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Rollenhagen, Gabriel: Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher vnerhörter/ vnd vngleublicher Jndianischer reysen. Magdeburg, 1603.

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Es wissen aber alle Gelerten/ das vnmüglich sey/ das
die Hirnschale ein Haarbren von einander geben solte. Sie
ist viel zu fleissig von Gott in einander verknüpfft vnd ver-
zwickt/ als auch teglich an Schaff vnd Kelber köpffen auff
dem Tisch zusehen ist. Vnd wann der Halß aus seinem
Glied verschoben were/ würde die Nase auff der Brust lie-
gen/ vnd der Athem bald zu kurtz werden.

Das aber der Magen sich solt verwaltzen/ darzu hat er
keinen raum im Leibe/ vnd ist viel zu kurtz am Brustbodem o-
der Diaphragmate angebunden. Vnd müst in dem vmbwen-
den/ der Mensch alsbald tod bleiben. Wie aber die Cardiaca
vnd Hertz pan/ vnd dergleichen mengel im Magenmund/ da-
uon sich das brechen/ vnd Heuptwehe verursachet/ zu Curiren
sein/ wird anderswo beschrieben. Denn das ist ohn das ge-
wiß/ solang den Kindern Keß vnd Brot wol schmeckt/ so lang
sind sie wol zu passe. Es mus aber die heilige Tauffe auch
dabey sein/ damit ja der Teuffel mit Gottes wort vnd Sacra-
ment sein gespött treibe.

Das zehende Capittel/ Von den Schlan-
gen vnd Krebsen/ die der Hirsch fengt
vnd jsset.

DEr 42. Psalm hat diesen anfang: Wie der Hirsch
schreyet nach frischem Wasser/ So schreyet meine
Seele Gott zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott/
nach dem lebendigen Gott/ etc. Meine Threne sind meine
Speise Tag vnd Nacht. Weil man teglich zu mir sagt/ wo
ist nun dem Gott?

Hierzu setzet die alte Lateinische Bibel diese glossam ordina
riam:
Wenn der Hirsch alters halben beschwert wird/ vnd die Haer

vnd
G g ij

Es wiſſen aber alle Gelerten/ das vnmuͤglich ſey/ das
die Hirnſchale ein Haarbren von einander geben ſolte. Sie
iſt viel zu fleiſsig von Gott in einander verknuͤpfft vnd ver-
zwickt/ als auch teglich an Schaff vnd Kelber koͤpffen auff
dem Tiſch zuſehen iſt. Vnd wann der Halß aus ſeinem
Glied verſchoben were/ wuͤrde die Naſe auff der Bruſt lie-
gen/ vnd der Athem bald zu kurtz werden.

Das aber der Magen ſich ſolt verwaltzen/ darzu hat er
keinen raum im Leibe/ vnd iſt viel zu kurtz am Bruſtbodem o-
der Diaphragmate angebunden. Vnd muͤſt in dem vmbwen-
den/ der Menſch alsbald tod bleiben. Wie aber die Cardiaca
vnd Hertz pan/ vnd dergleichen mengel im Magenmund/ da-
uon ſich das brechen/ vnd Heuptwehe verurſachet/ zu Curiren
ſein/ wird anderswo beſchrieben. Denn das iſt ohn das ge-
wiß/ ſolang den Kindern Keß vnd Brot wol ſchmeckt/ ſo lang
ſind ſie wol zu paſſe. Es mus aber die heilige Tauffe auch
dabey ſein/ damit ja der Teuffel mit Gottes wort vnd Sacra-
ment ſein geſpoͤtt treibe.

Das zehende Capittel/ Von den Schlan-
gen vnd Krebſen/ die der Hirſch fengt
vnd jſſet.

DEr 42. Pſalm hat dieſen anfang: Wie der Hirſch
ſchreyet nach friſchem Waſſer/ So ſchreyet meine
Seele Gott zu dir. Meine Seele duͤrſtet nach Gott/
nach dem lebendigen Gott/ etc. Meine Threne ſind meine
Speiſe Tag vnd Nacht. Weil man teglich zu mir ſagt/ wo
iſt nun dem Gott?

Hierzu ſetzet die alte Lateiniſche Bibel dieſe gloſſam ordina
riam:
Weñ der Hirſch alters halbē beſchwert wird/ vñ die Haer

vnd
G g ij
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[227/0237] Es wiſſen aber alle Gelerten/ das vnmuͤglich ſey/ das die Hirnſchale ein Haarbren von einander geben ſolte. Sie iſt viel zu fleiſsig von Gott in einander verknuͤpfft vnd ver- zwickt/ als auch teglich an Schaff vnd Kelber koͤpffen auff dem Tiſch zuſehen iſt. Vnd wann der Halß aus ſeinem Glied verſchoben were/ wuͤrde die Naſe auff der Bruſt lie- gen/ vnd der Athem bald zu kurtz werden. Das aber der Magen ſich ſolt verwaltzen/ darzu hat er keinen raum im Leibe/ vnd iſt viel zu kurtz am Bruſtbodem o- der Diaphragmate angebunden. Vnd muͤſt in dem vmbwen- den/ der Menſch alsbald tod bleiben. Wie aber die Cardiaca vnd Hertz pan/ vnd dergleichen mengel im Magenmund/ da- uon ſich das brechen/ vnd Heuptwehe verurſachet/ zu Curiren ſein/ wird anderswo beſchrieben. Denn das iſt ohn das ge- wiß/ ſolang den Kindern Keß vnd Brot wol ſchmeckt/ ſo lang ſind ſie wol zu paſſe. Es mus aber die heilige Tauffe auch dabey ſein/ damit ja der Teuffel mit Gottes wort vnd Sacra- ment ſein geſpoͤtt treibe. Das zehende Capittel/ Von den Schlan- gen vnd Krebſen/ die der Hirſch fengt vnd jſſet. DEr 42. Pſalm hat dieſen anfang: Wie der Hirſch ſchreyet nach friſchem Waſſer/ So ſchreyet meine Seele Gott zu dir. Meine Seele duͤrſtet nach Gott/ nach dem lebendigen Gott/ etc. Meine Threne ſind meine Speiſe Tag vnd Nacht. Weil man teglich zu mir ſagt/ wo iſt nun dem Gott? Hierzu ſetzet die alte Lateiniſche Bibel dieſe gloſſam ordina riam: Weñ der Hirſch alters halbē beſchwert wird/ vñ die Haer vnd G g ij

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Zitationshilfe: Rollenhagen, Gabriel: Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher vnerhörter/ vnd vngleublicher Jndianischer reysen. Magdeburg, 1603, S. 227. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rollenhagen_reysen_1603/237>, abgerufen am 12.11.2019.