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Hofmannswaldau, Christian Hofmann von: Herrn von Hofmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. Bd. 6. Leipzig, 1709.

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Hochzeit-Getichte.

Wenn sich gart und feld verneuen:
Wenn die bäume früchte streuen;
So denck auch an diese stadt!
So denck auch an Friedrichs that!
Und laß auf Charlottens auen
Jhn Sophiens früchte schauen!




Das bitter-süsse ding an dem Weiß- und
Hünrbeinischen hochzeit-feste

den 25 October 1705.
ES ist ein grosser streit von bitter-süssen dingen,
Was unter beyder art mit recht den vorzug hat?
Dort will die wermuth sich zur ersten stelle dringen,
Und hier giebt alle welt dem honig rang und statt.
Doch hat der himmel selbst ein wunder-ding gezeuget,
Das zehnmal süsser ist als aller zucker-cand,
Und dessen bitterkeit doch wermuth übersteiget,
Und coloquinten schimpfft: Das ist der ehestand.
Man muß das bittre ding noch vor der hochzeit schmecken:
Spendiren, putz und staat macht hier und da verdruß:
So kan auch dieses nicht den appetit erwecken,
Wenn mancher courtisan mit körben handeln muß.
Da muß ein künfftger mann vor seine hochzeit sorgen;
Was kost das ehren-kleid vor sich und vor die braut?
Die küche fordert geld, und solt' er alles borgen,
Was kost die kammer-pracht? und wer die wohnung baut?
Wie klingt der hochzeit-brief? Was krieget man vor gäste?
Wie wird der gantze schwarm recht zu bewirthen seyn?
Kommt denn die herrlichkeit, so stellt sich bey dem feste
Doch noch was neues stets von bittern sorgen ein:
Bald tritt der marschall auf, und bald der hochzeit-bitter,
Bald fährt der gast zu früh, und bald zu spat nach hauß;
Jtzt schmälet jung und magd, itzt sehn die tütsche-mütter,
Und bald der musicant mehr als catonisch aus;
Man

Hochzeit-Getichte.

Wenn ſich gart und feld verneuen:
Wenn die baͤume fruͤchte ſtreuen;
So denck auch an dieſe ſtadt!
So denck auch an Friedrichs that!
Und laß auf Charlottens auen
Jhn Sophiens fruͤchte ſchauen!




Das bitter-ſuͤſſe ding an dem Weiß- und
Huͤnrbeiniſchen hochzeit-feſte

den 25 October 1705.
ES iſt ein groſſer ſtreit von bitter-ſuͤſſen dingen,
Was unter beyder art mit recht den vorzug hat?
Dort will die wermuth ſich zur erſten ſtelle dringen,
Und hier giebt alle welt dem honig rang und ſtatt.
Doch hat der himmel ſelbſt ein wunder-ding gezeuget,
Das zehnmal ſuͤſſer iſt als aller zucker-cand,
Und deſſen bitterkeit doch wermuth uͤberſteiget,
Und coloquinten ſchimpfft: Das iſt der eheſtand.
Man muß das bittre ding noch vor der hochzeit ſchmecken:
Spendiren, putz und ſtaat macht hier und da verdruß:
So kan auch dieſes nicht den appetit erwecken,
Wenn mancher courtiſan mit koͤrben handeln muß.
Da muß ein kuͤnfftger mann vor ſeine hochzeit ſorgen;
Was koſt das ehren-kleid vor ſich und vor die braut?
Die kuͤche fordert geld, und ſolt’ er alles borgen,
Was koſt die kammer-pracht? und wer die wohnung baut?
Wie klingt der hochzeit-brief? Was krieget man vor gaͤſte?
Wie wird der gantze ſchwarm recht zu bewirthen ſeyn?
Kommt denn die herꝛlichkeit, ſo ſtellt ſich bey dem feſte
Doch noch was neues ſtets von bittern ſorgen ein:
Bald tritt der marſchall auf, und bald der hochzeit-bitter,
Bald faͤhrt der gaſt zu fruͤh, und bald zu ſpat nach hauß;
Jtzt ſchmaͤlet jung und magd, itzt ſehn die tuͤtſche-muͤtter,
Und bald der muſicant mehr als catoniſch aus;
Man
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[126/0150] Hochzeit-Getichte. Wenn ſich gart und feld verneuen: Wenn die baͤume fruͤchte ſtreuen; So denck auch an dieſe ſtadt! So denck auch an Friedrichs that! Und laß auf Charlottens auen Jhn Sophiens fruͤchte ſchauen! Das bitter-ſuͤſſe ding an dem Weiß- und Huͤnrbeiniſchen hochzeit-feſte den 25 October 1705. ES iſt ein groſſer ſtreit von bitter-ſuͤſſen dingen, Was unter beyder art mit recht den vorzug hat? Dort will die wermuth ſich zur erſten ſtelle dringen, Und hier giebt alle welt dem honig rang und ſtatt. Doch hat der himmel ſelbſt ein wunder-ding gezeuget, Das zehnmal ſuͤſſer iſt als aller zucker-cand, Und deſſen bitterkeit doch wermuth uͤberſteiget, Und coloquinten ſchimpfft: Das iſt der eheſtand. Man muß das bittre ding noch vor der hochzeit ſchmecken: Spendiren, putz und ſtaat macht hier und da verdruß: So kan auch dieſes nicht den appetit erwecken, Wenn mancher courtiſan mit koͤrben handeln muß. Da muß ein kuͤnfftger mann vor ſeine hochzeit ſorgen; Was koſt das ehren-kleid vor ſich und vor die braut? Die kuͤche fordert geld, und ſolt’ er alles borgen, Was koſt die kammer-pracht? und wer die wohnung baut? Wie klingt der hochzeit-brief? Was krieget man vor gaͤſte? Wie wird der gantze ſchwarm recht zu bewirthen ſeyn? Kommt denn die herꝛlichkeit, ſo ſtellt ſich bey dem feſte Doch noch was neues ſtets von bittern ſorgen ein: Bald tritt der marſchall auf, und bald der hochzeit-bitter, Bald faͤhrt der gaſt zu fruͤh, und bald zu ſpat nach hauß; Jtzt ſchmaͤlet jung und magd, itzt ſehn die tuͤtſche-muͤtter, Und bald der muſicant mehr als catoniſch aus; Man

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Zitationshilfe: Hofmannswaldau, Christian Hofmann von: Herrn von Hofmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. Bd. 6. Leipzig, 1709, S. 126. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte06_1709/150>, abgerufen am 21.09.2021.