Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sandrart, Joachim von: ICONOLOGIA DEORUM. Nürnberg, 1680.

Bild:
<< vorherige Seite
Von den Bildnussen der
Ewigkeit.
[Spaltenumbruch]

Platte B.OBwol bey den Alten nicht alle Götter für ewig-lebend und unsterblich geachtet wurden/ so glaubten sie doch/ daß die Vornehmste derselben keiner Sterbligkeit unterworffen wären: dannenhero sie zu den damahligen Zeiten darfür hielten/ die Ewigkeit folge ihnen überall und allezeit nach; wiewohl Johann Boccatius/ im Buche von der Götter Genealogia/ dieselbe allein dem Demogorgon zueignet/ und davor hält/ daß er der erste unter allen Göttern mitten in der Erde von blasser Gestalt mit einem dicken Nebel umfangen/ und mit Schimmel gleichsam überzogen/ seinen Aufenthalt und Wohnung habe.

Hiervon aber gedencken die Alten mit keinem einigen Worte/ es wäre dann/ daß man ihn Demiurgum nennen wolte. Dannenhero ich mich fast nicht scheue zu sagen/ es sey die Ewigkeit iederzeit allein denen Göttern zugeeignet worden/ die man für unsterblich gehalten. Wer/ und wie sie beschaffen sey/ erkläret fast ihr Name selbst aufs allerbeste. Daß sie nemlich alle Alter und Zeiten in sich begreiffe/ also daß sie unter keine Zeit-Abmässung zu rechnen sey; ob wol etlicher massen/ iedoch nicht so eigentlich kan gesagt werden/ daß sie eine Zeit sey/ die kein Ende habe. Weswegen dann der vortreffliche Philosophus Hermes Trismegistus/ wie auch die Pythagorici und Plato die Zeit für eine Abbildung der Ewigkeit gehalten haben wollen; Weil dieselbe Die immer, währende Zeit. in sich selbst in einen Circul gewunden wird/ und kein Ende an ihr zu sehen ist. Allein es ist dieses vielmehr eine Perpetuität oder ununterbrochene Wierigkeit zu nennen: dann ob sie wohldurch kein Ziel geendet wird/ so besitzet und geneust sie gleichwohl nicht zugleich das gantze unendliche Leben/ welches die Ewigkeit besitzet. Dannenher sagt Boetius/ die jenige thun nicht recht/ die/ wann sie hören/ daß Plato dafür gehalten/ die Welt habe weder einen Anfang der Zeit gehabt/ noch werde einig Ende haben/ deßwegen sich einbilden/ es werde die geschaffene Welt dem Schöpffer gleich ewig gemacht: Dann wann sie die eigentlichen Worte gebrauchen wollen/ können sie in dieser/ des Plato, Meinung Gott allein ewig/ die Welt aber immerwährend nennen. Die Ewigkeit aber beschreibet eben dieser Boetius/ daß sie sey des unbeweglichen Lebens gegenwärtiger Zustand/ der doch GOTT allein eigen ist/ deme weder etwas[Spaltenumbruch] künfftiges mangelt/ noch etwas vergangenes abgehet/ wie sonsten allen erschaffenen Dingen zu widerfahren pfleget/ ob wol derselben etliche kein Ende iemals haben solten. Allein wir unterlassen alhier diese Sache so gar tief zu ergründen/ wie auch die Alten vielleicht gethan haben/ wann sie ihre Götter ewig genannt/ wordurch sie/ daß dieselben unsterblich und unendlich/ und die Ewigkeit eben so viel/ als die Unendlichkeit der Zeit sey/ zu verstehen geben wollen. Dannenhero Claudianus/ der die Ewigkeit in einer dem Stilicon zu Ehren gehaltnen Panegyri beschreibet/ eine Schlange einführet/ welche die Höle/ darinnen sie sich enthält/ umfänget/ und in ihren eignen Schwantz beisset: welche Vorbildung und Beschreibung des Jahrs. Kennzeichen der Zeit/ von den Egyptiern entlehnt worden/ wann sie das Jahr andeuten wollen/ das allzeit in sich selbst wiederkehret/ also daß des Vergangenen Ende/ des Zukünfftigen Anfang ist. Das beste aber wird seyn/ zu der Beschreibung des Bildnisses der Ewigkeit des obgedachten Claudianus Verse alhier beyzufügen/ folgendes Innhalts:

