Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781.

Bild:
<< vorherige Seite

Bey Umstadt wurde in dem Jahre 1777
auch ein Anfang mit dergleichen Pflanzungen
gemacht. Eine besonders dazu verbundene Ge-
sellschaft, die sich die Bereitung und den Ver-
trieb der Krappfarbe zum Zweck gemacht, schoß
auf jeden Morgen 60 Fl. vor, um die Anbauer
zu unterstützen, und die Beamten bemüheten sich
diese Anstalt zu befördern. Die Krappwur-
zeln gediehen daselbst in dem ersten Jahre zu
der Dicke eines Fingers, und waren viele Loth
schwer. Anfänglich verlachte man diese Unter-
nehmungen aus Vorurtheilen; allein man fieng
bald an, anders zu denken und den Beyspielen
nach zu ahmen. Man suchte durch Versuche
den Anbau des Krapps, der nach der gewöhnli-
chen und vorgeschriebenen Methode etwas kostbar
ist, zu erleichtern. Man versuchte zum Bey-
spiel den Acker, der mit Wurzeln besetzt wer-
den soll, statt ihn mühsam mit dem Spaten zu
graben, doppelt zu pflügen. Man läßt den
Pflug jede Furche doppelt ausheben, wodurch
die Erde eben so tief, ja noch tiefer aufgelokert
wird, als durch Roden.

Um Darmstadt herum, wo viel sandige Län-
dereyen sind, bauet man den Krapp stark. Er
wächst daselbst viel besser, und hat Vorzüge vor
demjenigen, welcher in den besten Gegenden ge-
bauet wird. Daher ließen sich Kaufleute aus
entfernten Gegenden mit ihnen auf Contracte
ein, errichteten eine Fabrik mit weitläuftigen
Gebäuden, und gaben dem Unterthan, sobald

er
L 2

Bey Umſtadt wurde in dem Jahre 1777
auch ein Anfang mit dergleichen Pflanzungen
gemacht. Eine beſonders dazu verbundene Ge-
ſellſchaft, die ſich die Bereitung und den Ver-
trieb der Krappfarbe zum Zweck gemacht, ſchoß
auf jeden Morgen 60 Fl. vor, um die Anbauer
zu unterſtuͤtzen, und die Beamten bemuͤheten ſich
dieſe Anſtalt zu befoͤrdern. Die Krappwur-
zeln gediehen daſelbſt in dem erſten Jahre zu
der Dicke eines Fingers, und waren viele Loth
ſchwer. Anfaͤnglich verlachte man dieſe Unter-
nehmungen aus Vorurtheilen; allein man fieng
bald an, anders zu denken und den Beyſpielen
nach zu ahmen. Man ſuchte durch Verſuche
den Anbau des Krapps, der nach der gewoͤhnli-
chen und vorgeſchriebenen Methode etwas koſtbar
iſt, zu erleichtern. Man verſuchte zum Bey-
ſpiel den Acker, der mit Wurzeln beſetzt wer-
den ſoll, ſtatt ihn muͤhſam mit dem Spaten zu
graben, doppelt zu pfluͤgen. Man laͤßt den
Pflug jede Furche doppelt ausheben, wodurch
die Erde eben ſo tief, ja noch tiefer aufgelokert
wird, als durch Roden.

Um Darmſtadt herum, wo viel ſandige Laͤn-
dereyen ſind, bauet man den Krapp ſtark. Er
waͤchſt daſelbſt viel beſſer, und hat Vorzuͤge vor
demjenigen, welcher in den beſten Gegenden ge-
bauet wird. Daher ließen ſich Kaufleute aus
entfernten Gegenden mit ihnen auf Contracte
ein, errichteten eine Fabrik mit weitlaͤuftigen
Gebaͤuden, und gaben dem Unterthan, ſobald

