Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 3. Hildesheim, 1747.

Bild:
<< vorherige Seite
Die kurze Lebens-Zeit.
Da reget sich der Fleis, so lange man noch blüht
Doch wenn man abermahl die Schlaffeszeit ab-
zieht;

So geht die Helffte ab, und was vor Arbeits-
Stunden,

Sind nicht in Müßigkeit, in fauler Ruh ver-
schwunden?

Zieht man die wieder ab; so ist die Lebenszeit,
Schon wiederum verkürzt, die GOtt zum Dienst
geweiht.

Des Alters Mattigkeit untauglich zum Gewerben,
Lehrt daß die Alten schon, eh sie noch würklich ster-
ben,

Schon wie erstorben sind: Darum ist sonder Streit,
Noch kürzer als man meint, die kurze Lebens-Zeit:
Wenn man dies recht bedenkt, muß man die Zeit
recht brauchen

Weil Jahre, Monath, Tag und Stunden bald ver-
rauchen.


Der
Die kurze Lebens-Zeit.
Da reget ſich der Fleis, ſo lange man noch bluͤht
Doch wenn man abermahl die Schlaffeszeit ab-
zieht;

So geht die Helffte ab, und was vor Arbeits-
Stunden,

Sind nicht in Muͤßigkeit, in fauler Ruh ver-
ſchwunden?

Zieht man die wieder ab; ſo iſt die Lebenszeit,
Schon wiederum verkuͤrzt, die GOtt zum Dienſt
geweiht.

Des Alters Mattigkeit untauglich zum Gewerben,
Lehrt daß die Alten ſchon, eh ſie noch wuͤrklich ſter-
ben,

Schon wie erſtorben ſind: Darum iſt ſonder Streit,
Noch kuͤrzer als man meint, die kurze Lebens-Zeit:
Wenn man dies recht bedenkt, muß man die Zeit
recht brauchen

Weil Jahre, Monath, Tag und Stunden bald ver-
rauchen.


Der
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <lg type="poem">
          <pb facs="#f0194" n="182"/>
          <fw place="top" type="header">Die kurze Lebens-Zeit.</fw><lb/>
          <l>Da reget &#x017F;ich der Fleis, &#x017F;o lange man noch blu&#x0364;ht</l><lb/>
          <l>Doch wenn man abermahl die Schlaffeszeit ab-<lb/><hi rendition="#et">zieht;</hi></l><lb/>
          <l>So geht die Helffte ab, und was vor Arbeits-<lb/><hi rendition="#et">Stunden,</hi></l><lb/>
          <l>Sind nicht in Mu&#x0364;ßigkeit, in fauler Ruh ver-<lb/><hi rendition="#et">&#x017F;chwunden?</hi></l><lb/>
          <l>Zieht man die wieder ab; &#x017F;o i&#x017F;t die Lebenszeit,</l><lb/>
          <l>Schon wiederum verku&#x0364;rzt, die <hi rendition="#fr">GOtt</hi> zum Dien&#x017F;t<lb/><hi rendition="#et">geweiht.</hi></l><lb/>
          <l>Des Alters Mattigkeit untauglich zum Gewerben,</l><lb/>
          <l>Lehrt daß die Alten &#x017F;chon, eh &#x017F;ie noch wu&#x0364;rklich &#x017F;ter-<lb/><hi rendition="#et">ben,</hi></l><lb/>
          <l>Schon wie er&#x017F;torben &#x017F;ind: Darum i&#x017F;t &#x017F;onder Streit,</l><lb/>
          <l>Noch ku&#x0364;rzer als man meint, die kurze Lebens-Zeit:</l><lb/>
          <l>Wenn man dies recht bedenkt, muß man die Zeit<lb/><hi rendition="#et">recht brauchen</hi></l><lb/>
          <l>Weil Jahre, Monath, Tag und Stunden bald ver-<lb/><hi rendition="#et">rauchen.</hi></l>
        </lg>
      </div><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#b">Der</hi> </fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[182/0194] Die kurze Lebens-Zeit. Da reget ſich der Fleis, ſo lange man noch bluͤht Doch wenn man abermahl die Schlaffeszeit ab- zieht; So geht die Helffte ab, und was vor Arbeits- Stunden, Sind nicht in Muͤßigkeit, in fauler Ruh ver- ſchwunden? Zieht man die wieder ab; ſo iſt die Lebenszeit, Schon wiederum verkuͤrzt, die GOtt zum Dienſt geweiht. Des Alters Mattigkeit untauglich zum Gewerben, Lehrt daß die Alten ſchon, eh ſie noch wuͤrklich ſter- ben, Schon wie erſtorben ſind: Darum iſt ſonder Streit, Noch kuͤrzer als man meint, die kurze Lebens-Zeit: Wenn man dies recht bedenkt, muß man die Zeit recht brauchen Weil Jahre, Monath, Tag und Stunden bald ver- rauchen. Der

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen03_1747
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen03_1747/194
Zitationshilfe: Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 3. Hildesheim, 1747, S. 182. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen03_1747/194>, abgerufen am 04.08.2021.