Est ignota procul nostraeque imper-
via menti,

Vix adeunda Deis, annorum squali-
da mater,

Immensi spelunca aevi, quae tempo-
ra vasto

Suppeditat, revocatque sinu: com-
plectitur antrum

Omnia qvi placido consumit numi-
ne serpens,

Perpetuumque viret squamis, cau-
damque reducto

Ore vorat, tacito relegens exordia
lapsu.

Vestibuli custos vultu longaeva de-
coro

Ante fores Natura sedet, cunctisque
volantes

Dependent membris animae: man-
sura verendus

Scribit jura Senex,numeros qvi divi-
dit astris,

Et cursus, stabilesque moras, quibus
omnia vivunt,

Ac pereunt fixis,cum legibus ille re-
censet,

Von den Bildnussen der
Ewigkeit.
[Spaltenumbruch]

Platte B.OBwol bey den Alten nicht alle Götter für ewig-lebend und unsterblich geachtet wurden/ so glaubten sie doch/ daß die Vornehmste derselben keiner Sterbligkeit unterworffen wären: dannenhero sie zu den damahligen Zeiten darfür hielten/ die Ewigkeit folge ihnen überall und allezeit nach; wiewohl Johann Boccatius/ im Buche von der Götter Genealogia/ dieselbe allein dem Demogorgon zueignet/ und davor hält/ daß er der erste unter allen Göttern mitten in der Erde von blasser Gestalt mit einem dicken Nebel umfangen/ und mit Schimmel gleichsam überzogen/ seinen Aufenthalt und Wohnung habe.

Hiervon aber gedencken die Alten mit keinem einigen Worte/ es wäre dann/ daß man ihn Demiurgum nennen wolte. Dannenhero ich mich fast nicht scheue zu sagen/ es sey die Ewigkeit iederzeit allein denen Göttern zugeeignet worden/ die man für unsterblich gehalten. Wer/ und wie sie beschaffen sey/ erkläret fast ihr Name selbst aufs allerbeste. Daß sie nemlich alle Alter und Zeiten in sich begreiffe/ also daß sie unter keine Zeit-Abmässung zu rechnen sey; ob wol etlicher massen/ iedoch nicht so eigentlich kan gesagt werden/ daß sie eine Zeit sey/ die kein Ende habe. Weswegen dann der vortreffliche Philosophus Hermes Trismegistus/ wie auch die Pythagorici und Plato die Zeit für eine Abbildung der Ewigkeit gehalten haben wollen; Weil dieselbe Die immer, währende Zeit. in sich selbst in einen Circul gewunden wird/ und kein Ende an ihr zu sehen ist. Allein es ist dieses vielmehr eine Perpetuität oder ununterbrochene Wierigkeit zu nennen: dann ob sie wohldurch kein Ziel geendet wird/ so besitzet und geneust sie gleichwohl nicht zugleich das gantze unendliche Leben/ welches die Ewigkeit besitzet. Dannenher sagt Boetius/ die jenige thun nicht recht/ die/ wann sie hören/ daß Plato dafür gehalten/ die Welt habe weder einen Anfang der Zeit gehabt/ noch werde einig Ende haben/ deßwegen sich einbilden/ es werde die geschaffene Welt dem Schöpffer gleich ewig gemacht: Dann wann sie die eigentlichen Worte gebrauchen wollen/ können sie in dieser/ des Plato, Meinung Gott allein ewig/ die Welt aber immerwährend nennen. Die Ewigkeit aber beschreibet eben dieser Boetius/ daß sie sey des unbeweglichen Lebens gegenwärtiger Zustand/ der doch GOTT allein eigen ist/ deme weder etwas[Spaltenumbruch] künfftiges mangelt/ noch etwas vergangenes abgehet/ wie sonsten allen erschaffenen Dingen zu widerfahren pfleget/ ob wol derselben etliche kein Ende iemals haben solten. Allein wir unterlassen alhier diese Sache so gar tief zu ergründen/ wie auch die Alten vielleicht gethan haben/ wann sie ihre Götter ewig genannt/ wordurch sie/ daß dieselben unsterblich und unendlich/ und die Ewigkeit eben so viel/ als die Unendlichkeit der Zeit sey/ zu verstehen geben wollen. Dannenhero Claudianus/ der die Ewigkeit in einer dem Stilicon zu Ehren gehaltnen Panegyri beschreibet/ eine Schlange einführet/ welche die Höle/ darinnen sie sich enthält/ umfänget/ und in ihren eignen Schwantz beisset: welche Vorbildung und Beschreibung des Jahrs. Kennzeichen der Zeit/ von den Egyptiern entlehnt worden/ wann sie das Jahr andeuten wollen/ das allzeit in sich selbst wiederkehret/ also daß des Vergangenen Ende/ des Zukünfftigen Anfang ist. Das beste aber wird seyn/ zu der Beschreibung des Bildnisses der Ewigkeit des obgedachten Claudianus Verse alhier beyzufügen/ folgendes Innhalts:

