Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Kotzebue, August von: Menschenhaß und Reue. Berlin, 1790.

Bild:
<< vorherige Seite
Gehirn mag dagegen einwenden, was es will. --
Nun, so soll wenigstens ihr Schicksal erträglich
seyn. Sie soll nicht dienen dürfen um des Bis-
chen täglichen Brods willen. Sie soll unabhängig
leben, und noch so viel übrig behalten, ihren
wohlthätigen Hang zu befriedigen.
(Er blickt um sich
und fährt zusammen.)
Ha! Sie kommen! Beleidig-
ter Stolz, erwache! gekränkte Ehre, schütze mich!
Neunter Auftritt.
Der Unbekannte. Eulalia. Die Gräfin.
Der Major.
Eulal. (welche langsam und bebend herbey schwankt, zu
der Gräfin, welche sie unterstützen will)
Lassen Sie mich,
gnädige Frau! Ich hatte einst Stärke genug zu sün-
digen; Gott wird mir heute Kraft verleihen zu
büßen.
(Sie naht sich dem Unbekannten, welcher mit weg-
gewandtem Gesicht in großer Bewegung ihre Anrede erwartet.)

Herr Oberster --
Unbek. (mit sanfter zitternder Stimme und stets abge-
wandtem Gesicht)
Was willst du von mir, Eulalia?
Eulal. (sehr erschüttert) Nein -- um Gottes wil-
len! -- darauf war ich nicht vorbereitet. -- O,
dieser Ton schneidet mir durchs Herz! -- Dieses
Gehirn mag dagegen einwenden, was es will. —
Nun, ſo ſoll wenigſtens ihr Schickſal ertraͤglich
ſeyn. Sie ſoll nicht dienen duͤrfen um des Bis-
chen taͤglichen Brods willen. Sie ſoll unabhaͤngig
leben, und noch ſo viel uͤbrig behalten, ihren
wohlthaͤtigen Hang zu befriedigen.
(Er blickt um ſich
und fährt zuſammen.)
Ha! Sie kommen! Beleidig-
ter Stolz, erwache! gekraͤnkte Ehre, ſchuͤtze mich!
Neunter Auftritt.
Der Unbekannte. Eulalia. Die Graͤfin.
Der Major.
Eulal. (welche langſam und bebend herbey ſchwankt, zu
der Gräfin, welche ſie unterſtützen will)
Laſſen Sie mich,
gnaͤdige Frau! Ich hatte einſt Staͤrke genug zu ſuͤn-
digen; Gott wird mir heute Kraft verleihen zu
buͤßen.
(Sie naht ſich dem Unbekannten, welcher mit weg-
gewandtem Geſicht in großer Bewegung ihre Anrede erwartet.)

