Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schmolck, Benjamin: Der Lustige Sabbath. Jauer u. a., 1712.

Bild:
<< vorherige Seite


Vorrede.

GEgenwärtige Andachten
sind ehmals mit der Ge-
meine GOttes auff der
Cantzel gebethet worden.
Das vielfache Ansuchen des Herrn
Verlegers hat eine merckliche Ver-
mehrung und auch diesen Druck
verursachet. Man giebet es vor kein
sonderbares poetisches Werck aus.
Die heutige Poesie ist viel zu deli-
cat,
daß es unter solchem Titul
passiren sollte. Es hat die Einfalt
Mund und Feder regieret. So war
es nöthig mit Einfältigen zu be-
then. Hohe Worte kommen nicht
allemahl aus der Tieffe des Her-
tzens. Die unaussprechlichen Seuf-
zer des Heil. Geistes sind von den
gekünstelten Worten der hochtra-
benden Bether weit unterschieden.
Man hat sich so viel möglich bemü-
het/ die Redens-Arten des Heil.
Evangelions auszudrücken. Aus

die-


Vorrede.

GEgenwaͤrtige Andachten
ſind ehmals mit der Ge-
meine GOttes auff der
Cantzel gebethet woꝛden.
Das vielfache Anſuchen des Herrn
Verlegers hat eine merckliche Ver-
mehrung und auch dieſen Druck
verurſachet. Man giebet es vor kein
ſonderbares poetiſches Werck aus.
Die heutige Poeſie iſt viel zu deli-
cat,
daß es unter ſolchem Titul
pasſiren ſollte. Es hat die Einfalt
Mund und Feder regieret. So war
es noͤthig mit Einfaͤltigen zu be-
then. Hohe Worte kommen nicht
allemahl aus der Tieffe des Her-
tzens. Die unausſprechlichen Seuf-
zer des Heil. Geiſtes ſind von den
gekuͤnſtelten Worten der hochtra-
benden Bether weit unterſchieden.
Man hat ſich ſo viel moͤglich bemuͤ-
het/ die Redens-Arten des Heil.
Evangelions auszudruͤcken. Aus

die-
<TEI>
  <text>
    <front>
      <pb facs="#f0019"/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div type="preface" n="1">
        <head><hi rendition="#in">V</hi>orrede.</head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">G</hi>Egenwa&#x0364;rtige Andachten<lb/>
&#x017F;ind ehmals mit der Ge-<lb/>
meine GOttes auff der<lb/>
Cantzel gebethet wo&#xA75B;den.<lb/>
Das vielfache An&#x017F;uchen des Herrn<lb/>
Verlegers hat eine merckliche Ver-<lb/>
mehrung und auch die&#x017F;en Druck<lb/>
verur&#x017F;achet. Man giebet es vor kein<lb/>
&#x017F;onderbares poeti&#x017F;ches Werck aus.<lb/>
Die heutige Poe&#x017F;ie i&#x017F;t viel zu <hi rendition="#aq">deli-<lb/>
cat,</hi> daß es unter &#x017F;olchem Titul<lb/><hi rendition="#aq">pas&#x017F;i</hi>ren &#x017F;ollte. Es hat die Einfalt<lb/>
Mund und Feder regieret. So war<lb/>
es no&#x0364;thig mit Einfa&#x0364;ltigen zu be-<lb/>
then. Hohe Worte kommen nicht<lb/>
allemahl aus der Tieffe des Her-<lb/>
tzens. Die unaus&#x017F;prechlichen Seuf-<lb/>
zer des Heil. Gei&#x017F;tes &#x017F;ind von den<lb/>
geku&#x0364;n&#x017F;telten Worten der hochtra-<lb/>
benden Bether weit unter&#x017F;chieden.<lb/>
Man hat &#x017F;ich &#x017F;o viel mo&#x0364;glich bemu&#x0364;-<lb/>
het/ die Redens-Arten des Heil.<lb/>
Evangelions auszudru&#x0364;cken. Aus<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">die-</fw><lb/></p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0019] Vorrede. GEgenwaͤrtige Andachten ſind ehmals mit der Ge- meine GOttes auff der Cantzel gebethet woꝛden. Das vielfache Anſuchen des Herrn Verlegers hat eine merckliche Ver- mehrung und auch dieſen Druck verurſachet. Man giebet es vor kein ſonderbares poetiſches Werck aus. Die heutige Poeſie iſt viel zu deli- cat, daß es unter ſolchem Titul pasſiren ſollte. Es hat die Einfalt Mund und Feder regieret. So war es noͤthig mit Einfaͤltigen zu be- then. Hohe Worte kommen nicht allemahl aus der Tieffe des Her- tzens. Die unausſprechlichen Seuf- zer des Heil. Geiſtes ſind von den gekuͤnſtelten Worten der hochtra- benden Bether weit unterſchieden. Man hat ſich ſo viel moͤglich bemuͤ- het/ die Redens-Arten des Heil. Evangelions auszudruͤcken. Aus die-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schmolck_sabbath_1712
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schmolck_sabbath_1712/19
Zitationshilfe: Schmolck, Benjamin: Der Lustige Sabbath. Jauer u. a., 1712, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schmolck_sabbath_1712/19>, abgerufen am 24.04.2019.