Est ignota procul nostraeque imper-
via menti,

Vix adeunda Deis, annorum squali-
da mater,

Immensi spelunca aevi, quae tempo-
ra vasto

Suppeditat, revocatque sinu: com-
plectitur antrum

Omnia qvi placido consumit numi-
ne serpens,

Perpetuumque viret squamis, cau-
damque reducto

Ore vorat, tacito relegens exordia
lapsu.

Vestibuli custos vultu longaeva de-
coro

Ante fores Natura sedet, cunctisque
volantes

Dependent membris animae: man-
sura verendus

Scribit jura Senex,numeros qvi divi-
dit astris,

Et cursus, stabilesque moras, quibus
omnia vivunt,

Ac pereunt fixis,cum legibus ille re-
censet,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0065" xml:id="pb-1357" n="TA 1680, Iconologia Deorum, S. 11"/>
        <div xml:id="d1357.1">
          <head>Von den Bildnussen der<lb/>
Ewigkeit.</head>
          <cb/>
          <p><note place="right"><ref target="#figure-1356.1">Platte B.</ref></note><hi rendition="#in">O</hi>Bwol bey den Alten nicht alle Götter für <choice><orig>ewig- lebend</orig><reg>ewig-lebend</reg></choice> und unsterblich geachtet wurden/ so glaubten sie doch/ daß die Vornehmste derselben keiner Sterbligkeit unterworffen wären: dannenhero sie zu den damahligen Zeiten darfür hielten/ die Ewigkeit folge ihnen überall und allezeit nach; wiewohl <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1067 http://d-nb.info/gnd/11851217X http://viaf.org/viaf/64002165">Johann Boccatius</persName>/ im <bibl><ref target="http://ta.sandrart.net/-bibliography-2431">Buche von der Götter Genealogia</ref></bibl>/ dieselbe allein dem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3887 http://d-nb.info/gnd/118829149 http://viaf.org/viaf/35253368">Demogorgon</persName> zueignet/ und davor hält/ daß er der erste unter allen Göttern mitten in der Erde von blasser Gestalt mit einem dicken Nebel umfangen/ und mit Schimmel gleichsam überzogen/ seinen Aufenthalt und Wohnung habe.</p>
          <p xml:id="p1357.1">Hiervon aber gedencken die Alten mit keinem einigen Worte/ es wäre dann/ daß man ihn <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-4147 http://d-nb.info/gnd/4149057-5"><hi rendition="#aq">Demiurgum</hi></persName> nennen wolte. Dannenhero <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836">ich</persName> <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836">mich</persName> fast nicht scheue zu sagen/ es sey die Ewigkeit iederzeit allein denen Göttern zugeeignet worden/ die man für unsterblich gehalten. Wer/ und wie sie beschaffen sey/ erkläret fast ihr Name selbst aufs allerbeste. Daß sie nemlich alle Alter und Zeiten in sich begreiffe/ also daß sie unter keine Zeit-Abmässung zu rechnen sey; ob wol etlicher massen/ iedoch nicht so eigentlich kan gesagt werden/ daß sie eine Zeit sey/ die kein Ende habe. Weswegen dann der vortreffliche Philosophus <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3154 http://d-nb.info/gnd/119068982 http://viaf.org/viaf/24571510">Hermes Trismegistus</persName>/ wie auch die <hi rendition="#aq">Pythagorici</hi> und <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-892 http://d-nb.info/gnd/118594893 http://viaf.org/viaf/79033288"><hi rendition="#aq">Plato</hi></persName> die Zeit für eine Abbildung der Ewigkeit gehalten haben wollen; Weil dieselbe <note place="right">Die immer, währende Zeit.