Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781.

Bild:
<< vorherige Seite

berg gelegenen Orte, seinen Sitz hatte. Ueber
sämmtliche aber war ein Oberrichter verordnet,
welcher Butigler f) hieß, der jederzeit unter die
Ministerialen des Kaisers und Reichs gerechnet
wurde und ein ordentliches Amtssiegel hatte.
Die Malefizsachen waren dem kaiserlichen Land-
voigte auf der Reichsveste zu Nürnberg unter-
worfen, das Zeidelgericht aber wurde zu Feucht
gehalten. Es bestand aus den Erbzeidlern und
dem Zeidelmeister oder Zeidelrichter. Dieser
wurde vom Kaiser und Reich bestellet. Ihm
mußten diejenigen Strafen erlegen, welche die
Bienenstöcke beunruhigten, beschädigten, oder
die zu Stöcken bezeichneten Bäume verletzten.
Die Rechte, die ehemals die Kaiser über die
Zeidler hatten, kamen im vierzehnten Jahrhun-
derte von Karl dem IV. an die Markgrafen von
Brandenburg und Burggrafen von Nürnberg,
von welchen sie endlich 1422 g) an den Senat
der Stadt gediehen. Noch in der Nürnbergi-
schen Reformation vom Jahre 1564 h) finden

sich
f) Butigularius.
g) Die Confirmation des K. Sigismund über das
verkaufte Zeidelgericht und Zeideleinkünfte der
Burggrafen v. Nürnberg an die Stadt Nürn-
berg 1433. s. in Stissers Forst- und Jagdge-
schichte unter der Beylage p. 82. tit. OO
h) Reformatio Norica an. 1564 P. I. l. 7. Von
den nürnbergischen Zeidlern überhaupt s. Christ.
Gottlieb Schwarz de Buticulariis Noribergensi-
bus.

berg gelegenen Orte, ſeinen Sitz hatte. Ueber
ſaͤmmtliche aber war ein Oberrichter verordnet,
welcher Butigler f) hieß, der jederzeit unter die
Miniſterialen des Kaiſers und Reichs gerechnet
wurde und ein ordentliches Amtsſiegel hatte.
Die Malefizſachen waren dem kaiſerlichen Land-
voigte auf der Reichsveſte zu Nuͤrnberg unter-
worfen, das Zeidelgericht aber wurde zu Feucht
gehalten. Es beſtand aus den Erbzeidlern und
dem Zeidelmeiſter oder Zeidelrichter. Dieſer
wurde vom Kaiſer und Reich beſtellet. Ihm
mußten diejenigen Strafen erlegen, welche die
Bienenſtoͤcke beunruhigten, beſchaͤdigten, oder
die zu Stoͤcken bezeichneten Baͤume verletzten.
Die Rechte, die ehemals die Kaiſer uͤber die
Zeidler hatten, kamen im vierzehnten Jahrhun-
derte von Karl dem IV. an die Markgrafen von
Brandenburg und Burggrafen von Nuͤrnberg,
von welchen ſie endlich 1422 g) an den Senat
der Stadt gediehen. Noch in der Nuͤrnbergi-
ſchen Reformation vom Jahre 1564 h) finden

