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[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787.

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heim, pflückte dann noch in seinem Garten Blu-
men, und trug sie in einem Körbchen, das auch
sein war, mit sich heim.



§. 30.
Schleck' Salz -- so dürstets dich --

Das Weib, das mit den Fehlern und Schwächen
ihres Geschlechts, noch die Roheit und Härte des
männlichen verband -- die Vögtin -- ahndete
nichts weniger als daß izt so etwas begegne, sie
meynte vielmehr die Antwort, "sie brauche keinen
Anschicksmann" u. s. w. wolle nur so viel sagen,
wenn der Vetter etwas mit ihr wolle, so soll er sel-
ber kommen! -- Flugs sandte sie über den Berg,
und der, den sie sandte, brachte den Vetter hinü-
ber. --

Die Meyerin fand ihn, da sie heim kam, vor
der Thüre stehen. -- Es dünkte sie doppelt so un-
verschämt als die Anfrage am Morgen, doch war
sie freundlich, machte ihn in die Stube hineinkom-
men, und er hatte schon gute Hofnung -- als sie
ihn izt fragte, was er Guts wolle? --

Er müsse ihr einmal, war seine Antwort, über
die Sache, die sie wohl wisse, und die er schon lange
an sie gesucht habe, noch einmal etwas sagen. --

H 4

heim, pfluͤckte dann noch in ſeinem Garten Blu-
men, und trug ſie in einem Koͤrbchen, das auch
ſein war, mit ſich heim.



§. 30.
Schleck' Salz — ſo duͤrſtets dich —

Das Weib, das mit den Fehlern und Schwaͤchen
ihres Geſchlechts, noch die Roheit und Haͤrte des
maͤnnlichen verband — die Voͤgtin — ahndete
nichts weniger als daß izt ſo etwas begegne, ſie
meynte vielmehr die Antwort, „ſie brauche keinen
Anſchicksmann“ u. ſ. w. wolle nur ſo viel ſagen,
wenn der Vetter etwas mit ihr wolle, ſo ſoll er ſel-
ber kommen! — Flugs ſandte ſie uͤber den Berg,
und der, den ſie ſandte, brachte den Vetter hinuͤ-
ber. —

Die Meyerin fand ihn, da ſie heim kam, vor
der Thuͤre ſtehen. — Es duͤnkte ſie doppelt ſo un-
verſchaͤmt als die Anfrage am Morgen, doch war
ſie freundlich, machte ihn in die Stube hineinkom-
men, und er hatte ſchon gute Hofnung — als ſie
ihn izt fragte, was er Guts wolle? —

Er muͤſſe ihr einmal, war ſeine Antwort, uͤber
die Sache, die ſie wohl wiſſe, und die er ſchon lange
an ſie geſucht habe, noch einmal etwas ſagen. —

H 4
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[119/0137] heim, pfluͤckte dann noch in ſeinem Garten Blu- men, und trug ſie in einem Koͤrbchen, das auch ſein war, mit ſich heim. §. 30. Schleck' Salz — ſo duͤrſtets dich — Das Weib, das mit den Fehlern und Schwaͤchen ihres Geſchlechts, noch die Roheit und Haͤrte des maͤnnlichen verband — die Voͤgtin — ahndete nichts weniger als daß izt ſo etwas begegne, ſie meynte vielmehr die Antwort, „ſie brauche keinen Anſchicksmann“ u. ſ. w. wolle nur ſo viel ſagen, wenn der Vetter etwas mit ihr wolle, ſo ſoll er ſel- ber kommen! — Flugs ſandte ſie uͤber den Berg, und der, den ſie ſandte, brachte den Vetter hinuͤ- ber. — Die Meyerin fand ihn, da ſie heim kam, vor der Thuͤre ſtehen. — Es duͤnkte ſie doppelt ſo un- verſchaͤmt als die Anfrage am Morgen, doch war ſie freundlich, machte ihn in die Stube hineinkom- men, und er hatte ſchon gute Hofnung — als ſie ihn izt fragte, was er Guts wolle? — Er muͤſſe ihr einmal, war ſeine Antwort, uͤber die Sache, die ſie wohl wiſſe, und die er ſchon lange an ſie geſucht habe, noch einmal etwas ſagen. — H 4

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Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787, S. 119. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard04_1787/137>, abgerufen am 10.04.2021.