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Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, 1778.

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Also sollte man das Dreschen


XLI.
Also sollte man das Dröschen bey offnem
Lichte nicht verbieten.

Es ist eine Erfindung des gegenwärtigen Jahrhunderts,
daß der Landmann nicht anders als am Tage oder bey
der Leuchte dröschen soll. Allein wenn man bedenkt, daß

1) ein guter Haushalter in den Morgenstunden vor
Anbruch des Tages, und zwar in den kürzesten Tagen drö-
schen läßt,
2) jedesmal einer von den Dröschern ohne Licht auf
den Boden steigen und die Garben herunter werfen muß,
3) der Dröscher beym schlagen alle Flecke des Getrei-
des unterscheiden, und wann die Drösche gewand wird, ei-
nen dicken Nebel von Staub um sich dulden müssen, be-
sonders wenn das Korn nicht recht trocken unter das Dach
gekommen ist,
4) die Döhle zum Dröschen in den gemeinen Häusern
45 bis 55 rheinländische Fuß lang ist,
5) Die Leuchten von Horn, welche in Blech gefasset
sind, grosse Zwischenräume haben, deren Schatten so viel
breiter fällt, je weiter das Licht reichen soll,
6) das Horn auswendig vom Staube und inwendig
vom Oeldampfe geschwind verdunkelt wird,
7) eine verschlossene Leuchte fast noch einmal so stark
zehret, und also noch eine öftere Nachförderung des Dachts
erfordert, als eine ofne Lampe,
8) Der Landmann, wo er noch einiges Licht davon
haben will, anstatt des Rüböls oder Rapsaatöls, was ihm
zu-
Alſo ſollte man das Dreſchen


XLI.
Alſo ſollte man das Droͤſchen bey offnem
Lichte nicht verbieten.

Es iſt eine Erfindung des gegenwaͤrtigen Jahrhunderts,
daß der Landmann nicht anders als am Tage oder bey
der Leuchte droͤſchen ſoll. Allein wenn man bedenkt, daß

1) ein guter Haushalter in den Morgenſtunden vor
Anbruch des Tages, und zwar in den kuͤrzeſten Tagen droͤ-
ſchen laͤßt,
2) jedesmal einer von den Droͤſchern ohne Licht auf
den Boden ſteigen und die Garben herunter werfen muß,
3) der Droͤſcher beym ſchlagen alle Flecke des Getrei-
des unterſcheiden, und wann die Droͤſche gewand wird, ei-
nen dicken Nebel von Staub um ſich dulden muͤſſen, be-
ſonders wenn das Korn nicht recht trocken unter das Dach
gekommen iſt,
4) die Doͤhle zum Droͤſchen in den gemeinen Haͤuſern
45 bis 55 rheinlaͤndiſche Fuß lang iſt,
5) Die Leuchten von Horn, welche in Blech gefaſſet
ſind, groſſe Zwiſchenraͤume haben, deren Schatten ſo viel
breiter faͤllt, je weiter das Licht reichen ſoll,
6) das Horn auswendig vom Staube und inwendig
vom Oeldampfe geſchwind verdunkelt wird,
7) eine verſchloſſene Leuchte faſt noch einmal ſo ſtark
zehret, und alſo noch eine oͤftere Nachfoͤrderung des Dachts
erfordert, als eine ofne Lampe,
8) Der Landmann, wo er noch einiges Licht davon
haben will, anſtatt des Ruͤboͤls oder Rapſaatoͤls, was ihm
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[158/0172] Alſo ſollte man das Dreſchen XLI. Alſo ſollte man das Droͤſchen bey offnem Lichte nicht verbieten. Es iſt eine Erfindung des gegenwaͤrtigen Jahrhunderts, daß der Landmann nicht anders als am Tage oder bey der Leuchte droͤſchen ſoll. Allein wenn man bedenkt, daß 1) ein guter Haushalter in den Morgenſtunden vor Anbruch des Tages, und zwar in den kuͤrzeſten Tagen droͤ- ſchen laͤßt, 2) jedesmal einer von den Droͤſchern ohne Licht auf den Boden ſteigen und die Garben herunter werfen muß, 3) der Droͤſcher beym ſchlagen alle Flecke des Getrei- des unterſcheiden, und wann die Droͤſche gewand wird, ei- nen dicken Nebel von Staub um ſich dulden muͤſſen, be- ſonders wenn das Korn nicht recht trocken unter das Dach gekommen iſt, 4) die Doͤhle zum Droͤſchen in den gemeinen Haͤuſern 45 bis 55 rheinlaͤndiſche Fuß lang iſt, 5) Die Leuchten von Horn, welche in Blech gefaſſet ſind, groſſe Zwiſchenraͤume haben, deren Schatten ſo viel breiter faͤllt, je weiter das Licht reichen ſoll, 6) das Horn auswendig vom Staube und inwendig vom Oeldampfe geſchwind verdunkelt wird, 7) eine verſchloſſene Leuchte faſt noch einmal ſo ſtark zehret, und alſo noch eine oͤftere Nachfoͤrderung des Dachts erfordert, als eine ofne Lampe, 8) Der Landmann, wo er noch einiges Licht davon haben will, anſtatt des Ruͤboͤls oder Rapſaatoͤls, was ihm zu-

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Zitationshilfe: Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, 1778, S. 158. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien03_1778/172>, abgerufen am 14.05.2021.