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Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Ein Fragment. Leipzig, 1790.

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Ein Fragment.
Ließ sich den Anblick wohl behagen;
Er sprach: So ist man recht gesinnt!
Wer überwindet der gewinnt.
Die Kirche hat einen guten Magen,
Hat ganze Länder aufgefressen,
Und doch noch nie sich übergessen;
Die Kirch' allein, meine liebe Frauen,
Kann ungerechtes Gut verdauen.
Faust.
Das ist ein allgemeiner Brauch,
Ein Jud' und König kann es auch.
Mephistopheles.
Strich drauf ein Spange, Kett' und Ring,
Als wären's eben Pfifferling,
Dankt nicht weniger und nicht mehr,
Als ob's ein Korb voll Nüsse wär',
Versprach ihnen allen himmlischen Lohn --
Und sie waren sehr erbaut davon.
Faust.
Und Grethchen?

G 2
Ein Fragment.
Ließ ſich den Anblick wohl behagen;
Er ſprach: So iſt man recht geſinnt!
Wer überwindet der gewinnt.
Die Kirche hat einen guten Magen,
Hat ganze Länder aufgefreſſen,
Und doch noch nie ſich übergeſſen;
Die Kirch’ allein, meine liebe Frauen,
Kann ungerechtes Gut verdauen.
Fauſt.
Das iſt ein allgemeiner Brauch,
Ein Jud’ und König kann es auch.
Mephiſtopheles.
Strich drauf ein Spange, Kett’ und Ring,
Als wären’s eben Pfifferling,
Dankt nicht weniger und nicht mehr,
Als ob’s ein Korb voll Nüſſe wär’,
Verſprach ihnen allen himmliſchen Lohn —
Und ſie waren ſehr erbaut davon.
Fauſt.
Und Grethchen?

G 2
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[99/0109] Ein Fragment. Ließ ſich den Anblick wohl behagen; Er ſprach: So iſt man recht geſinnt! Wer überwindet der gewinnt. Die Kirche hat einen guten Magen, Hat ganze Länder aufgefreſſen, Und doch noch nie ſich übergeſſen; Die Kirch’ allein, meine liebe Frauen, Kann ungerechtes Gut verdauen. Fauſt. Das iſt ein allgemeiner Brauch, Ein Jud’ und König kann es auch. Mephiſtopheles. Strich drauf ein Spange, Kett’ und Ring, Als wären’s eben Pfifferling, Dankt nicht weniger und nicht mehr, Als ob’s ein Korb voll Nüſſe wär’, Verſprach ihnen allen himmliſchen Lohn — Und ſie waren ſehr erbaut davon. Fauſt. Und Grethchen? G 2

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Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Ein Fragment. Leipzig, 1790, S. 99. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_faustfragment_1790/109>, abgerufen am 22.02.2024.