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Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.

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Zu spät!

Schon hat der Lenz verblüht und ausgesungen,
Die holden Träume, seligen Gefühle
Erstarben in der bangen Sommerschwüle,
Mit der das Thatenleben angedrungen.
"Das Roß gespornt! die Wehre frisch geschwungen!"
So heißt es nun im heißen Kampfgewühle,
Bis mir der Sabbath fächelt seine Kühle,
Wann müden mich des Todes Arm umschlungen. --
Mir war's versagt, in jenen Blüthentagen,
O Mädchen meiner Sehnsucht, dich zu finden,
Es suchten dich vergebens meine Klagen! --
Noch taucht mir hier und dort aus Kampfeswogen
Dein Bild herauf, doch muß es wieder schwinden,
Bald hat die Brandung es hinabgezogen.

Lenau's Gedichte. 6
Zu spät!

Schon hat der Lenz verbluͤht und ausgeſungen,
Die holden Traͤume, ſeligen Gefuͤhle
Erſtarben in der bangen Sommerſchwuͤle,
Mit der das Thatenleben angedrungen.
„Das Roß geſpornt! die Wehre friſch geſchwungen!“
So heißt es nun im heißen Kampfgewuͤhle,
Bis mir der Sabbath faͤchelt ſeine Kuͤhle,
Wann muͤden mich des Todes Arm umſchlungen. —
Mir war's verſagt, in jenen Bluͤthentagen,
O Maͤdchen meiner Sehnſucht, dich zu finden‚
Es ſuchten dich vergebens meine Klagen! —
Noch taucht mir hier und dort aus Kampfeswogen
Dein Bild herauf, doch muß es wieder ſchwinden‚
Bald hat die Brandung es hinabgezogen.

Lenau's Gedichte. 6
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[81/0095] Zu spät! Schon hat der Lenz verbluͤht und ausgeſungen, Die holden Traͤume, ſeligen Gefuͤhle Erſtarben in der bangen Sommerſchwuͤle, Mit der das Thatenleben angedrungen. „Das Roß geſpornt! die Wehre friſch geſchwungen!“ So heißt es nun im heißen Kampfgewuͤhle, Bis mir der Sabbath faͤchelt ſeine Kuͤhle, Wann muͤden mich des Todes Arm umſchlungen. — Mir war's verſagt, in jenen Bluͤthentagen, O Maͤdchen meiner Sehnſucht, dich zu finden‚ Es ſuchten dich vergebens meine Klagen! — Noch taucht mir hier und dort aus Kampfeswogen Dein Bild herauf, doch muß es wieder ſchwinden‚ Bald hat die Brandung es hinabgezogen. Lenau's Gedichte. 6

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Zitationshilfe: Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/95>, S. 81, abgerufen am 18.11.2017.