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Zeiller, Martin: Centuria II. Variarvm Quæstionum. Bd. 2. Ulm, 1659.

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Die XXVII. Frag.
Gehorsam zu leisten wissen. Und dann befördere
auch die Abwechslung/ das wol Haushalten.
Dann das werde schlechter bestelt von denen/ so
in dem Obrigkeits-Stande seyen; wie solches Iu-
nius p.
1. quaest. polit. ult.
mit dem Exempel Epami-
nondae, Lysandri, Aristidis, Fabricii,
erweise.

Hergegen seyn Andere/ welche die Abwechs-
lung der Obrigkeits-Stellen nicht für gut halten/
sondern wollen/ daß dieselben beständig verbleiben
sollen. Dann wie die Neuerung/ und Verände-
rung der Speisen/ des Geträncks/ und des Luffts/
schädlich ist/ wann man schon dieselbe in gleiche/
oder auch bessere/ verwandelt; also seye es auch
besser/ die alte Obrigkeit leiden/ als eine neue her-
beybringen; dieweil alle der Sachen Neuerung/
nicht ohne Verunruhigung/ seye. Käiser Tibe-
rius
hat die Veränderung der Obrigkeiten nicht
gut geheissen/ dessen Ursachen/ und ein Exempel
von Mucken/ oder Fliegen/ genommen/ beym Iose-
pho lib.
18. Antiquitatum cap.
13. zu lesen. Zu dem/
einem Gemeinem Nutzen wenig geholffen ist/ wann
die alten Obrigkeits-Personen/ die nunmehr
Wissenschafft um die Sachen haben/ hinweg:
und neue/ die erst lernen müssen/ an ihre Statt
kommen; und hernach dieselbe/ wann sie nun
Prob thun solten/ auch wider weichen müssen.
So schmälert auch in etwas solche Veränderung/
sonderlich die jährliche/ oder zweyjährige/ wie et-
wan theils Orten gebräuchig/ das Ansehen der

Obrig-
G ij

Die XXVII. Frag.
Gehorſam zu leiſten wiſſen. Und dann befoͤrdere
auch die Abwechslung/ das wol Haushalten.
Dann das werde ſchlechter beſtelt von denen/ ſo
in dem Obrigkeits-Stande ſeyen; wie ſolches Iu-
nius p.
1. quæſt. polit. ult.
mit dem Exempel Epami-
nondæ, Lyſandri, Ariſtidis, Fabricii,
erweiſe.

Hergegen ſeyn Andere/ welche die Abwechs-
lung der Obrigkeits-Stellen nicht fuͤr gut halten/
ſondern wollen/ daß dieſelben beſtaͤndig verbleiben
ſollen. Dann wie die Neuerung/ und Veraͤnde-
rung der Speiſen/ des Getraͤncks/ und des Luffts/
ſchaͤdlich iſt/ wann man ſchon dieſelbe in gleiche/
oder auch beſſere/ verwandelt; alſo ſeye es auch
beſſer/ die alte Obrigkeit leiden/ als eine neue her-
beybringen; dieweil alle der Sachen Neuerung/
nicht ohne Verunruhigung/ ſeye. Kaͤiſer Tibe-
rius
hat die Veraͤnderung der Obrigkeiten nicht
gut geheiſſen/ deſſen Urſachen/ und ein Exempel
von Mucken/ oder Fliegen/ genommen/ beym Ioſe-
pho lib.
18. Antiquitatum cap.
13. zu leſen. Zu dem/
einem Gemeinem Nutzen wenig geholffen iſt/ wann
die alten Obrigkeits-Perſonen/ die nunmehr
Wiſſenſchafft um die Sachen haben/ hinweg:
und neue/ die erſt lernen muͤſſen/ an ihre Statt
kommen; und hernach dieſelbe/ wann ſie nun
Prob thun ſolten/ auch wider weichen muͤſſen.
So ſchmaͤlert auch in etwas ſolche Veraͤnderung/
ſonderlich die jaͤhrliche/ oder zweyjaͤhrige/ wie et-
wan theils Orten gebraͤuchig/ das Anſehen der

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G ij
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[99/0127] Die XXVII. Frag. Gehorſam zu leiſten wiſſen. Und dann befoͤrdere auch die Abwechslung/ das wol Haushalten. Dann das werde ſchlechter beſtelt von denen/ ſo in dem Obrigkeits-Stande ſeyen; wie ſolches Iu- nius p. 1. quæſt. polit. ult. mit dem Exempel Epami- nondæ, Lyſandri, Ariſtidis, Fabricii, erweiſe. Hergegen ſeyn Andere/ welche die Abwechs- lung der Obrigkeits-Stellen nicht fuͤr gut halten/ ſondern wollen/ daß dieſelben beſtaͤndig verbleiben ſollen. Dann wie die Neuerung/ und Veraͤnde- rung der Speiſen/ des Getraͤncks/ und des Luffts/ ſchaͤdlich iſt/ wann man ſchon dieſelbe in gleiche/ oder auch beſſere/ verwandelt; alſo ſeye es auch beſſer/ die alte Obrigkeit leiden/ als eine neue her- beybringen; dieweil alle der Sachen Neuerung/ nicht ohne Verunruhigung/ ſeye. Kaͤiſer Tibe- rius hat die Veraͤnderung der Obrigkeiten nicht gut geheiſſen/ deſſen Urſachen/ und ein Exempel von Mucken/ oder Fliegen/ genommen/ beym Ioſe- pho lib. 18. Antiquitatum cap. 13. zu leſen. Zu dem/ einem Gemeinem Nutzen wenig geholffen iſt/ wann die alten Obrigkeits-Perſonen/ die nunmehr Wiſſenſchafft um die Sachen haben/ hinweg: und neue/ die erſt lernen muͤſſen/ an ihre Statt kommen; und hernach dieſelbe/ wann ſie nun Prob thun ſolten/ auch wider weichen muͤſſen. So ſchmaͤlert auch in etwas ſolche Veraͤnderung/ ſonderlich die jaͤhrliche/ oder zweyjaͤhrige/ wie et- wan theils Orten gebraͤuchig/ das Anſehen der Obrig- G ij

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Zitationshilfe: Zeiller, Martin: Centuria II. Variarvm Quæstionum. Bd. 2. Ulm, 1659, S. 99. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zeiller_centuria02_1659/127>, abgerufen am 27.04.2024.