ſich
f) Butigularius.
g) Die Confirmation des K. Sigismund uͤber das
verkaufte Zeidelgericht und Zeideleinkuͤnfte der
Burggrafen v. Nuͤrnberg an die Stadt Nuͤrn-
berg 1433. ſ. in Stiſſers Forſt- und Jagdge-
ſchichte unter der Beylage p. 82. tit. OO
h) Reformatio Norica an. 1564 P. I. l. 7. Von
den nuͤrnbergiſchen Zeidlern uͤberhaupt ſ. Chriſt.
Gottlieb Schwarz de Buticulariis Noribergenſi-
bus.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0344" n="318"/>
berg gelegenen Orte, &#x017F;einen Sitz hatte. Ueber<lb/>
&#x017F;a&#x0364;mmtliche aber war ein Oberrichter verordnet,<lb/>
welcher Butigler <note place="foot" n="f)"><hi rendition="#aq">Butigularius.</hi></note> hieß, der jederzeit unter die<lb/>
Mini&#x017F;terialen des Kai&#x017F;ers und Reichs gerechnet<lb/>
wurde und ein ordentliches Amts&#x017F;iegel hatte.<lb/>
Die Malefiz&#x017F;achen waren dem kai&#x017F;erlichen Land-<lb/>
voigte auf der Reichsve&#x017F;te zu Nu&#x0364;rnberg unter-<lb/>
worfen, das Zeidelgericht aber wurde zu Feucht<lb/>
gehalten. Es be&#x017F;tand aus den Erbzeidlern und<lb/>
dem Zeidelmei&#x017F;ter oder Zeidelrichter. Die&#x017F;er<lb/>
wurde vom Kai&#x017F;er und Reich be&#x017F;tellet. Ihm<lb/>
mußten diejenigen Strafen erlegen, welche die<lb/>
Bienen&#x017F;to&#x0364;cke beunruhigten, be&#x017F;cha&#x0364;digten, oder<lb/>
die zu Sto&#x0364;cken bezeichneten Ba&#x0364;ume verletzten.<lb/>
Die Rechte, die ehemals die Kai&#x017F;er u&#x0364;ber die<lb/>
Zeidler hatten, kamen im vierzehnten Jahrhun-<lb/>
derte von Karl dem <hi rendition="#aq">IV.</hi> an die Markgrafen von<lb/>
Brandenburg und Burggrafen von Nu&#x0364;rnberg,<lb/>
von welchen &#x017F;ie endlich 1422 <note place="foot" n="g)">Die Confirmation des K. Sigismund u&#x0364;ber das<lb/>
verkaufte Zeidelgericht und Zeideleinku&#x0364;nfte der<lb/>
Burggrafen v. Nu&#x0364;rnberg an die Stadt Nu&#x0364;rn-<lb/>
berg 1433. &#x017F;. in Sti&#x017F;&#x017F;ers For&#x017F;t- und Jagdge-<lb/>
&#x017F;chichte unter der Beylage <hi rendition="#aq">p. 82. tit. OO</hi></note> an den Senat<lb/>
der Stadt gediehen. Noch in der Nu&#x0364;rnbergi-<lb/>
&#x017F;chen Reformation vom Jahre 1564 <note place="foot" n="h)"><hi rendition="#aq">Reformatio Norica an. 1564 P. I. l.</hi> 7. Von<lb/>
den nu&#x0364;rnbergi&#x017F;chen Zeidlern u&#x0364;berhaupt &#x017F;. <hi rendition="#aq">Chri&#x017F;t.<lb/>
Gottlieb Schwarz de Buticulariis Noribergen&#x017F;i-<lb/>
bus.</hi></note> finden<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;ich</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[318/0344] berg gelegenen Orte, ſeinen Sitz hatte. Ueber ſaͤmmtliche aber war ein Oberrichter verordnet, welcher Butigler f) hieß, der jederzeit unter die Miniſterialen des Kaiſers und Reichs gerechnet wurde und ein ordentliches Amtsſiegel hatte. Die Malefizſachen waren dem kaiſerlichen Land- voigte auf der Reichsveſte zu Nuͤrnberg unter- worfen, das Zeidelgericht aber wurde zu Feucht gehalten. Es beſtand aus den Erbzeidlern und dem Zeidelmeiſter oder Zeidelrichter. Dieſer wurde vom Kaiſer und Reich beſtellet. Ihm mußten diejenigen Strafen erlegen, welche die Bienenſtoͤcke beunruhigten, beſchaͤdigten, oder die zu Stoͤcken bezeichneten Baͤume verletzten. Die Rechte, die ehemals die Kaiſer uͤber die Zeidler hatten, kamen im vierzehnten Jahrhun- derte von Karl dem IV. an die Markgrafen von Brandenburg und Burggrafen von Nuͤrnberg, von welchen ſie endlich 1422 g) an den Senat der Stadt gediehen. Noch in der Nuͤrnbergi- ſchen Reformation vom Jahre 1564 h) finden ſich f) Butigularius. g) Die Confirmation des K. Sigismund uͤber das verkaufte Zeidelgericht und Zeideleinkuͤnfte der Burggrafen v. Nuͤrnberg an die Stadt Nuͤrn- berg 1433. ſ. in Stiſſers Forſt- und Jagdge- ſchichte unter der Beylage p. 82. tit. OO h) Reformatio Norica an. 1564 P. I. l. 7. Von den nuͤrnbergiſchen Zeidlern uͤberhaupt ſ. Chriſt. Gottlieb Schwarz de Buticulariis Noribergenſi- bus.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781/344
Zitationshilfe: Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781, S. 318. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781/344>, abgerufen am 15.05.2021.