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Boeck, Josef Phileas: Marmorirkunst. 2. Aufl. Wien u. a., 1896.

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sich kein tadelloser Schnitt erzielen läßt, so ist die genaue
Einhaltung vorstehender Anweisung umsomehr anzuwenden.
Manche empfehlen, die Farben erst trocken zu Pulver zu
reiben, was zwar nicht schadet, aber auch keinerlei Nutzen
aufweist. Alle Beimischungen von "Geheimmitteln", als
Säuren, Oele, Harze u.s.w. schaden nur den Farben.

Nach dem Reiben wird die Farbe durch Wasserzusatz
verdünnt, sowie fünf Tropfen Galle zugesetzt und alsdann
in eine enghalsige Flasche gebracht, welche gut zugedeckt
stets mit Wasser voll gehalten wird, damit die Farbe nicht
verdirbt; das überflüssige Wasser dann stets, nachdem die
Farbe gefallen ist, vor dem Gebrauche abgegossen werden.

Die Anwendung von reinem oder destillirtem Wasser
(Aqua destillata) bei der Zubereitung ist unbedingt noth-
wendig. Da nun reines Wasser in der Natur nicht vor-
kommt, so muß es in allen Fällen künstlich bereitet werden.
Die gewöhnliche Methode, reines Wasser darzustellen, besteht
darin, daß man beliebiges Wasser in einem Destillirapparate
der Destillation unterwirft, wodurch die in dem Wasser
gelöst gewesenen mineralischen Antheile zurückgehalten werden,
während das reine Wasser in der Kühlvorlage condensirt
wird. Für den Gebrauch des Marmorirens oder im Allge-
meinen für chemische Zwecke würde eine derartige Reinigung
des Wassers genügen. Destillirtes Wasser ist übrigens in
jeder Droguerie oder Apotheke zu haben.

Dagegen kann man auch als Ersatz Regenwasser an-
wenden, doch darf dasselbe nicht bei den Dachrinnen auf-
gefangen werden, indem es dort die Unreinigkeiten des
Daches mit sich führt. Auch dasjenige Wasser, welches zu-
erst beim Regnen fällt, ist nicht ganz rein, da es die in der
Luft schwebenden Staubtheilchen enthält. Am besten ist es,
wenn man ein Gefäß, nachdem es einige Zeit geregnet hat,
an einem freien Platze aufstellt.



sich kein tadelloser Schnitt erzielen laͤßt, so ist die genaue
Einhaltung vorstehender Anweisung umsomehr anzuwenden.
Manche empfehlen, die Farben erst trocken zu Pulver zu
reiben, was zwar nicht schadet, aber auch keinerlei Nutzen
aufweist. Alle Beimischungen von „Geheimmitteln‟, als
Saͤuren, Oele, Harze u.s.w. schaden nur den Farben.

Nach dem Reiben wird die Farbe durch Wasserzusatz
verduͤnnt, sowie fuͤnf Tropfen Galle zugesetzt und alsdann
in eine enghalsige Flasche gebracht, welche gut zugedeckt
stets mit Wasser voll gehalten wird, damit die Farbe nicht
verdirbt; das uͤberfluͤssige Wasser dann stets, nachdem die
Farbe gefallen ist, vor dem Gebrauche abgegossen werden.

Die Anwendung von reinem oder destillirtem Wasser
(Aqua destillata) bei der Zubereitung ist unbedingt noth-
wendig. Da nun reines Wasser in der Natur nicht vor-
kommt, so muß es in allen Faͤllen kuͤnstlich bereitet werden.
Die gewoͤhnliche Methode, reines Wasser darzustellen, besteht
darin, daß man beliebiges Wasser in einem Destillirapparate
der Destillation unterwirft, wodurch die in dem Wasser
geloͤst gewesenen mineralischen Antheile zuruͤckgehalten werden,
waͤhrend das reine Wasser in der Kuͤhlvorlage condensirt
wird. Fuͤr den Gebrauch des Marmorirens oder im Allge-
meinen fuͤr chemische Zwecke wuͤrde eine derartige Reinigung
des Wassers genuͤgen. Destillirtes Wasser ist uͤbrigens in
jeder Droguerie oder Apotheke zu haben.

Dagegen kann man auch als Ersatz Regenwasser an-
wenden, doch darf dasselbe nicht bei den Dachrinnen auf-
gefangen werden, indem es dort die Unreinigkeiten des
Daches mit sich fuͤhrt. Auch dasjenige Wasser, welches zu-
erst beim Regnen faͤllt, ist nicht ganz rein, da es die in der
Luft schwebenden Staubtheilchen enthaͤlt. Am besten ist es,
wenn man ein Gefaͤß, nachdem es einige Zeit geregnet hat,
an einem freien Platze aufstellt.



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[16/0026] sich kein tadelloser Schnitt erzielen laͤßt, so ist die genaue Einhaltung vorstehender Anweisung umsomehr anzuwenden. Manche empfehlen, die Farben erst trocken zu Pulver zu reiben, was zwar nicht schadet, aber auch keinerlei Nutzen aufweist. Alle Beimischungen von „Geheimmitteln‟, als Saͤuren, Oele, Harze u.s.w. schaden nur den Farben. Nach dem Reiben wird die Farbe durch Wasserzusatz verduͤnnt, sowie fuͤnf Tropfen Galle zugesetzt und alsdann in eine enghalsige Flasche gebracht, welche gut zugedeckt stets mit Wasser voll gehalten wird, damit die Farbe nicht verdirbt; das uͤberfluͤssige Wasser dann stets, nachdem die Farbe gefallen ist, vor dem Gebrauche abgegossen werden. Die Anwendung von reinem oder destillirtem Wasser (Aqua destillata) bei der Zubereitung ist unbedingt noth- wendig. Da nun reines Wasser in der Natur nicht vor- kommt, so muß es in allen Faͤllen kuͤnstlich bereitet werden. Die gewoͤhnliche Methode, reines Wasser darzustellen, besteht darin, daß man beliebiges Wasser in einem Destillirapparate der Destillation unterwirft, wodurch die in dem Wasser geloͤst gewesenen mineralischen Antheile zuruͤckgehalten werden, waͤhrend das reine Wasser in der Kuͤhlvorlage condensirt wird. Fuͤr den Gebrauch des Marmorirens oder im Allge- meinen fuͤr chemische Zwecke wuͤrde eine derartige Reinigung des Wassers genuͤgen. Destillirtes Wasser ist uͤbrigens in jeder Droguerie oder Apotheke zu haben. Dagegen kann man auch als Ersatz Regenwasser an- wenden, doch darf dasselbe nicht bei den Dachrinnen auf- gefangen werden, indem es dort die Unreinigkeiten des Daches mit sich fuͤhrt. Auch dasjenige Wasser, welches zu- erst beim Regnen faͤllt, ist nicht ganz rein, da es die in der Luft schwebenden Staubtheilchen enthaͤlt. Am besten ist es, wenn man ein Gefaͤß, nachdem es einige Zeit geregnet hat, an einem freien Platze aufstellt.

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Zitationshilfe: Boeck, Josef Phileas: Marmorirkunst. 2. Aufl. Wien u. a., 1896, S. 16. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/boeck_marmorirkunst_1896/26>, abgerufen am 27.02.2024.