Herr Oberſter —
Unbek. (mit ſanfter zitternder Stimme und ſtets abge-
wandtem Geſicht)
Was willſt du von mir, Eulalia?
Eulal. (ſehr erſchüttert) Nein — um Gottes wil-
len! — darauf war ich nicht vorbereitet. — O,
dieſer Ton ſchneidet mir durchs Herz! — Dieſes
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <sp who="#UNBE">
              <p><pb facs="#f0166" n="158"/>
Gehirn mag dagegen einwenden, was es will. &#x2014;<lb/>
Nun, &#x017F;o &#x017F;oll wenig&#x017F;tens ihr Schick&#x017F;al ertra&#x0364;glich<lb/>
&#x017F;eyn. Sie &#x017F;oll nicht dienen du&#x0364;rfen um des Bis-<lb/>
chen ta&#x0364;glichen Brods willen. Sie &#x017F;oll unabha&#x0364;ngig<lb/>
leben, und noch &#x017F;o viel u&#x0364;brig behalten, ihren<lb/>
wohltha&#x0364;tigen Hang zu befriedigen.</p>
              <stage>(Er blickt um &#x017F;ich<lb/>
und fährt zu&#x017F;ammen.)</stage>
              <p>Ha! Sie kommen! Beleidig-<lb/>
ter Stolz, erwache! gekra&#x0364;nkte Ehre, &#x017F;chu&#x0364;tze mich!</p>
            </sp>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#g">Neunter Auftritt.</hi> </hi> </head><lb/>
            <stage>Der Unbekannte. Eulalia. Die Gra&#x0364;fin.<lb/>
Der Major.</stage><lb/>
            <sp who="#EUL">
              <speaker> <hi rendition="#fr">Eulal.</hi> </speaker>
              <stage>(welche lang&#x017F;am und bebend herbey &#x017F;chwankt, zu<lb/>
der Gräfin, welche &#x017F;ie unter&#x017F;tützen will)</stage>
              <p>La&#x017F;&#x017F;en Sie mich,<lb/>
gna&#x0364;dige Frau! Ich hatte ein&#x017F;t Sta&#x0364;rke genug zu &#x017F;u&#x0364;n-<lb/>
digen; Gott wird mir heute Kraft verleihen zu<lb/>
bu&#x0364;ßen.</p>
              <stage>(Sie naht &#x017F;ich dem Unbekannten, welcher mit weg-<lb/>
gewandtem Ge&#x017F;icht in großer Bewegung ihre Anrede erwartet.)</stage><lb/>
              <p>Herr Ober&#x017F;ter &#x2014;</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#UNBE">
              <speaker> <hi rendition="#fr">Unbek.</hi> </speaker>
              <stage>(mit &#x017F;anfter zitternder Stimme und &#x017F;tets abge-<lb/>
wandtem Ge&#x017F;icht)</stage>
              <p>Was will&#x017F;t du von mir, Eulalia?</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#EUL">
              <speaker> <hi rendition="#fr">Eulal.</hi> </speaker>
              <stage>(&#x017F;ehr er&#x017F;chüttert)</stage>
              <p>Nein &#x2014; um Gottes wil-<lb/>
len! &#x2014; darauf war ich nicht vorbereitet. &#x2014; O,<lb/>
die&#x017F;er Ton &#x017F;chneidet mir durchs Herz! &#x2014; Die&#x017F;es<lb/></p>
            </sp>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[158/0166] Gehirn mag dagegen einwenden, was es will. — Nun, ſo ſoll wenigſtens ihr Schickſal ertraͤglich ſeyn. Sie ſoll nicht dienen duͤrfen um des Bis- chen taͤglichen Brods willen. Sie ſoll unabhaͤngig leben, und noch ſo viel uͤbrig behalten, ihren wohlthaͤtigen Hang zu befriedigen. (Er blickt um ſich und fährt zuſammen.) Ha! Sie kommen! Beleidig- ter Stolz, erwache! gekraͤnkte Ehre, ſchuͤtze mich! Neunter Auftritt. Der Unbekannte. Eulalia. Die Graͤfin. Der Major. Eulal. (welche langſam und bebend herbey ſchwankt, zu der Gräfin, welche ſie unterſtützen will) Laſſen Sie mich, gnaͤdige Frau! Ich hatte einſt Staͤrke genug zu ſuͤn- digen; Gott wird mir heute Kraft verleihen zu buͤßen. (Sie naht ſich dem Unbekannten, welcher mit weg- gewandtem Geſicht in großer Bewegung ihre Anrede erwartet.) Herr Oberſter — Unbek. (mit ſanfter zitternder Stimme und ſtets abge- wandtem Geſicht) Was willſt du von mir, Eulalia? Eulal. (ſehr erſchüttert) Nein — um Gottes wil- len! — darauf war ich nicht vorbereitet. — O, dieſer Ton ſchneidet mir durchs Herz! — Dieſes

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/kotzebue_menschenhass_1790
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/kotzebue_menschenhass_1790/166
Zitationshilfe: Kotzebue, August von: Menschenhaß und Reue. Berlin, 1790, S. 158. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/kotzebue_menschenhass_1790/166>, abgerufen am 11.04.2021.