Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Scriver, Christian: Das Verlohrne und wiedergefundene Schäfflein. Magdeburg, 1672.

Bild:
<< vorherige Seite

verläßt also seinen Tauffbund/ und so lange er in solcher
Sünde verharret und nicht Busse thut/ lebet er ausser dem
Stand der Gnaden/ in der Gemeinschafft des Satans.

§. 48.

Die fromme heilige Welt (verwundert euch
nicht/ daß ich so rede/ denn die Welt wil zugleich Welt/ das
ist/ gottlos/ fleischlich gesinnt/ und sicher/ und dennoch heilig
und fromm seyn/ sie will fluchen/ und dennoch den Segen
ererben.) wird sagen: Behüte GOtt! Solt denn der Mensch
umb eines oder andern Fluchß willen des Teuffels seyn?
Sind wir denn nicht Menschen? Haben wir nicht grosse
Schwachheiten an uns? Können wir nicht mit einem Feil
übereilet werden? Jch antworte: Jch weiß nicht ob ein
rechtschaffener Christ der ihm die ware Gottseligkeit mit
Fleiß lesset angelegen seyn/ und der stets auff seiner Hut ist/
und mit dem lieben Gebet/ und heiligen Fürsatz sich täglich
wapnet/ in diese schreckliche Sünde mehrmahls solte fallen;
Man hat Exempel/ daß etliche fromme Hertzen damit über-
eilet sind/ welchen aber hernach/ wenn sie sich Christlich be-
sonnen/ eine solche Gewissens Angst darauß entstanden ist/
daß sie nach hartem Ringen und Kämpfen des Glaubens/
nach vielen Bitten/ Flehen und Weinen/ den Frieden des
Hertzens wider erlanget haben.

§. 49.

Jch rede aber dismahl von keinen Schwachhei-
ten/ von keinen Ubereilungen und Versehen der gottlieben-
den Seelen/ sondern ich handele wider die Gewonheit des
Fluchens/ wider die Sicherheit und Unbußfertigkeit deren
die von Kindesbeinen an es gelernet/ bißhero es getrieben/
niemahln sich solchem Laster mit Ernst widersätzet/ und es
auch noch nicht zu thun in Willens sind. Gesätzt daß ein
frommes Hertz übereilet würde/ und daß ihm im Eiffer ein
Fluch entführe/ davor es bald erschrickt/ und sich hertzlich

dar-

verlaͤßt alſo ſeinen Tauffbund/ und ſo lange er in ſolcher
Suͤnde verharret und nicht Buſſe thut/ lebet er auſſer dem
Stand der Gnaden/ in der Gemeinſchafft des Satans.

§. 48.

Die fromme heilige Welt (verwundert euch
nicht/ daß ich ſo rede/ denn die Welt wil zugleich Welt/ das
iſt/ gottlos/ fleiſchlich geſinnt/ und ſicher/ und dennoch heilig
und fromm ſeyn/ ſie will fluchen/ und dennoch den Segen
ererben.) wird ſagen: Behuͤte GOtt! Solt deñ der Menſch
umb eines oder andern Fluchß willen des Teuffels ſeyn?
Sind wir denn nicht Menſchen? Haben wir nicht groſſe
Schwachheiten an uns? Koͤnnen wir nicht mit einem Feil
uͤbereilet werden? Jch antworte: Jch weiß nicht ob ein
rechtſchaffener Chriſt der ihm die ware Gottſeligkeit mit
Fleiß leſſet angelegen ſeyn/ und der ſtets auff ſeiner Hut iſt/
und mit dem lieben Gebet/ und heiligen Fuͤrſatz ſich taͤglich
wapnet/ in dieſe ſchreckliche Suͤnde mehrmahls ſolte fallen;
Man hat Exempel/ daß etliche fromme Hertzen damit uͤber-
eilet ſind/ welchen aber hernach/ wenn ſie ſich Chriſtlich be-
ſonnen/ eine ſolche Gewiſſens Angſt darauß entſtanden iſt/
daß ſie nach hartem Ringen und Kaͤmpfen des Glaubens/
nach vielen Bitten/ Flehen und Weinen/ den Frieden des
Hertzens wider erlanget haben.

