Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 1. Halle, 1792.

Bild:
<< vorherige Seite

Die Anzahl der Studenten belief sich ohngefähr
vor zwölf Jahren auf zwei hundert: nachher hat sich
diese Zahl sehr verringert und muß, wenn keine bessere
Einrichtung getroffen wird, sich noch immer mehr
verringern. Die Regierung scheint sich ganz und gar
nicht um die Verbesserung der Akademie zu bekümmern.
Das Reformirte Wesen ist dem Kirchenrath über-
lassen, und für die Besetzung der Katholischen Stellen
sorgt der berufene Exjesuit Frank, dieser Malleus
Haereticorum,
d. i. der Antijesuiten, Illuminaten
und aller Vernunftfreunde zu München! Man hat den
jetzigen Kurfürsten von der Pfalz gerühmt, daß er
für die Aufnahme der Heidelberger Universität ge-
sorgt habe. Wenn ich aber die Anstellung einiger Ka-
meralisten ausnehme, so kann ich nicht begreifen,
worin diese Fürsorge bestanden habe. Indessen --
was rühmt man nicht alles an Fürsten!

So viel von Heidelberg!

Zwei und dreißigstes Kapitel.

Mein Apostolat des Deismus.



Ich habe schon oben gemeldet, daß ich durch Crel-
lius Buch um meinen Glauben an Dreieinigkeit, und
durch Tindals Schrift vollends um allen Glauben
gekommen war. In der Pfalz suchte ich nun Prose-

Die Anzahl der Studenten belief ſich ohngefaͤhr
vor zwoͤlf Jahren auf zwei hundert: nachher hat ſich
dieſe Zahl ſehr verringert und muß, wenn keine beſſere
Einrichtung getroffen wird, ſich noch immer mehr
verringern. Die Regierung ſcheint ſich ganz und gar
nicht um die Verbeſſerung der Akademie zu bekuͤmmern.
Das Reformirte Weſen iſt dem Kirchenrath uͤber-
laſſen, und fuͤr die Beſetzung der Katholiſchen Stellen
ſorgt der berufene Exjeſuit Frank, dieſer Malleus
Haereticorum,
d. i. der Antijeſuiten, Illuminaten
und aller Vernunftfreunde zu Muͤnchen! Man hat den
jetzigen Kurfuͤrſten von der Pfalz geruͤhmt, daß er
fuͤr die Aufnahme der Heidelberger Univerſitaͤt ge-
ſorgt habe. Wenn ich aber die Anſtellung einiger Ka-
meraliſten ausnehme, ſo kann ich nicht begreifen,
worin dieſe Fuͤrſorge beſtanden habe. Indeſſen —
was ruͤhmt man nicht alles an Fuͤrſten!

So viel von Heidelberg!

Zwei und dreißigſtes Kapitel.

Mein Apoſtolat des Deismus.



Ich habe ſchon oben gemeldet, daß ich durch Crel-
lius Buch um meinen Glauben an Dreieinigkeit, und
durch Tindals Schrift vollends um allen Glauben
gekommen war. In der Pfalz ſuchte ich nun Proſe-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0311" n="297"/>
        <p>Die Anzahl der Studenten belief &#x017F;ich ohngefa&#x0364;hr<lb/>
vor zwo&#x0364;lf Jahren auf zwei hundert: nachher hat &#x017F;ich<lb/>
die&#x017F;e Zahl &#x017F;ehr verringert und muß, wenn keine be&#x017F;&#x017F;ere<lb/>
Einrichtung getroffen wird, &#x017F;ich noch immer mehr<lb/>
verringern. Die Regierung &#x017F;cheint &#x017F;ich ganz und gar<lb/>
nicht um die Verbe&#x017F;&#x017F;erung der Akademie zu beku&#x0364;mmern.<lb/>
Das Reformirte We&#x017F;en i&#x017F;t dem Kirchenrath u&#x0364;ber-<lb/>
la&#x017F;&#x017F;en, und fu&#x0364;r die Be&#x017F;etzung der Katholi&#x017F;chen Stellen<lb/>
&#x017F;orgt der berufene Exje&#x017F;uit <hi rendition="#g">Frank</hi>, die&#x017F;er <hi rendition="#aq">Malleus<lb/>
Haereticorum,</hi> d. i. der Antije&#x017F;uiten, Illuminaten<lb/>
und aller Vernunftfreunde zu Mu&#x0364;nchen! Man hat den<lb/>
jetzigen Kurfu&#x0364;r&#x017F;ten von der Pfalz geru&#x0364;hmt, daß er<lb/>
fu&#x0364;r die Aufnahme der Heidelberger Univer&#x017F;ita&#x0364;t ge-<lb/>
&#x017F;orgt habe. Wenn ich aber die An&#x017F;tellung einiger Ka-<lb/>
merali&#x017F;ten ausnehme, &#x017F;o kann ich nicht begreifen,<lb/>
worin die&#x017F;e Fu&#x0364;r&#x017F;orge be&#x017F;tanden habe. Inde&#x017F;&#x017F;en &#x2014;<lb/>
was ru&#x0364;hmt man nicht alles an Fu&#x0364;r&#x017F;ten!</p><lb/>
        <p>So viel von Heidelberg!</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head>Zwei und dreißig&#x017F;tes Kapitel.</head><lb/>
        <p><hi rendition="#g">Mein Apo&#x017F;tolat des Deismus</hi>.</p><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p><hi rendition="#in">I</hi>ch habe &#x017F;chon oben gemeldet, daß ich durch <hi rendition="#g">Crel</hi>-<lb/><hi rendition="#g">lius</hi> Buch um meinen Glauben an Dreieinigkeit, und<lb/>
durch <hi rendition="#g">Tindals</hi> Schrift vollends um allen Glauben<lb/>
gekommen war. In der Pfalz &#x017F;uchte ich nun Pro&#x017F;e-<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[297/0311] Die Anzahl der Studenten belief ſich ohngefaͤhr vor zwoͤlf Jahren auf zwei hundert: nachher hat ſich dieſe Zahl ſehr verringert und muß, wenn keine beſſere Einrichtung getroffen wird, ſich noch immer mehr verringern. Die Regierung ſcheint ſich ganz und gar nicht um die Verbeſſerung der Akademie zu bekuͤmmern. Das Reformirte Weſen iſt dem Kirchenrath uͤber- laſſen, und fuͤr die Beſetzung der Katholiſchen Stellen ſorgt der berufene Exjeſuit Frank, dieſer Malleus Haereticorum, d. i. der Antijeſuiten, Illuminaten und aller Vernunftfreunde zu Muͤnchen! Man hat den jetzigen Kurfuͤrſten von der Pfalz geruͤhmt, daß er fuͤr die Aufnahme der Heidelberger Univerſitaͤt ge- ſorgt habe. Wenn ich aber die Anſtellung einiger Ka- meraliſten ausnehme, ſo kann ich nicht begreifen, worin dieſe Fuͤrſorge beſtanden habe. Indeſſen — was ruͤhmt man nicht alles an Fuͤrſten! So viel von Heidelberg! Zwei und dreißigſtes Kapitel. Mein Apoſtolat des Deismus. Ich habe ſchon oben gemeldet, daß ich durch Crel- lius Buch um meinen Glauben an Dreieinigkeit, und durch Tindals Schrift vollends um allen Glauben gekommen war. In der Pfalz ſuchte ich nun Proſe-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben01_1792
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben01_1792/311
Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 1. Halle, 1792, S. 297. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben01_1792/311>, abgerufen am 10.04.2021.