Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wolff, Caspar Friedrich: Theorie von der Generation. Berlin, 1764.

Bild:
<< vorherige Seite

der Gefäße etc.
daß ihre Nutrition durch das gleichmäßige Ein-
dringen der Säfte geschiehet, wie wir schon ge-
sehn haben, daß ein solches Eindringen in eine
Substanz ohne Gefäße statt finden kann (§. 29.
26. 34.); so werden also diese Säfte durch die
Seitenwände der Hölen, die schon der Anfang
der Substanz der Zwischenräume sind, so durch-
sehwitzen, oder durchdringen, wie sie durch den
übrigen Theil der Substanz weiter penetriren, und
dieses Durchdringen durch die Wände der Hölen,
wie ich es nenne, ist eigentlich selbst schon nichts
anders, als eben das Eindringen in die Sub-
stanz der Zwischenräume; ich sage aber die Säfte
wüssen aus den Hölen kommen, denn es gibtkei-
nen andern Weg von der Quelle der Säfte zu die-
ser Substanz, als der, welcher vermittelst der
schon producirten Hölen statt findet. Nunmehro
setzen Sie also, die Substanz der Zwischenräume
soll wachsen, sie soll, damit der ganze Theil grös-
ser wird, auch ihrerseits größer werden; so wer-
den nunmehro mehr Säfte zu ihrer Nutrition er-
fordert werden, und in sie eindringen müssen;
folglich werden die Hölen in einer bestimmten Zeit
so viel mehr Säfte hindurch lassen müssen, als die
Substanz des Zwischenraumes größer geworden
ist; die Hölen werden also in ihrem Umfange um
so viel erweitert, oder von den häufiger durchdrin-
genden Säften ausgedehnt werden. Aber nun-
mehro müssen auch ferner in den größergeworde-
nen Zwischenraume neue Gefäße formirt werden,
oder setzen sie hypothetisch sie sollen formirt wer-

den;

der Gefaͤße ꝛc.
daß ihre Nutrition durch das gleichmaͤßige Ein-
dringen der Saͤfte geſchiehet, wie wir ſchon ge-
ſehn haben, daß ein ſolches Eindringen in eine
Subſtanz ohne Gefaͤße ſtatt finden kann (§. 29.
26. 34.); ſo werden alſo dieſe Saͤfte durch die
Seitenwaͤnde der Hoͤlen, die ſchon der Anfang
der Subſtanz der Zwiſchenraͤume ſind, ſo durch-
ſehwitzen, oder durchdringen, wie ſie durch den
uͤbrigen Theil der Subſtanz weiter penetriren, und
dieſes Durchdringen durch die Waͤnde der Hoͤlen,
wie ich es nenne, iſt eigentlich ſelbſt ſchon nichts
anders, als eben das Eindringen in die Sub-
ſtanz der Zwiſchenraͤume; ich ſage aber die Saͤfte
wuͤſſen aus den Hoͤlen kommen, denn es gibtkei-
nen andern Weg von der Quelle der Saͤfte zu die-
ſer Subſtanz, als der, welcher vermittelſt der
ſchon producirten Hoͤlen ſtatt findet. Nunmehro
ſetzen Sie alſo, die Subſtanz der Zwiſchenraͤume
ſoll wachſen, ſie ſoll, damit der ganze Theil groͤſ-
ſer wird, auch ihrerſeits groͤßer werden; ſo wer-
den nunmehro mehr Saͤfte zu ihrer Nutrition er-
fordert werden, und in ſie eindringen muͤſſen;
folglich werden die Hoͤlen in einer beſtimmten Zeit
ſo viel mehr Saͤfte hindurch laſſen muͤſſen, als die
Subſtanz des Zwiſchenraumes groͤßer geworden
iſt; die Hoͤlen werden alſo in ihrem Umfange um
ſo viel erweitert, oder von den haͤufiger durchdrin-
genden Saͤften ausgedehnt werden. Aber nun-
mehro muͤſſen auch ferner in den groͤßergeworde-
nen Zwiſchenraume neue Gefaͤße formirt werden,
oder ſetzen ſie hypothetiſch ſie ſollen formirt wer-