</note> in sich selbst in einen Circul gewunden wird/ und kein Ende an ihr zu sehen ist. Allein es ist dieses vielmehr eine <hi rendition="#aq">Perpetui</hi>tät oder ununterbrochene Wierigkeit zu nennen: dann ob sie wohldurch kein Ziel geendet wird/ so besitzet und geneust sie gleichwohl nicht zugleich das gantze unendliche Leben/ welches die Ewigkeit besitzet. Dannenher sagt <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3155 http://d-nb.info/gnd/11851282X http://viaf.org/viaf/100218964">Boetius</persName>/ die jenige thun nicht recht/ die/ wann sie hören/ daß <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-892 http://d-nb.info/gnd/118594893 http://viaf.org/viaf/79033288"><hi rendition="#aq">Plato</hi></persName> dafür gehalten/ die Welt habe weder einen Anfang der Zeit gehabt/ noch werde einig Ende haben/ deßwegen sich einbilden/ es werde die geschaffene Welt dem Schöpffer gleich ewig gemacht: Dann wann sie die eigentlichen Worte gebrauchen wollen/ können sie in dieser/ des <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-892 http://d-nb.info/gnd/118594893 http://viaf.org/viaf/79033288"><hi rendition="#aq">Plato</hi></persName>, Meinung <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-204">Gott</persName> allein ewig/ die Welt aber immerwährend nennen. Die Ewigkeit aber beschreibet eben dieser <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3155 http://d-nb.info/gnd/11851282X http://viaf.org/viaf/100218964">Boetius</persName>/ daß sie sey des unbeweglichen Lebens gegenwärtiger Zustand/ der doch <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-204">GOTT</persName> allein eigen ist/ deme weder etwas<cb/>
künfftiges mangelt/ noch etwas vergangenes abgehet/ wie sonsten allen erschaffenen Dingen zu widerfahren pfleget/ ob wol derselben etliche kein Ende iemals haben solten. Allein <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836">wir</persName> unterlassen alhier diese Sache so gar tief zu ergründen/ wie auch die Alten vielleicht gethan haben/ wann sie ihre Götter ewig genannt/ wordurch sie/ daß dieselben unsterblich und unendlich/ und die Ewigkeit eben so viel/ als die Unendlichkeit der Zeit sey/ zu verstehen geben wollen. Dannenhero <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1938 http://d-nb.info/gnd/118521055 http://viaf.org/viaf/100219056">Claudianus</persName>/ der die Ewigkeit in einer dem Stilicon zu Ehren gehaltnen <hi rendition="#aq">Panegyri</hi> beschreibet/ eine Schlange einführet/ welche die Höle/ darinnen sie sich enthält/ umfänget/ und in ihren eignen Schwantz beisset: welche Vorbildung und <note xml:id="n1357.1" place="right">Beschreibung des Jahrs.</note> Kennzeichen der Zeit/ von den Egyptiern entlehnt worden/ wann sie das Jahr andeuten wollen/ das allzeit in sich selbst wiederkehret/ also daß des Vergangenen Ende/ des Zukünfftigen Anfang ist. Das beste aber wird seyn/ zu der Beschreibung des Bildnisses der Ewigkeit des obgedachten <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1938 http://d-nb.info/gnd/118521055 http://viaf.org/viaf/100219056">Claudianus</persName> Verse alhier beyzufügen/ folgendes Innhalts:</p>
