Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Scriver, Christian: Das Verlohrne und wiedergefundene Schäfflein. Magdeburg, 1672.

Bild:
<< vorherige Seite

re heutige Atheisten) noch müssen sie sich an die Exem-
pel und Historien stossen/ und furchten/ daß ihnen
nicht auch gehe/ wie dem und dem/ so durch die Hi-
storien werden fürgebildet/ dadurch sie härter be-
weget werden/ denn so man sie schlecht mit blossen
Worten des Rechts oder Lehre abhält und ihnen
wehret/ etc.

§. 7.

Eben er spricht im angezognen theil (f. 307. b.)
Solches alles tröstet und stärcket auß dermassen
die Schwachgläubigen
(Er handelt von denen recht-
schaffenen Legenden oder Historien der Heiligen/) und ma-
chet noch viel mutiger und trotziger/ die zuvor starck
sind/ denn wo man allein die Schrifft ohn Exem-
pel und Historien der Heiligen lehret/ ob wol inwen-
dig der Geist das seine reichlich thut/ so hilffts doch
trefflich sehr/ wo man von außwendig auch die
Exempel der andern sihet und höret etc.

§. 8.

Der Historische Bericht/ den Verlauff mit der
Hauptperson in diesem Traurspiel fürstellend/ ist theils aus
dessen Bekäntnis/ welches er in seiner grossen Angst und
Quaal gethan/ theils auß einem Tagebuch/ so man/ so lange
sein Unglück gewähret/ gehalten/ und alles fleissigst darin-
nen verzeichnet/ was fürgangen/ zusammen gebracht wor-
den/ ist etwas drinnen/ so dem scharffsinnigen Leser überflüs-
sig düncket/ so gönne er mir die Freyheit/ daß ich der Einfalt
zum besten/ nach meinem gut befinden schreiben mag/ wie ich
ihm hergegen die/ gerne gönne/ daß er/ was ihm unnötig
düncket/ vorbey gehe/ oder die gantze Geschicht/ gar nicht lese.

§. 9.

Weiln auch viel fragens gewest/ ob dieser Mensch
sey besessen gewesen? So könte ich zwar einem jedweden sei-
ne Meinung/ ohn meine Widerrede/ und einige Erinnerung

gönnen/

re heutige Atheiſten) noch muͤſſen ſie ſich an die Exem-
pel und Hiſtorien ſtoſſen/ und fůrchten/ daß ihnen
nicht auch gehe/ wie dem und dem/ ſo durch die Hi-
ſtorien werden fuͤrgebildet/ dadurch ſie haͤrter be-
weget werden/ denn ſo man ſie ſchlecht mit bloſſen
Worten des Rechts oder Lehre abhaͤlt und ihnen
wehret/ ꝛc.

§. 7.

Eben er ſpricht im angezognen theil (f. 307. b.)
Solches alles troͤſtet und ſtaͤrcket auß dermaſſen
die Schwachglaͤubigen
(Er handelt von denen recht-
ſchaffenen Legenden oder Hiſtorien der Heiligen/) und ma-
chet noch viel mutiger und trotziger/ die zuvor ſtarck
ſind/ denn wo man allein die Schrifft ohn Exem-
pel und Hiſtorien der Heiligen lehret/ ob wol inwen-
dig der Geiſt das ſeine reichlich thut/ ſo hilffts doch
trefflich ſehr/ wo man von außwendig auch die
Exempel der andern ſihet und hoͤret ꝛc.

§. 8.

Der Hiſtoriſche Bericht/ den Verlauff mit der
Hauptperſon in dieſem Traurſpiel fuͤrſtellend/ iſt theils aus
deſſen Bekaͤntnis/ welches er in ſeiner groſſen Angſt und
Quaal gethan/ theils auß einem Tagebuch/ ſo man/ ſo lange
ſein Ungluͤck gewaͤhret/ gehalten/ und alles fleiſſigſt darin-
nen verzeichnet/ was fuͤrgangen/ zuſammen gebracht wor-
den/ iſt etwas drinnen/ ſo dem ſcharffſinnigen Leſer uͤberfluͤſ-
ſig duͤncket/ ſo goͤnne er mir die Freyheit/ daß ich der Einfalt
zum beſten/ nach meinem gut befinden ſchreiben mag/ wie ich
ihm hergegen die/ gerne goͤnne/ daß er/ was ihm unnoͤtig
duͤncket/ vorbey gehe/ oder die gantze Geſchicht/ gar nicht leſe.

§. 9.

Weiln auch viel fragens geweſt/ ob dieſer Menſch
ſey beſeſſen geweſen? So koͤnte ich zwar einem jedweden ſei-
ne Meinung/ ohn meine Widerrede/ und einige Erinnerung