den;
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0197" n="175"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">der Gefa&#x0364;ße &#xA75B;c.</hi></fw><lb/>
daß ihre Nutrition durch das gleichma&#x0364;ßige Ein-<lb/>
dringen der Sa&#x0364;fte ge&#x017F;chiehet, wie wir &#x017F;chon ge-<lb/>
&#x017F;ehn haben, daß ein &#x017F;olches Eindringen in eine<lb/>
Sub&#x017F;tanz ohne Gefa&#x0364;ße &#x017F;tatt finden kann (§. 29.<lb/>
26. 34.); &#x017F;o werden al&#x017F;o die&#x017F;e Sa&#x0364;fte durch die<lb/>
Seitenwa&#x0364;nde der Ho&#x0364;len, die &#x017F;chon der Anfang<lb/>
der Sub&#x017F;tanz der Zwi&#x017F;chenra&#x0364;ume &#x017F;ind, &#x017F;o durch-<lb/>
&#x017F;ehwitzen, oder durchdringen, wie &#x017F;ie durch den<lb/>
u&#x0364;brigen Theil der Sub&#x017F;tanz weiter penetriren, und<lb/>
die&#x017F;es Durchdringen durch die Wa&#x0364;nde der Ho&#x0364;len,<lb/>
wie ich es nenne, i&#x017F;t eigentlich &#x017F;elb&#x017F;t &#x017F;chon nichts<lb/>
anders, als eben das Eindringen in die Sub-<lb/>
&#x017F;tanz der Zwi&#x017F;chenra&#x0364;ume; ich &#x017F;age aber die Sa&#x0364;fte<lb/>
wu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en aus den Ho&#x0364;len kommen, denn es gibtkei-<lb/>
nen andern Weg von der Quelle der Sa&#x0364;fte zu die-<lb/>
&#x017F;er Sub&#x017F;tanz, als der, welcher vermittel&#x017F;t der<lb/>
&#x017F;chon producirten Ho&#x0364;len &#x017F;tatt findet. Nunmehro<lb/>
&#x017F;etzen Sie al&#x017F;o, die Sub&#x017F;tanz der Zwi&#x017F;chenra&#x0364;ume<lb/>
&#x017F;oll wach&#x017F;en, &#x017F;ie &#x017F;oll, damit der ganze Theil gro&#x0364;&#x017F;-<lb/>
&#x017F;er wird, auch ihrer&#x017F;eits gro&#x0364;ßer werden; &#x017F;o wer-<lb/>
den nunmehro mehr Sa&#x0364;fte zu ihrer Nutrition er-<lb/>
fordert werden, und in &#x017F;ie eindringen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en;<lb/>
folglich werden die Ho&#x0364;len in einer be&#x017F;timmten Zeit<lb/>
&#x017F;o viel mehr Sa&#x0364;fte hindurch la&#x017F;&#x017F;en mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, als die<lb/>
Sub&#x017F;tanz des Zwi&#x017F;chenraumes gro&#x0364;ßer geworden<lb/>
i&#x017F;t; die Ho&#x0364;len werden al&#x017F;o in ihrem Umfange um<lb/>
&#x017F;o viel erweitert, oder von den ha&#x0364;ufiger durchdrin-<lb/>
genden Sa&#x0364;ften ausgedehnt werden. Aber nun-<lb/>
mehro mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en auch ferner in den gro&#x0364;ßergeworde-<lb/>
nen Zwi&#x017F;chenraume neue Gefa&#x0364;ße formirt werden,<lb/>
oder &#x017F;etzen &#x017F;ie hypotheti&#x017F;ch &#x017F;ie &#x017F;ollen formirt wer-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">den;</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[175/0197] der Gefaͤße ꝛc. daß ihre Nutrition durch das gleichmaͤßige Ein- dringen der Saͤfte geſchiehet, wie wir ſchon ge- ſehn haben, daß ein ſolches Eindringen in eine Subſtanz ohne Gefaͤße ſtatt finden kann (§. 29. 26. 34.); ſo werden alſo dieſe Saͤfte durch die Seitenwaͤnde der Hoͤlen, die ſchon der Anfang der Subſtanz der Zwiſchenraͤume ſind, ſo durch- ſehwitzen, oder durchdringen, wie ſie durch den uͤbrigen Theil der Subſtanz weiter penetriren, und dieſes Durchdringen durch die Waͤnde der Hoͤlen, wie ich es nenne, iſt eigentlich ſelbſt ſchon nichts anders, als eben das Eindringen in die Sub- ſtanz der Zwiſchenraͤume; ich ſage aber die Saͤfte wuͤſſen aus den Hoͤlen kommen, denn es gibtkei- nen andern Weg von der Quelle der Saͤfte zu die- ſer Subſtanz, als der, welcher vermittelſt der ſchon producirten Hoͤlen ſtatt findet. Nunmehro ſetzen Sie alſo, die Subſtanz der Zwiſchenraͤume ſoll wachſen, ſie ſoll, damit der ganze Theil groͤſ- ſer wird, auch ihrerſeits groͤßer werden; ſo wer- den nunmehro mehr Saͤfte zu ihrer Nutrition er- fordert werden, und in ſie eindringen muͤſſen; folglich werden die Hoͤlen in einer beſtimmten Zeit ſo viel mehr Saͤfte hindurch laſſen muͤſſen, als die Subſtanz des Zwiſchenraumes groͤßer geworden iſt; die Hoͤlen werden alſo in ihrem Umfange um ſo viel erweitert, oder von den haͤufiger durchdrin- genden Saͤften ausgedehnt werden. Aber nun- mehro muͤſſen auch ferner in den groͤßergeworde- nen Zwiſchenraume neue Gefaͤße formirt werden, oder ſetzen ſie hypothetiſch ſie ſollen formirt wer- den;

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/wolff_theorie_1764
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/wolff_theorie_1764/197
Zitationshilfe: Wolff, Caspar Friedrich: Theorie von der Generation. Berlin, 1764, S. 175. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wolff_theorie_1764/197>, abgerufen am 24.02.2024.