Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Calvi, François de]: Beutelschneider, oder newe warhaffte vnd eigentliche Beschreibung der Diebs Historien. [Bd. 1]. Frankfurt (Main), 1627.

Bild:
<< vorherige Seite

Diebs Historien das I. Buch.
zuvor der Anfang ist gewesen/ vnd daß es also heis-
se: Qui venit ex nihilo, desinit in nihilum: wer
auß nichts herkommet/ der endet sich endlich auch
in ein nichts.

Das X. Capitel.

Von den verdamblichen Thaten eines jun-
gen Herrn von Guienne genannt Alidor.

DIe Tugend allein ist der rechte Adel
deß Menschen/ ja wie das Alter kompt
von der Jugend/ also kompt nach auß-
weisung dieser nachfolgender Figur/ der Adel von
der Tugendt. So bald als ein Mensch sich den
Sünden ergibet/ vnd denselbigen nachhen get/ kan
man das in Warheit von jhm sagen/ daß er von
seinem ersten vnd höchsten Adel abschreytet: Dann
daß wir rund herausser sagen/ was die Warheit
ist/ so macht alle der Adel/ den wir von vnsern El-
tern vnd Voreltern haben/ so gar wenig vornem
vnd Edel/ daß es viel besser were/ gar keine Ehr
dem Nachkömmlingen zuerlangen/ als daß man
sich wil bekleyden vnd zieren mit einem solchen
vermeinten Adel/ der nicht vnser ist/ vnd der nur
anders wo her ist entlehnet: Dann da heisset es/
wie der Poet saget:

--- Nam quae nam fecimus ipsi,
Vix ea nostra, puto.

das ist/ was wir nicht selbsten außgericht vnnd ge-
than haben/ das können wir vns als das vnserige
mit nichten zuschreiben.


Hier-

Diebs Hiſtorien das I. Buch.
zuvor der Anfang iſt geweſen/ vnd daß es alſo heiſ-
ſe: Qui venit ex nihilo, deſinit in nihilum: wer
auß nichts herkommet/ der endet ſich endlich auch
in ein nichts.

Das X. Capitel.

Von den verdamblichen Thaten eines jun-
gen Herꝛn von Guienne genannt Alidor.

DIe Tugend allein iſt der rechte Adel
deß Menſchen/ ja wie das Alter kompt
von der Jugend/ alſo kompt nach auß-
weiſung dieſer nachfolgender Figur/ der Adel von
der Tugendt. So bald als ein Menſch ſich den
Suͤnden ergibet/ vnd denſelbigen nachhen get/ kan
man das in Warheit von jhm ſagen/ daß er von
ſeinem erſten vnd hoͤchſten Adel abſchreytet: Dan̄
daß wir rund herauſſer ſagen/ was die Warheit
iſt/ ſo macht alle der Adel/ den wir von vnſern El-
tern vnd Voreltern haben/ ſo gar wenig vornem
vnd Edel/ daß es viel beſſer were/ gar keine Ehr
dem Nachkoͤm̄lingen zuerlangen/ als daß man
ſich wil bekleyden vnd zieren mit einem ſolchen
vermeinten Adel/ der nicht vnſer iſt/ vnd der nur
anders wo her iſt entlehnet: Dann da heiſſet es/
wie der Poet ſaget:

--- Nam quæ nam fecimus ipſi,
Vix ea noſtra, puto.

das iſt/ was wir nicht ſelbſten außgericht vnnd ge-
than haben/ das koͤnnen wir vns als das vnſerige
mit nichten zuſchreiben.


