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[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1785.

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Nihm das zum Pfand, daß die Frau deines
Junker Vaters, deine Mutter seyn wird, so
lang du lebst!

Arner hatte das Wort Junker Vater im er-
sten mal fast nicht verstanden, so sehr über-
nahm ihn der Anblik der Kinder, da er sich
noch mit nassen Augen gegen sie umkehrte. --

Aber jezt gieng ihm der alte Vaternahme
innig zu Herzen, und er sagte zu Therese und
zum Pfarrer, ich hätte diesen Titel seit meiner
Jugend immer wieder gewünscht, aber ich hätte
mich geschämt, es zum Mund heraus zu lassen.

Nun! -- Gottlob, du hast ihn einmal jezt
wieder, und der Pfarrer und ich gebe ihn euch
einmal auch. --

Ihr denket wohl, Vater Pfarrer! daß er
mich von niemand mehr als von euch freut,
aber ihr müßt ihn zuerst von mir haben. --

Der Pfarrer küßte ihm mit nassen Augen
die Hand.

Und der Junker sagte, auch der Lieutenant
muß Vater Schulmeister heissen, für die Arbeit,
die er jezt annimmt.

Das giebt mir einen ganzen Haufen Väter.
Wenn ihr dann nur Sorg tragt, daß ihr nicht
viel Wittwen und Waysen hinterlasset! sagte
die Pfarrerin.

Arner hub sein Aug auf, da sie das sagte,
und sah sie an.


Q

Nihm das zum Pfand, daß die Frau deines
Junker Vaters, deine Mutter ſeyn wird, ſo
lang du lebſt!

Arner hatte das Wort Junker Vater im er-
ſten mal faſt nicht verſtanden, ſo ſehr uͤber-
nahm ihn der Anblik der Kinder, da er ſich
noch mit naſſen Augen gegen ſie umkehrte. —

Aber jezt gieng ihm der alte Vaternahme
innig zu Herzen, und er ſagte zu Thereſe und
zum Pfarrer, ich haͤtte dieſen Titel ſeit meiner
Jugend immer wieder gewuͤnſcht, aber ich haͤtte
mich geſchaͤmt, es zum Mund heraus zu laſſen.

Nun! — Gottlob, du haſt ihn einmal jezt
wieder, und der Pfarrer und ich gebe ihn euch
einmal auch. —

Ihr denket wohl, Vater Pfarrer! daß er
mich von niemand mehr als von euch freut,
aber ihr muͤßt ihn zuerſt von mir haben. —

Der Pfarrer kuͤßte ihm mit naſſen Augen
die Hand.

Und der Junker ſagte, auch der Lieutenant
muß Vater Schulmeiſter heiſſen, fuͤr die Arbeit,
die er jezt annimmt.

Das giebt mir einen ganzen Haufen Vaͤter.
Wenn ihr dann nur Sorg tragt, daß ihr nicht
viel Wittwen und Wayſen hinterlaſſet! ſagte
die Pfarrerin.

Arner hub ſein Aug auf, da ſie das ſagte,
und ſah ſie an.


Q
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[241/0263] Nihm das zum Pfand, daß die Frau deines Junker Vaters, deine Mutter ſeyn wird, ſo lang du lebſt! Arner hatte das Wort Junker Vater im er- ſten mal faſt nicht verſtanden, ſo ſehr uͤber- nahm ihn der Anblik der Kinder, da er ſich noch mit naſſen Augen gegen ſie umkehrte. — Aber jezt gieng ihm der alte Vaternahme innig zu Herzen, und er ſagte zu Thereſe und zum Pfarrer, ich haͤtte dieſen Titel ſeit meiner Jugend immer wieder gewuͤnſcht, aber ich haͤtte mich geſchaͤmt, es zum Mund heraus zu laſſen. Nun! — Gottlob, du haſt ihn einmal jezt wieder, und der Pfarrer und ich gebe ihn euch einmal auch. — Ihr denket wohl, Vater Pfarrer! daß er mich von niemand mehr als von euch freut, aber ihr muͤßt ihn zuerſt von mir haben. — Der Pfarrer kuͤßte ihm mit naſſen Augen die Hand. Und der Junker ſagte, auch der Lieutenant muß Vater Schulmeiſter heiſſen, fuͤr die Arbeit, die er jezt annimmt. Das giebt mir einen ganzen Haufen Vaͤter. Wenn ihr dann nur Sorg tragt, daß ihr nicht viel Wittwen und Wayſen hinterlaſſet! ſagte die Pfarrerin. Arner hub ſein Aug auf, da ſie das ſagte, und ſah ſie an. Q

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Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1785, S. 241. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard03_1785/263>, abgerufen am 27.02.2024.