§. 49.

Jch rede aber dismahl von keinen Schwachhei-
ten/ von keinen Ubereilungen und Verſehen der gottlieben-
den Seelen/ ſondern ich handele wider die Gewonheit des
Fluchens/ wider die Sicherheit und Unbußfertigkeit deren
die von Kindesbeinen an es gelernet/ bißhero es getrieben/
niemahln ſich ſolchem Laſter mit Ernſt widerſaͤtzet/ und es
auch noch nicht zu thun in Willens ſind. Geſaͤtzt daß ein
frommes Hertz uͤbereilet wuͤrde/ und daß ihm im Eiffer ein
Fluch entfuͤhre/ davor es bald erſchrickt/ und ſich hertzlich

dar-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="2">
            <div n="3">
              <p><pb facs="#f0109"/>
verla&#x0364;ßt al&#x017F;o &#x017F;einen Tauffbund/ und &#x017F;o lange er in &#x017F;olcher<lb/>
Su&#x0364;nde verharret und nicht Bu&#x017F;&#x017F;e thut/ lebet er au&#x017F;&#x017F;er dem<lb/>
Stand der Gnaden/ in der Gemein&#x017F;chafft des Satans.</p>
            </div><lb/>
            <div n="3">
              <head>§. 48.</head>
              <p>Die fromme heilige Welt (verwundert euch<lb/>
nicht/ daß ich &#x017F;o rede/ denn die Welt wil zugleich Welt/ das<lb/>
i&#x017F;t/ gottlos/ flei&#x017F;chlich ge&#x017F;innt/ und &#x017F;icher/ und dennoch heilig<lb/>
und fromm &#x017F;eyn/ &#x017F;ie will fluchen/ und dennoch den Segen<lb/>
ererben.) wird &#x017F;agen: Behu&#x0364;te GOtt! Solt den&#x0303; der Men&#x017F;ch<lb/>
umb eines oder andern Fluchß willen des Teuffels &#x017F;eyn?<lb/>
Sind wir denn nicht Men&#x017F;chen? Haben wir nicht gro&#x017F;&#x017F;e<lb/>
Schwachheiten an uns? Ko&#x0364;nnen wir nicht mit einem Feil<lb/>
u&#x0364;bereilet werden? Jch antworte: Jch weiß nicht ob ein<lb/>
recht&#x017F;chaffener Chri&#x017F;t der ihm die ware Gott&#x017F;eligkeit mit<lb/>
Fleiß le&#x017F;&#x017F;et angelegen &#x017F;eyn/ und der &#x017F;tets auff &#x017F;einer Hut i&#x017F;t/<lb/>
und mit dem lieben Gebet/ und heiligen Fu&#x0364;r&#x017F;atz &#x017F;ich ta&#x0364;glich<lb/>
wapnet/ in die&#x017F;e &#x017F;chreckliche Su&#x0364;nde mehrmahls &#x017F;olte fallen;<lb/>
Man hat Exempel/ daß etliche fromme Hertzen damit u&#x0364;ber-<lb/>
eilet &#x017F;ind/ welchen aber hernach/ wenn &#x017F;ie &#x017F;ich Chri&#x017F;tlich be-<lb/>
&#x017F;onnen/ eine &#x017F;olche Gewi&#x017F;&#x017F;ens Ang&#x017F;t darauß ent&#x017F;tanden i&#x017F;t/<lb/>
daß &#x017F;ie nach hartem Ringen und Ka&#x0364;mpfen des Glaubens/<lb/>
nach vielen Bitten/ Flehen und Weinen/ den Frieden des<lb/>
Hertzens wider erlanget haben.</p>
            </div><lb/>
            <div n="3">
              <head>§. 49.</head>
              <p>Jch rede aber dismahl von keinen Schwachhei-<lb/>
ten/ von keinen Ubereilungen und Ver&#x017F;ehen der gottlieben-<lb/>