er
L 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0189" n="163"/>
        <p>Bey Um&#x017F;tadt wurde in dem Jahre 1777<lb/>
auch ein Anfang mit dergleichen Pflanzungen<lb/>
gemacht. Eine be&#x017F;onders dazu verbundene Ge-<lb/>
&#x017F;ell&#x017F;chaft, die &#x017F;ich die Bereitung und den Ver-<lb/>
trieb der Krappfarbe zum Zweck gemacht, &#x017F;choß<lb/>
auf jeden Morgen 60 Fl. vor, um die Anbauer<lb/>
zu unter&#x017F;tu&#x0364;tzen, und die Beamten bemu&#x0364;heten &#x017F;ich<lb/>
die&#x017F;e An&#x017F;talt zu befo&#x0364;rdern. Die Krappwur-<lb/>
zeln gediehen da&#x017F;elb&#x017F;t in dem er&#x017F;ten Jahre zu<lb/>
der Dicke eines Fingers, und waren viele Loth<lb/>
&#x017F;chwer. Anfa&#x0364;nglich verlachte man die&#x017F;e Unter-<lb/>
nehmungen aus Vorurtheilen; allein man fieng<lb/>
bald an, anders zu denken und den Bey&#x017F;pielen<lb/>
nach zu ahmen. Man &#x017F;uchte durch Ver&#x017F;uche<lb/>
den Anbau des Krapps, der nach der gewo&#x0364;hnli-<lb/>
chen und vorge&#x017F;chriebenen Methode etwas ko&#x017F;tbar<lb/>
i&#x017F;t, zu erleichtern. Man ver&#x017F;uchte zum Bey-<lb/>
&#x017F;piel den Acker, der mit Wurzeln be&#x017F;etzt wer-<lb/>
den &#x017F;oll, &#x017F;tatt ihn mu&#x0364;h&#x017F;am mit dem Spaten zu<lb/>
graben, doppelt zu pflu&#x0364;gen. Man la&#x0364;ßt den<lb/>
Pflug jede Furche doppelt ausheben, wodurch<lb/>
die Erde eben &#x017F;o tief, ja noch tiefer aufgelokert<lb/>
wird, als durch Roden.</p><lb/>
        <p>Um Darm&#x017F;tadt herum, wo viel &#x017F;andige La&#x0364;n-<lb/>
dereyen &#x017F;ind, bauet man den Krapp &#x017F;tark. Er<lb/>
wa&#x0364;ch&#x017F;t da&#x017F;elb&#x017F;t viel be&#x017F;&#x017F;er, und hat Vorzu&#x0364;ge vor<lb/>
demjenigen, welcher in den be&#x017F;ten Gegenden ge-<lb/>
bauet wird. Daher ließen &#x017F;ich Kaufleute aus<lb/>
entfernten Gegenden mit ihnen auf Contracte<lb/>
ein, errichteten eine Fabrik mit weitla&#x0364;uftigen<lb/>
Geba&#x0364;uden, und gaben dem Unterthan, &#x017F;obald<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">L 2</fw><fw place="bottom" type="catch">er</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[163/0189] Bey Umſtadt wurde in dem Jahre 1777 auch ein Anfang mit dergleichen Pflanzungen gemacht. Eine beſonders dazu verbundene Ge- ſellſchaft, die ſich die Bereitung und den Ver- trieb der Krappfarbe zum Zweck gemacht, ſchoß auf jeden Morgen 60 Fl. vor, um die Anbauer zu unterſtuͤtzen, und die Beamten bemuͤheten ſich dieſe Anſtalt zu befoͤrdern. Die Krappwur- zeln gediehen daſelbſt in dem erſten Jahre zu der Dicke eines Fingers, und waren viele Loth ſchwer. Anfaͤnglich verlachte man dieſe Unter- nehmungen aus Vorurtheilen; allein man fieng bald an, anders zu denken und den Beyſpielen nach zu ahmen. Man ſuchte durch Verſuche den Anbau des Krapps, der nach der gewoͤhnli- chen und vorgeſchriebenen Methode etwas koſtbar iſt, zu erleichtern. Man verſuchte zum Bey- ſpiel den Acker, der mit Wurzeln beſetzt wer- den ſoll, ſtatt ihn muͤhſam mit dem Spaten zu graben, doppelt zu pfluͤgen. Man laͤßt den Pflug jede Furche doppelt ausheben, wodurch die Erde eben ſo tief, ja noch tiefer aufgelokert wird, als durch Roden. Um Darmſtadt herum, wo viel ſandige Laͤn- dereyen ſind, bauet man den Krapp ſtark. Er waͤchſt daſelbſt viel beſſer, und hat Vorzuͤge vor demjenigen, welcher in den beſten Gegenden ge- bauet wird. Daher ließen ſich Kaufleute aus entfernten Gegenden mit ihnen auf Contracte ein, errichteten eine Fabrik mit weitlaͤuftigen Gebaͤuden, und gaben dem Unterthan, ſobald er L 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781/189
Zitationshilfe: Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781, S. 163. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781/189>, abgerufen am 10.04.2021.