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Meißner, Alfred: Die Prinzessin von Portugal. Breslau u. a., 1882.

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den bedrängten Waffengefährten zu Hilfe zu eilen. Die Reiterschaar erreichte die Wahl- und Brandstatt, - Niemand, auch kein Flüchtiger, kam ihr entgegen. Dies wurde als ein bedenkliches Zeichen betrachtet; man war von böser Ahnung erfüllt.

Sie bestätigte sich: die Hilfe war zu spät gekommen. Die Häuser waren niedergebrannt; da und dort glomm und rauchte irgend ein Balken. Der Platz war mit Leichen bedeckt. Die ganze Leibwache bis auf den letzten Mann lag todt dahingestreckt. Die doppelte Anzahl der erschlagenen Feinde zeigte auf die überzeugendste Weise, daß sich Jeder tapfer gehalten und die Schaar einer erdrückenden Uebermacht unterlegen sei.

Nur Arbogasts Leichnam fand sich nicht vor. Wohl lag sein Roß da, mit aufgeschlitztem Bauche, aber weder sein Helm, noch eine seiner Waffen war aufzufinden. Das war ein Trost, aber ein gar schrecklicher. Es mußte als eine, über jeden Zweifel erhabene Thatsache angenommen werden, daß Arbogast bis auf's Aeußerste gekämpft habe, sodann aber entwaffnet, gefangen genommen und auf dem Piraten-Schiffe fortgeschleppt worden sei.

den bedrängten Waffengefährten zu Hilfe zu eilen. Die Reiterschaar erreichte die Wahl- und Brandstatt, – Niemand, auch kein Flüchtiger, kam ihr entgegen. Dies wurde als ein bedenkliches Zeichen betrachtet; man war von böser Ahnung erfüllt.

Sie bestätigte sich: die Hilfe war zu spät gekommen. Die Häuser waren niedergebrannt; da und dort glomm und rauchte irgend ein Balken. Der Platz war mit Leichen bedeckt. Die ganze Leibwache bis auf den letzten Mann lag todt dahingestreckt. Die doppelte Anzahl der erschlagenen Feinde zeigte auf die überzeugendste Weise, daß sich Jeder tapfer gehalten und die Schaar einer erdrückenden Uebermacht unterlegen sei.

Nur Arbogasts Leichnam fand sich nicht vor. Wohl lag sein Roß da, mit aufgeschlitztem Bauche, aber weder sein Helm, noch eine seiner Waffen war aufzufinden. Das war ein Trost, aber ein gar schrecklicher. Es mußte als eine, über jeden Zweifel erhabene Thatsache angenommen werden, daß Arbogast bis auf’s Aeußerste gekämpft habe, sodann aber entwaffnet, gefangen genommen und auf dem Piraten-Schiffe fortgeschleppt worden sei.

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[50/0058] den bedrängten Waffengefährten zu Hilfe zu eilen. Die Reiterschaar erreichte die Wahl- und Brandstatt, – Niemand, auch kein Flüchtiger, kam ihr entgegen. Dies wurde als ein bedenkliches Zeichen betrachtet; man war von böser Ahnung erfüllt. Sie bestätigte sich: die Hilfe war zu spät gekommen. Die Häuser waren niedergebrannt; da und dort glomm und rauchte irgend ein Balken. Der Platz war mit Leichen bedeckt. Die ganze Leibwache bis auf den letzten Mann lag todt dahingestreckt. Die doppelte Anzahl der erschlagenen Feinde zeigte auf die überzeugendste Weise, daß sich Jeder tapfer gehalten und die Schaar einer erdrückenden Uebermacht unterlegen sei. Nur Arbogasts Leichnam fand sich nicht vor. Wohl lag sein Roß da, mit aufgeschlitztem Bauche, aber weder sein Helm, noch eine seiner Waffen war aufzufinden. Das war ein Trost, aber ein gar schrecklicher. Es mußte als eine, über jeden Zweifel erhabene Thatsache angenommen werden, daß Arbogast bis auf’s Aeußerste gekämpft habe, sodann aber entwaffnet, gefangen genommen und auf dem Piraten-Schiffe fortgeschleppt worden sei.

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Zitationshilfe: Meißner, Alfred: Die Prinzessin von Portugal. Breslau u. a., 1882, S. 50. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/meissner_prinzessin_1882/58>, abgerufen am 21.07.2024.