          <lg rendition="#aq" xml:lang="la">
            <l>Est ignota procul <reg>nostraeque</reg> imper-<lb/>
via menti,</l><lb/>
            <l>Vix adeunda Deis, annorum squali-<lb/>
da mater,</l><lb/>
            <l>Immensi spelunca aevi, quae tempo-<lb/>
ra vasto</l><lb/>
            <l>Suppeditat, <reg>revocatque</reg> sinu: com-<lb/>
plectitur antrum</l><lb/>
            <l>Omnia qvi placido consumit numi-<lb/>
ne serpens,</l><lb/>
            <l>Perpetuumque viret squamis, cau-<lb/><reg>damque</reg> reducto</l><lb/>
            <l>Ore vorat, tacito relegens exordia<lb/>
lapsu.</l><lb/>
            <l>Vestibuli custos vultu longaeva de-<lb/>
coro</l><lb/>
            <l>Ante fores <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3602 http://d-nb.info/gnd/120005190 http://viaf.org/viaf/57434601">Natura</persName> sedet, cunctisque<lb/>
volantes</l><lb/>
            <l>Dependent membris animae: man-<lb/>
sura verendus</l><lb/>
            <l>Scribit jura Senex,numeros qvi divi-<lb/>
dit astris,</l><lb/>
            <l>Et cursus, <reg>stabilesque</reg> moras, quibus<lb/>
omnia vivunt,</l><lb/>
            <l>Ac pereunt fixis,cum legibus ille re-<lb/>
censet,</l><lb/>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[TA 1680, Iconologia Deorum, S. 11/0065] Von den Bildnussen der Ewigkeit. OBwol bey den Alten nicht alle Götter für ewig- lebend und unsterblich geachtet wurden/ so glaubten sie doch/ daß die Vornehmste derselben keiner Sterbligkeit unterworffen wären: dannenhero sie zu den damahligen Zeiten darfür hielten/ die Ewigkeit folge ihnen überall und allezeit nach; wiewohl Johann Boccatius/ im Buche von der Götter Genealogia/ dieselbe allein dem Demogorgon zueignet/ und davor hält/ daß er der erste unter allen Göttern mitten in der Erde von blasser Gestalt mit einem dicken Nebel umfangen/ und mit Schimmel gleichsam überzogen/ seinen Aufenthalt und Wohnung habe. Platte B.Hiervon aber gedencken die Alten mit keinem einigen Worte/ es wäre dann/ daß man ihn Demiurgum nennen wolte. Dannenhero ich mich fast nicht scheue zu sagen/ es sey die Ewigkeit iederzeit allein denen Göttern zugeeignet worden/ die man für unsterblich gehalten. Wer/ und wie sie beschaffen sey/ erkläret fast ihr Name selbst aufs allerbeste. Daß sie nemlich alle Alter und Zeiten in sich begreiffe/ also daß sie unter keine Zeit-Abmässung zu rechnen sey; ob wol etlicher massen/ iedoch nicht so eigentlich kan gesagt werden/ daß sie eine Zeit sey/ die kein Ende habe. Weswegen dann der vortreffliche Philosophus Hermes Trismegistus/ wie auch die Pythagorici und Plato die Zeit für eine Abbildung der Ewigkeit gehalten haben wollen; Weil dieselbe in sich selbst in einen Circul gewunden wird/ und kein Ende an ihr zu sehen ist. Allein es ist dieses vielmehr eine Perpetuität oder ununterbrochene Wierigkeit zu nennen: dann ob sie wohldurch kein Ziel geendet wird/ so besitzet und geneust sie gleichwohl nicht zugleich das gantze unendliche Leben/ welches die Ewigkeit besitzet. Dannenher