Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Chamisso, Adelbert von: Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte. Nürnberg, 1835.

Bild:
<< vorherige Seite
V.

Es war noch früh, als mich Stimmen weckten,
die sich in meinem Vorzimmer, in heftigem Wort-
wechsel, erhoben. Ich horchte auf. -- Ben-
del
verbot meine Thür; Rascal schwur hoch
und theuer, keine Befehle von seines Gleichen
anzunehmen, und bestand darauf, in meine Zim-
mer einzudringen. Der gütige Bendel ver-
wies ihm, daß solche Worte, falls sie zu meinen
Ohren kämen, ihn um einen vortheilhaften Dienst
bringen würden. Rascal drohte Hand an ihn
zu legen, wenn er ihm den Eingang noch län-
ger vertreten wollte.

Ich hatte mich halb angezogen, ich riß zor-
nig die Thür auf, und fuhr auf Rascal'n
zu -- "Was willst Du Schurke -- --" er trat
zwei Schritte zurück, und antwortete ganz kalt:
"Sie unterthänigst bitten, Herr Graf, mir doch
einmal Ihren Schatten sehen zu lassen, -- die
Sonne scheint eben so schön auf dem Hofe." --

V.

Es war noch früh, als mich Stimmen weckten,
die ſich in meinem Vorzimmer, in heftigem Wort-
wechſel, erhoben. Ich horchte auf. — Ben-
del
verbot meine Thür; Rascal ſchwur hoch
und theuer, keine Befehle von ſeines Gleichen
anzunehmen, und beſtand darauf, in meine Zim-
mer einzudringen. Der gütige Bendel ver-
wies ihm, daß ſolche Worte, falls ſie zu meinen
Ohren kämen, ihn um einen vortheilhaften Dienſt
bringen würden. Rascal drohte Hand an ihn
zu legen, wenn er ihm den Eingang noch län-
ger vertreten wollte.

Ich hatte mich halb angezogen, ich riß zor-
nig die Thür auf, und fuhr auf Rascal’n
zu — «Was willſt Du Schurke — —» er trat
zwei Schritte zurück, und antwortete ganz kalt:
«Sie unterthänigſt bitten, Herr Graf, mir doch
einmal Ihren Schatten ſehen zu laſſen, — die
Sonne ſcheint eben ſo ſchön auf dem Hofe.» —

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0082" n="[72]"/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#b">V.</hi> </hi> </head><lb/>
        <p>Es war noch früh, als mich Stimmen weckten,<lb/>
die &#x017F;ich in meinem Vorzimmer, in heftigem Wort-<lb/>
wech&#x017F;el, erhoben. Ich horchte auf. &#x2014; <hi rendition="#g">Ben-<lb/>
del</hi> verbot meine Thür; <hi rendition="#g">Rascal</hi> &#x017F;chwur hoch<lb/>
und theuer, keine Befehle von &#x017F;eines Gleichen<lb/>
anzunehmen, und be&#x017F;tand darauf, in meine Zim-<lb/>
mer einzudringen. Der gütige <hi rendition="#g">Bendel</hi> ver-<lb/>
wies ihm, daß &#x017F;olche Worte, falls &#x017F;ie zu meinen<lb/>
Ohren kämen, ihn um einen vortheilhaften Dien&#x017F;t<lb/>
bringen würden. <hi rendition="#g">Rascal</hi> drohte Hand an ihn<lb/>
zu legen, wenn er ihm den Eingang noch län-<lb/>
ger vertreten wollte.</p><lb/>
        <p>Ich hatte mich halb angezogen, ich riß zor-<lb/>
nig die Thür auf, und fuhr auf <hi rendition="#g">Rascal&#x2019;n</hi><lb/>
zu &#x2014; «Was will&#x017F;t Du Schurke &#x2014; &#x2014;» er trat<lb/>
zwei Schritte zurück, und antwortete ganz kalt:<lb/>
«Sie unterthänig&#x017F;t bitten, Herr Graf, mir doch<lb/>
einmal Ihren Schatten &#x017F;ehen zu la&#x017F;&#x017F;en, &#x2014; die<lb/>
Sonne &#x017F;cheint eben &#x017F;o &#x017F;chön auf dem Hofe.» &#x2014;</p><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[72]/0082] V. Es war noch früh, als mich Stimmen weckten, die ſich in meinem Vorzimmer, in heftigem Wort- wechſel, erhoben. Ich horchte auf. — Ben- del verbot meine Thür; Rascal ſchwur hoch und theuer, keine Befehle von ſeines Gleichen anzunehmen, und beſtand darauf, in meine Zim- mer einzudringen. Der gütige Bendel ver- wies ihm, daß ſolche Worte, falls ſie zu meinen Ohren kämen, ihn um einen vortheilhaften Dienſt bringen würden. Rascal drohte Hand an ihn zu legen, wenn er ihm den Eingang noch län- ger vertreten wollte. Ich hatte mich halb angezogen, ich riß zor- nig die Thür auf, und fuhr auf Rascal’n zu — «Was willſt Du Schurke — —» er trat zwei Schritte zurück, und antwortete ganz kalt: «Sie unterthänigſt bitten, Herr Graf, mir doch einmal Ihren Schatten ſehen zu laſſen, — die Sonne ſcheint eben ſo ſchön auf dem Hofe.» —

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/19_ZZ_2755
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/19_ZZ_2755/82
Zitationshilfe: Chamisso, Adelbert von: Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte. Nürnberg, 1835, S. [72]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/19_ZZ_2755/82>, abgerufen am 07.02.2023.