den Seelen/ &#x017F;ondern ich handele wider die Gewonheit des<lb/>
Fluchens/ wider die Sicherheit und Unbußfertigkeit deren<lb/>
die von Kindesbeinen an es gelernet/ bißhero es getrieben/<lb/>
niemahln &#x017F;ich &#x017F;olchem La&#x017F;ter mit Ern&#x017F;t wider&#x017F;a&#x0364;tzet/ und es<lb/>
auch noch nicht zu thun in Willens &#x017F;ind. Ge&#x017F;a&#x0364;tzt daß ein<lb/>
frommes Hertz u&#x0364;bereilet wu&#x0364;rde/ und daß ihm im Eiffer ein<lb/>
Fluch entfu&#x0364;hre/ davor es bald er&#x017F;chrickt/ und &#x017F;ich hertzlich<lb/>
<fw type="catch" place="bottom">dar-</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0109] verlaͤßt alſo ſeinen Tauffbund/ und ſo lange er in ſolcher Suͤnde verharret und nicht Buſſe thut/ lebet er auſſer dem Stand der Gnaden/ in der Gemeinſchafft des Satans. §. 48.Die fromme heilige Welt (verwundert euch nicht/ daß ich ſo rede/ denn die Welt wil zugleich Welt/ das iſt/ gottlos/ fleiſchlich geſinnt/ und ſicher/ und dennoch heilig und fromm ſeyn/ ſie will fluchen/ und dennoch den Segen ererben.) wird ſagen: Behuͤte GOtt! Solt deñ der Menſch umb eines oder andern Fluchß willen des Teuffels ſeyn? Sind wir denn nicht Menſchen? Haben wir nicht groſſe Schwachheiten an uns? Koͤnnen wir nicht mit einem Feil uͤbereilet werden? Jch antworte: Jch weiß nicht ob ein rechtſchaffener Chriſt der ihm die ware Gottſeligkeit mit Fleiß leſſet angelegen ſeyn/ und der ſtets auff ſeiner Hut iſt/ und mit dem lieben Gebet/ und heiligen Fuͤrſatz ſich taͤglich wapnet/ in dieſe ſchreckliche Suͤnde mehrmahls ſolte fallen; Man hat Exempel/ daß etliche fromme Hertzen damit uͤber- eilet ſind/ welchen aber hernach/ wenn ſie ſich Chriſtlich be- ſonnen/ eine ſolche Gewiſſens Angſt darauß entſtanden iſt/ daß ſie nach hartem Ringen und Kaͤmpfen des Glaubens/ nach vielen Bitten/ Flehen und Weinen/ den Frieden des Hertzens wider erlanget haben. §. 49.Jch rede aber dismahl von keinen Schwachhei- ten/ von keinen Ubereilungen und Verſehen der gottlieben- den Seelen/ ſondern ich handele wider die Gewonheit des Fluchens/ wider die Sicherheit und Unbußfertigkeit deren die von Kindesbeinen an es gelernet/ bißhero es getrieben/ niemahln ſich ſolchem Laſter mit Ernſt widerſaͤtzet/ und es auch noch nicht zu thun in Willens ſind. Geſaͤtzt daß ein frommes Hertz uͤbereilet wuͤrde/ und daß ihm im Eiffer ein Fluch entfuͤhre/ davor es bald erſchrickt/ und ſich hertzlich dar-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/scriver_schaefflein_1672
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/scriver_schaefflein_1672/109
Zitationshilfe: Scriver, Christian: Das Verlohrne und wiedergefundene Schäfflein. Magdeburg, 1672, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/scriver_schaefflein_1672/109>, abgerufen am 19.07.2024.