sagt Boetius/ die jenige thun nicht recht/ die/ wann sie hören/ daß Plato dafür gehalten/ die Welt habe weder einen Anfang der Zeit gehabt/ noch werde einig Ende haben/ deßwegen sich einbilden/ es werde die geschaffene Welt dem Schöpffer gleich ewig gemacht: Dann wann sie die eigentlichen Worte gebrauchen wollen/ können sie in dieser/ des Plato, Meinung Gott allein ewig/ die Welt aber immerwährend nennen. Die Ewigkeit aber beschreibet eben dieser Boetius/ daß sie sey des unbeweglichen Lebens gegenwärtiger Zustand/ der doch GOTT allein eigen ist/ deme weder etwas künfftiges mangelt/ noch etwas vergangenes abgehet/ wie sonsten allen erschaffenen Dingen zu widerfahren pfleget/ ob wol derselben etliche kein Ende iemals haben solten. Allein wir unterlassen alhier diese Sache so gar tief zu ergründen/ wie auch die Alten vielleicht gethan haben/ wann sie ihre Götter ewig genannt/ wordurch sie/ daß dieselben unsterblich und unendlich/ und die Ewigkeit eben so viel/ als die Unendlichkeit der Zeit sey/ zu verstehen geben wollen. Dannenhero Claudianus/ der die Ewigkeit in einer dem Stilicon zu Ehren gehaltnen Panegyri beschreibet/ eine Schlange einführet/ welche die Höle/ darinnen sie sich enthält/ umfänget/ und in ihren eignen Schwantz beisset: welche Vorbildung und Kennzeichen der Zeit/ von den Egyptiern entlehnt worden/ wann sie das Jahr andeuten wollen/ das allzeit in sich selbst wiederkehret/ also daß des Vergangenen Ende/ des Zukünfftigen Anfang ist. Das beste aber wird seyn/ zu der Beschreibung des Bildnisses der Ewigkeit des obgedachten Claudianus Verse alhier beyzufügen/ folgendes Innhalts: Die immer, währende Zeit. Beschreibung des Jahrs. Est ignota procul nostraeque imper- via menti, Vix adeunda Deis, annorum squali- da mater, Immensi spelunca aevi, quae tempo- ra vasto Suppeditat, revocatque sinu: com- plectitur antrum Omnia qvi placido consumit numi- ne serpens, Perpetuumque viret squamis, cau- damque reducto Ore vorat, tacito relegens exordia lapsu. Vestibuli custos vultu longaeva de- coro Ante fores Natura sedet, cunctisque volantes Dependent membris animae: man- sura verendus Scribit jura Senex,numeros qvi divi- dit astris, Et cursus, stabilesque moras, quibus omnia vivunt, Ac pereunt fixis,cum legibus ille re- censet,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sandrart.net: Bereitstellung der Texttranskription in XML/TEI. (2014-06-24T13:18:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus sandrart.net entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2014-06-24T13:18:31Z)
Benjamin Fiechter: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2014-06-24T13:18:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Bei Worttrennungen am Spalten- oder Seitenumbruch, steht das gesamte Wort auf der vorhergehenden Spalte bzw. Seite.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_iconologia_1680
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_iconologia_1680/65
Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: ICONOLOGIA DEORUM. Nürnberg, 1680, S. TA 1680, Iconologia Deorum, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_iconologia_1680/65>, abgerufen am 02.03.2021.