Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brockes, Barthold Heinrich: Herrn B. H. Brockes, [...] verdeutschte Grund-Sätze der Welt-Weisheit, des Herrn Abts Genest. Bd. 3. 2. Aufl. Hamburg, 1730.

Bild:
<< vorherige Seite
Gedancken auf den Schnupff-
Toback.
Wann ich offtermals mit andern selber Schnupff-To-
back genommen,
Bin ich je zuweilen wol auf die Gedancken kommen:
Was für Ursach uns doch treibe, zum Vergnügen, Staub
zu wehlen?
Man erkaufft ihn, trägt ihn bey sich, braucht ihn öffters,
reicht ihn gar,
Aus gantz seltner Höflichkeit, ungefodert andern dar.
Ja, was wunderns wehrt, man nahet ihn zum Hirn, dem
Sitz der Seelen:
Necht, als suche man mit ihm den Verstand selbst zu vermählen.
Scheint es nicht, als wenn der Trieb uns dadurch erinnern
wolle,
Daß die Seele diese Wahrheit öffters überlegen solle:
Lieber Mensch, du selber bist Staub, und stammest aus der
Erden,

Wirst auch, eh' du dichs versiehst, wieder Staub und Er-
den werden?


Schluß
Gedancken auf den Schnupff-
Toback.
Wann ich offtermals mit andern ſelber Schnupff-To-
back genommen,
Bin ich je zuweilen wol auf die Gedancken kommen:
Was fuͤr Urſach uns doch treibe, zum Vergnuͤgen, Staub
zu wehlen?
Man erkaufft ihn, traͤgt ihn bey ſich, braucht ihn oͤffters,
reicht ihn gar,
Aus gantz ſeltner Hoͤflichkeit, ungefodert andern dar.
Ja, was wunderns wehrt, man nahet ihn zum Hirn, dem
Sitz der Seelen:
Necht, als ſuche man mit ihm den Verſtand ſelbſt zu vermaͤhlen.
Scheint es nicht, als wenn der Trieb uns dadurch erinnern
wolle,
Daß die Seele dieſe Wahrheit oͤffters uͤberlegen ſolle:
Lieber Menſch, du ſelber biſt Staub, und ſtammeſt aus der
Erden,

Wirſt auch, eh’ du dichs verſiehſt, wieder Staub und Er-
den werden?


Schluß
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0733" n="703"/>
        <div n="2">
          <head>Gedancken auf den Schnupff-<lb/>
Toback.</head><lb/>
          <lg type="poem">
            <l><hi rendition="#in">W</hi>ann ich offtermals mit andern &#x017F;elber Schnupff-To-</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">back genommen,</hi> </l><lb/>
            <l>Bin ich je zuweilen wol auf die Gedancken kommen:</l><lb/>
            <l>Was fu&#x0364;r Ur&#x017F;ach uns doch treibe, zum Vergnu&#x0364;gen, Staub</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">zu wehlen?</hi> </l><lb/>
            <l>Man erkaufft ihn, tra&#x0364;gt ihn bey &#x017F;ich, braucht ihn o&#x0364;ffters,</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">reicht ihn gar,</hi> </l><lb/>
            <l>Aus gantz &#x017F;eltner Ho&#x0364;flichkeit, ungefodert andern dar.</l>
          </lg><lb/>
          <lg type="poem">
            <l>Ja, was wunderns wehrt, man nahet ihn zum Hirn, dem</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Sitz der Seelen:</hi> </l><lb/>
            <l>Necht, als &#x017F;uche man mit ihm den Ver&#x017F;tand &#x017F;elb&#x017F;t zu verma&#x0364;hlen.</l><lb/>
            <l>Scheint es nicht, als wenn der Trieb uns dadurch erinnern</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">wolle,</hi> </l><lb/>
            <l>Daß die Seele die&#x017F;e Wahrheit o&#x0364;ffters u&#x0364;berlegen &#x017F;olle:</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#fr">Lieber Men&#x017F;ch, du &#x017F;elber bi&#x017F;t Staub, und &#x017F;tamme&#x017F;t aus der<lb/><hi rendition="#et">Erden,</hi></hi> </l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Wir&#x017F;t auch, eh&#x2019; du dichs ver&#x017F;ieh&#x017F;t, wieder Staub und Er-<lb/><hi rendition="#et">den werden?</hi></hi> </l>
          </lg>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <fw place="bottom" type="catch">Schluß</fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[703/0733] Gedancken auf den Schnupff- Toback. Wann ich offtermals mit andern ſelber Schnupff-To- back genommen, Bin ich je zuweilen wol auf die Gedancken kommen: Was fuͤr Urſach uns doch treibe, zum Vergnuͤgen, Staub zu wehlen? Man erkaufft ihn, traͤgt ihn bey ſich, braucht ihn oͤffters, reicht ihn gar, Aus gantz ſeltner Hoͤflichkeit, ungefodert andern dar. Ja, was wunderns wehrt, man nahet ihn zum Hirn, dem Sitz der Seelen: Necht, als ſuche man mit ihm den Verſtand ſelbſt zu vermaͤhlen. Scheint es nicht, als wenn der Trieb uns dadurch erinnern wolle, Daß die Seele dieſe Wahrheit oͤffters uͤberlegen ſolle: Lieber Menſch, du ſelber biſt Staub, und ſtammeſt aus der Erden, Wirſt auch, eh’ du dichs verſiehſt, wieder Staub und Er- den werden? Schluß

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen03_1730
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen03_1730/733
Zitationshilfe: Brockes, Barthold Heinrich: Herrn B. H. Brockes, [...] verdeutschte Grund-Sätze der Welt-Weisheit, des Herrn Abts Genest. Bd. 3. 2. Aufl. Hamburg, 1730, S. 703. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen03_1730/733>, abgerufen am 15.04.2021.