Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ritterhold von Blauen [i. e. Zesen, Philipp von]: Adriatische Rosemund. Amsterdam, 1645.

Bild:
<< vorherige Seite
fünftes Buhch.
ist's dan ein deamant? auch nicht; dan
diser ward
im schäzzen nahch-gesäzt däs härzens
wunder-ahrt.
wi! ist es dan kristal? durch dehn di strah-
len sprühen/
wan izt di sonne stäht in follem glanz' und
gluhen.
o nein. wo-durch wurd dan sein währt
rächt offenbahrt?
indähm es mehr als hart/ mehr zühglich ist
und zühet
als stahl und libes-stein; mehr währt
als deamant/
dehn sonst di blinde wält fohr täuer-währt
ansihet;
vihl reiner als kristal/ vihl klährer von
verstand
als er am blohssen schein. noch hält däs
Folkes hal
dein härze gleich magnet/ stahl/ demant
und kristal.

Näben disem klüng-getichte wahr noch ein an-
deres in einem länglicht-rundten brihfe zu sä-
hen/ und ohn-gefähr folgender mahssen verfas-
set.

Auf di Augen seiner
Liben.
JHr augen fol von gluht! was gluht?
karfunkel-strahlen;
auch
L
fuͤnftes Buhch.
iſt’s dan ein deamant? auch nicht; dan
diſer ward
im ſchaͤzzen nahch-geſaͤzt daͤs haͤrzens
wunder-ahrt.
wi! iſt es dan kriſtal? durch dehn di ſtrah-
len ſpruͤhen/
wan izt di ſonne ſtaͤht in follem glanz’ und
glůhen.
o nein. wo-durch wůrd dan ſein waͤhrt
raͤcht offenbahrt?
indaͤhm es mehr als hart/ mehr zuͤhglich iſt
und zuͤhet
als ſtahl und libes-ſtein; mehr waͤhrt
als deamant/
dehn ſonſt di blinde waͤlt fohr taͤuer-waͤhrt
anſihet;
vihl reiner als kriſtal/ vihl klaͤhrer von
verſtand
als er am blohſſen ſchein. noch haͤlt daͤs
Folkes hal
dein haͤrze gleich magnet/ ſtahl/ demant
und kriſtal.

Naͤben diſem klüng-getichte wahr noch ein an-
deres in einem laͤnglicht-rundten brihfe zu ſaͤ-
hen/ und ohn-gefaͤhr folgender mahſſen verfaſ-
ſet.

Auf di Augen ſeiner
Liben.
JHr augen fol von gluht! was gluht?
karfunkel-ſtrahlen;
auch
L
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <lg type="poem">
          <pb facs="#f0257" n="241"/>
          <fw place="top" type="header">fu&#x0364;nftes Buhch.</fw><lb/>
          <l>i&#x017F;t&#x2019;s dan ein deamant? auch nicht; dan</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">di&#x017F;er ward</hi> </l><lb/>
          <l>im &#x017F;cha&#x0364;zzen nahch-ge&#x017F;a&#x0364;zt da&#x0364;s ha&#x0364;rzens</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">wunder-ahrt.</hi> </l><lb/>
          <l>wi! i&#x017F;t es dan kri&#x017F;tal? durch dehn di &#x017F;trah-</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">len &#x017F;pru&#x0364;hen/</hi> </l><lb/>
          <l>wan izt di &#x017F;onne &#x017F;ta&#x0364;ht in follem glanz&#x2019; und</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">gl&#x016F;hen.</hi> </l><lb/>
          <l>o nein. wo-durch w&#x016F;rd dan &#x017F;ein wa&#x0364;hrt</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">ra&#x0364;cht offenbahrt?</hi> </l><lb/>
          <l>inda&#x0364;hm es mehr als hart/ mehr zu&#x0364;hglich i&#x017F;t</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">und zu&#x0364;het</hi> </l><lb/>
          <l>als &#x017F;tahl und libes-&#x017F;tein; mehr wa&#x0364;hrt</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">als deamant/</hi> </l><lb/>
          <l>dehn &#x017F;on&#x017F;t di blinde wa&#x0364;lt fohr ta&#x0364;uer-wa&#x0364;hrt</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">an&#x017F;ihet;</hi> </l><lb/>
          <l>vihl reiner als kri&#x017F;tal/ vihl kla&#x0364;hrer von</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">ver&#x017F;tand</hi> </l><lb/>
          <l>als er am bloh&#x017F;&#x017F;en &#x017F;chein. noch ha&#x0364;lt da&#x0364;s</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">Folkes hal</hi> </l><lb/>
          <l>dein ha&#x0364;rze gleich magnet/ &#x017F;tahl/ demant</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">und kri&#x017F;tal.</hi> </l>
        </lg><lb/>
        <p>Na&#x0364;ben di&#x017F;em klüng-getichte wahr noch ein an-<lb/>
deres in einem la&#x0364;nglicht-rundten brihfe zu &#x017F;a&#x0364;-<lb/>
hen/ und ohn-gefa&#x0364;hr folgender mah&#x017F;&#x017F;en verfa&#x017F;-<lb/>
&#x017F;et.</p><lb/>
        <lg type="poem">
          <head>Auf di Augen &#x017F;einer<lb/>
Liben.</head><lb/>
          <l><hi rendition="#in">J</hi>Hr augen fol von gluht! was gluht?</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">karfunkel-&#x017F;trahlen;</hi> </l><lb/>
          <fw place="bottom" type="sig">L</fw>
          <fw place="bottom" type="catch">auch</fw><lb/>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[241/0257] fuͤnftes Buhch. iſt’s dan ein deamant? auch nicht; dan diſer ward im ſchaͤzzen nahch-geſaͤzt daͤs haͤrzens wunder-ahrt. wi! iſt es dan kriſtal? durch dehn di ſtrah- len ſpruͤhen/ wan izt di ſonne ſtaͤht in follem glanz’ und glůhen. o nein. wo-durch wůrd dan ſein waͤhrt raͤcht offenbahrt? indaͤhm es mehr als hart/ mehr zuͤhglich iſt und zuͤhet als ſtahl und libes-ſtein; mehr waͤhrt als deamant/ dehn ſonſt di blinde waͤlt fohr taͤuer-waͤhrt anſihet; vihl reiner als kriſtal/ vihl klaͤhrer von verſtand als er am blohſſen ſchein. noch haͤlt daͤs Folkes hal dein haͤrze gleich magnet/ ſtahl/ demant und kriſtal. Naͤben diſem klüng-getichte wahr noch ein an- deres in einem laͤnglicht-rundten brihfe zu ſaͤ- hen/ und ohn-gefaͤhr folgender mahſſen verfaſ- ſet. Auf di Augen ſeiner Liben. JHr augen fol von gluht! was gluht? karfunkel-ſtrahlen; auch L

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/zesen_rosemund_1645
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/zesen_rosemund_1645/257
Zitationshilfe: Ritterhold von Blauen [i. e. Zesen, Philipp von]: Adriatische Rosemund. Amsterdam, 1645, S. 241. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zesen_rosemund_1645/257>, abgerufen am 28.02.2024.