Hier-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0159" n="147"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Diebs Hi&#x017F;torien das <hi rendition="#aq">I.</hi> Buch.</hi></fw><lb/>
zuvor der Anfang i&#x017F;t gewe&#x017F;en/ vnd daß es al&#x017F;o hei&#x017F;-<lb/>
&#x017F;e: <hi rendition="#aq">Qui venit ex nihilo, de&#x017F;init in nihilum:</hi> wer<lb/>
auß nichts herkommet/ der endet &#x017F;ich endlich auch<lb/>
in ein nichts.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Das <hi rendition="#aq">X.</hi> Capitel.</hi> </head><lb/>
          <argument>
            <p>Von den verdamblichen Thaten eines jun-<lb/><hi rendition="#et">gen Her&#xA75B;n von Guienne genannt Alidor.</hi></p>
          </argument><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>Ie Tugend allein i&#x017F;t der rechte Adel<lb/>
deß Men&#x017F;chen/ ja wie das Alter kompt<lb/>
von der Jugend/ al&#x017F;o kompt nach auß-<lb/>
wei&#x017F;ung die&#x017F;er nachfolgender Figur/ der Adel von<lb/>
der Tugendt. So bald als ein Men&#x017F;ch &#x017F;ich den<lb/>
Su&#x0364;nden ergibet/ vnd den&#x017F;elbigen nachhen get/ kan<lb/>
man das in Warheit von jhm &#x017F;agen/ daß er von<lb/>
&#x017F;einem er&#x017F;ten vnd ho&#x0364;ch&#x017F;ten Adel ab&#x017F;chreytet: Dan&#x0304;<lb/>
daß wir rund herau&#x017F;&#x017F;er &#x017F;agen/ was die Warheit<lb/>
i&#x017F;t/ &#x017F;o macht alle der Adel/ den wir von vn&#x017F;ern El-<lb/>
tern vnd Voreltern haben/ &#x017F;o gar wenig vornem<lb/>
vnd Edel/ daß es viel be&#x017F;&#x017F;er were/ gar keine Ehr<lb/>
dem Nachko&#x0364;m&#x0304;lingen zuerlangen/ als daß man<lb/>
&#x017F;ich wil bekleyden vnd zieren mit einem &#x017F;olchen<lb/>
vermeinten Adel/ der nicht vn&#x017F;er i&#x017F;t/ vnd der nur<lb/>
anders wo her i&#x017F;t entlehnet: Dann da hei&#x017F;&#x017F;et es/<lb/>
wie der Poet &#x017F;aget:<lb/><lg type="poem"><l><hi rendition="#aq">--- Nam quæ nam fecimus ip&#x017F;i,</hi></l><lb/><l><hi rendition="#aq">Vix ea no&#x017F;tra, puto.</hi></l></lg><lb/>
das i&#x017F;t/ was wir nicht &#x017F;elb&#x017F;ten außgericht vnnd ge-<lb/>
than haben/ das ko&#x0364;nnen wir vns als das vn&#x017F;erige<lb/>
mit nichten zu&#x017F;chreiben.</p><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Hier-</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[147/0159] Diebs Hiſtorien das I. Buch. zuvor der Anfang iſt geweſen/ vnd daß es alſo heiſ- ſe: Qui venit ex nihilo, deſinit in nihilum: wer auß nichts herkommet/ der endet ſich endlich auch in ein nichts. Das X. Capitel. Von den verdamblichen Thaten eines jun- gen Herꝛn von Guienne genannt Alidor. DIe Tugend allein iſt der rechte Adel deß Menſchen/ ja wie das Alter kompt von der Jugend/ alſo kompt nach auß- weiſung dieſer nachfolgender Figur/ der Adel von der Tugendt. So bald als ein Menſch ſich den Suͤnden ergibet/ vnd denſelbigen nachhen get/ kan man das in Warheit von jhm ſagen/ daß er von ſeinem erſten vnd hoͤchſten Adel abſchreytet: Dan̄ daß wir rund herauſſer ſagen/ was die Warheit iſt/ ſo macht alle der Adel/ den wir von vnſern El- tern vnd Voreltern haben/ ſo gar wenig vornem vnd Edel/ daß es viel beſſer were/ gar keine Ehr dem Nachkoͤm̄lingen zuerlangen/ als daß man ſich wil bekleyden vnd zieren mit einem ſolchen vermeinten Adel/ der nicht vnſer iſt/ vnd der nur anders wo her iſt entlehnet: Dann da heiſſet es/ wie der Poet ſaget: --- Nam quæ nam fecimus ipſi, Vix ea noſtra, puto. das iſt/ was wir nicht ſelbſten außgericht vnnd ge- than haben/ das koͤnnen wir vns als das vnſerige mit nichten zuſchreiben. Hier-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/calvi_beutelschneider01_1627
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/calvi_beutelschneider01_1627/159
Zitationshilfe: [Calvi, François de]: Beutelschneider, oder newe warhaffte vnd eigentliche Beschreibung der Diebs Historien. [Bd. 1]. Frankfurt (Main), 1627, S. 147. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/calvi_beutelschneider01_1627/159>, abgerufen am 17.02.2019.