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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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über die schleunige Veränderung/ und als er
sich berichten läst/ fährt er geschwind über sei-
ne Schreibtaffel/ und schreibt/ Speck und
Kohl sind gut für das viertägige Fie-
ber.

Jn kurtzer Zeit bekam der wohl und hoch-
erfahrne Practicus einen matten Schneider-
gesellen/ der eben mit dem Fieber behafftet
war/ nun schien er nicht von sonderlichen Mit-
teln zu seyn/ daß er viel aus der Apotecke hät-
te bezahlen können/ drumb gab er ihm das
Hauß-Mittel/ er solte nur fein viel Speck
und Kohl zu sich nehmen/ doch der gute Mensch
starb wie er noch den Kohl in Zähnen stecken
hatte. Da wischte er noch einmahl über seine
Efelshaut/ und Schrieb: Speck und
Kohl helffen vor das viertägige Fie-
ber; aber nur einem Westphälischen
Schmiede.

CAP. XXXIX.

SJe lachten darüber/ doch hatten sie ihre
gröste Freude daran/ daß Florindo so
leicht/ darvon kommen. Nur dieß besorgten sie
es möchte leicht ein recidiv zuschlagen/ wenn sie
gar zu bald die Lufft verändern wolten/ drumb
beschlossen sie/ weil ohn dieß der Winter

ein-


uͤber die ſchleunige Veraͤnderung/ und als er
ſich berichten laͤſt/ faͤhrt er geſchwind uͤber ſei-
ne Schreibtaffel/ und ſchreibt/ Speck und
Kohl ſind gut fuͤr das viertaͤgige Fie-
ber.

Jn kurtzer Zeit bekam der wohl und hoch-
erfahrne Practicus einen matten Schneider-
geſellen/ der eben mit dem Fieber behafftet
war/ nun ſchien er nicht von ſonderlichen Mit-
teln zu ſeyn/ daß er viel aus der Apotecke haͤt-
te bezahlen koͤnnen/ drumb gab er ihm das
Hauß-Mittel/ er ſolte nur fein viel Speck
und Kohl zu ſich nehmen/ doch der gute Menſch
ſtarb wie er noch den Kohl in Zaͤhnen ſtecken
hatte. Da wiſchte er noch einmahl uͤber ſeine
Efelshaut/ und Schrieb: Speck und
Kohl helffen vor das viertaͤgige Fie-
ber; aber nur einem Weſtphaͤliſchen
Schmiede.

CAP. XXXIX.

SJe lachten daruͤber/ doch hatten ſie ihre
groͤſte Freude daran/ daß Florindo ſo
leicht/ darvon kommen. Nur dieß beſorgten ſie
es moͤchte leicht ein recidiv zuſchlagen/ weñ ſie
gar zu bald die Lufft veraͤndern wolten/ drumb
beſchloſſen ſie/ weil ohn dieß der Winter

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[322/0328] uͤber die ſchleunige Veraͤnderung/ und als er ſich berichten laͤſt/ faͤhrt er geſchwind uͤber ſei- ne Schreibtaffel/ und ſchreibt/ Speck und Kohl ſind gut fuͤr das viertaͤgige Fie- ber. Jn kurtzer Zeit bekam der wohl und hoch- erfahrne Practicus einen matten Schneider- geſellen/ der eben mit dem Fieber behafftet war/ nun ſchien er nicht von ſonderlichen Mit- teln zu ſeyn/ daß er viel aus der Apotecke haͤt- te bezahlen koͤnnen/ drumb gab er ihm das Hauß-Mittel/ er ſolte nur fein viel Speck und Kohl zu ſich nehmen/ doch der gute Menſch ſtarb wie er noch den Kohl in Zaͤhnen ſtecken hatte. Da wiſchte er noch einmahl uͤber ſeine Efelshaut/ und Schrieb: Speck und Kohl helffen vor das viertaͤgige Fie- ber; aber nur einem Weſtphaͤliſchen Schmiede. CAP. XXXIX. SJe lachten daruͤber/ doch hatten ſie ihre groͤſte Freude daran/ daß Florindo ſo leicht/ darvon kommen. Nur dieß beſorgten ſie es moͤchte leicht ein recidiv zuſchlagen/ weñ ſie gar zu bald die Lufft veraͤndern wolten/ drumb beſchloſſen ſie/ weil ohn dieß der Winter ein-

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/328>, S. 322, abgerufen am 18.11.2017.