>
nes Theiles i&#x017F;t eine von der Produktion de&#x017F;&#x017F;elben<lb/>
unter&#x017F;chiedene Wu&#x0364;rkung der Natur. Wie die<lb/>
Produktion ge&#x017F;chiehet, das werden Sie im vier-<lb/>
ten Kapitel &#x017F;ehen; vor jetzo i&#x017F;t es genug, wenn<lb/>
wir wi&#x017F;&#x017F;en, daß ein Theil, ehe die Formation der<lb/>
Gefa&#x0364;ße in ihm vorgeht, allemal unter der Figur<lb/>
einer Tropfe entweder, oder eines Randes, oder<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">eines</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[162/0184] 2. Kap. Von der Entſtehungsart len, wie zu vermuthen iſt, einerley gefunden; aber eben ſo verhaͤlt es ſich auch, wie Sie im folgenden Kapitel ſehen werden, mit der Formation der Ge- faͤße und der Zellen bey den Thieren. Alſo nun hurtig, weil wir bey der Sache ſind, weiter ge- ſchloſſen, was ſich ſchließen laͤft! Dieſe Gefaͤße und Blaͤschen oder Zellen machen die innere Struk- tur eines Theiles; ſie machen den Theil organiſch, und ohne ihnen wuͤrde der Theil auf hoͤren orga- niſch zu ſeyn. Nehmen Sie der Leber oder der Niere alle Gefaͤße weg, ſo bleibt weiter nichts, als ein Klumpen Materie uͤbrig, die zwar die Ei- genſchaften der thieriſchen Subſtanz haben kann, in der ſie aber ſo wenig Organiſation oder Struk- tur noch antreffen, als in einem Klumpen Wachs. Eben dieſelbe Bewandniß hat es mit den Blaͤt- tern der Pflanzen, den Aeſten der Wurzel ꝛc. Nun aber werden dieſe Gefaͤße und Blaͤschen erſt in ei- nem Theile formirt, nachdem der Theil ſchon pro- ducirt war, und die Production des Theils iſt von der Formation ſeiner Gefaͤße, woraus er, wenn er erwachſen iſt, beſtehen ſoll, verſchieden. Folglich wird ein jeder organiſcher Theil zuerſt producirt, und alsdann organiſirt, und dieſe Organiſation ei- nes Theiles iſt eine von der Produktion deſſelben unterſchiedene Wuͤrkung der Natur. Wie die Produktion geſchiehet, das werden Sie im vier- ten Kapitel ſehen; vor jetzo iſt es genug, wenn wir wiſſen, daß ein Theil, ehe die Formation der Gefaͤße in ihm vorgeht, allemal unter der Figur einer Tropfe entweder, oder eines Randes, oder eines

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/wolff_theorie_1764
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/wolff_theorie_1764/184
Zitationshilfe: Wolff, Caspar Friedrich: Theorie von der Generation. Berlin, 1764, S. 162. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wolff_theorie_1764/184>, abgerufen am 25.02.2024.