goͤnnen/
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0013"/>
re heutige Athei&#x017F;ten) <hi rendition="#fr">noch mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie &#x017F;ich an die Exem-<lb/>
pel und <choice><sic>Hi&#x017F;torien&#x017F;to&#x017F;&#x017F;en</sic><corr>Hi&#x017F;torien &#x017F;to&#x017F;&#x017F;en</corr></choice>/ und f&#x016F;rchten/ daß ihnen<lb/>
nicht auch gehe/ wie dem und dem/ &#x017F;o durch die Hi-<lb/>
&#x017F;torien werden fu&#x0364;rgebildet/ dadurch &#x017F;ie ha&#x0364;rter be-<lb/>
weget werden/ denn &#x017F;o man &#x017F;ie &#x017F;chlecht mit blo&#x017F;&#x017F;en<lb/>
Worten des Rechts oder Lehre abha&#x0364;lt und ihnen<lb/>
wehret/ &#xA75B;c.</hi></p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 7.</head>
          <p>Eben er &#x017F;pricht im angezognen theil (<hi rendition="#aq">f. 307. b.</hi>)<lb/><hi rendition="#fr">Solches alles tro&#x0364;&#x017F;tet und &#x017F;ta&#x0364;rcket auß derma&#x017F;&#x017F;en<lb/>
die Schwachgla&#x0364;ubigen</hi> (Er handelt von denen recht-<lb/>
&#x017F;chaffenen Legenden oder Hi&#x017F;torien der Heiligen/) <hi rendition="#fr">und ma-<lb/>
chet noch viel mutiger und trotziger/ die zuvor &#x017F;tarck<lb/>
&#x017F;ind/ denn wo man allein die Schrifft ohn Exem-<lb/>
pel und Hi&#x017F;torien der Heiligen lehret/ ob wol inwen-<lb/>
dig der Gei&#x017F;t das &#x017F;eine reichlich thut/ &#x017F;o hilffts doch<lb/>
trefflich &#x017F;ehr/ wo man von außwendig auch die<lb/>
Exempel der andern &#x017F;ihet und ho&#x0364;ret &#xA75B;c.</hi></p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 8.</head>
          <p>Der Hi&#x017F;tori&#x017F;che Bericht/ den Verlauff mit der<lb/>
Hauptper&#x017F;on in die&#x017F;em Traur&#x017F;piel fu&#x0364;r&#x017F;tellend/ i&#x017F;t theils aus<lb/>
de&#x017F;&#x017F;en Beka&#x0364;ntnis/ welches er in &#x017F;einer gro&#x017F;&#x017F;en Ang&#x017F;t und<lb/>
Quaal gethan/ theils auß einem Tagebuch/ &#x017F;o man/ &#x017F;o lange<lb/>
&#x017F;ein Unglu&#x0364;ck gewa&#x0364;hret/ gehalten/ und alles flei&#x017F;&#x017F;ig&#x017F;t darin-<lb/>
nen verzeichnet/ was fu&#x0364;rgangen/ zu&#x017F;ammen gebracht wor-<lb/>
den/ i&#x017F;t etwas drinnen/ &#x017F;o dem &#x017F;charff&#x017F;innigen Le&#x017F;er u&#x0364;berflu&#x0364;&#x017F;-<lb/>
&#x017F;ig du&#x0364;ncket/ &#x017F;o go&#x0364;nne er mir die Freyheit/ daß ich der Einfalt<lb/>
zum be&#x017F;ten/ nach meinem gut befinden &#x017F;chreiben mag/ wie ich<lb/>
ihm hergegen die/ gerne go&#x0364;nne/ daß er/ was ihm unno&#x0364;tig<lb/>
du&#x0364;ncket/ vorbey gehe/ oder die gantze Ge&#x017F;chicht/ gar nicht le&#x017F;e.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 9.</head>
          <p>Weiln auch viel fragens gewe&#x017F;t/ ob die&#x017F;er Men&#x017F;ch<lb/>
&#x017F;ey be&#x017F;e&#x017F;&#x017F;en gewe&#x017F;en? So ko&#x0364;nte ich zwar einem jedweden &#x017F;ei-<lb/>
ne Meinung/ ohn meine Widerrede/ und einige Erinnerung<lb/>
<fw type="catch" place="bottom">go&#x0364;nnen/</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0013] re heutige Atheiſten) noch muͤſſen ſie ſich an die Exem- pel und Hiſtorien ſtoſſen/ und fůrchten/ daß ihnen nicht auch gehe/ wie dem und dem/ ſo durch die Hi- ſtorien werden fuͤrgebildet/ dadurch ſie haͤrter be- weget werden/ denn ſo man ſie ſchlecht mit bloſſen Worten des Rechts oder Lehre abhaͤlt und ihnen wehret/ ꝛc. §. 7.Eben er ſpricht im angezognen theil (f. 307. b.) Solches alles troͤſtet und ſtaͤrcket auß dermaſſen die Schwachglaͤubigen (Er handelt von denen recht- ſchaffenen Legenden oder Hiſtorien der Heiligen/) und ma- chet noch viel mutiger und trotziger/ die zuvor ſtarck ſind/ denn wo man allein die Schrifft ohn Exem- pel und Hiſtorien der Heiligen lehret/ ob wol inwen- dig der Geiſt das ſeine reichlich thut/ ſo hilffts doch trefflich ſehr/ wo man von außwendig auch die Exempel der andern ſihet und hoͤret ꝛc. §. 8.Der Hiſtoriſche Bericht/ den Verlauff mit der Hauptperſon in dieſem Traurſpiel fuͤrſtellend/ iſt theils aus deſſen Bekaͤntnis/ welches er in ſeiner groſſen Angſt und Quaal gethan/ theils auß einem Tagebuch/ ſo man/ ſo lange ſein Ungluͤck gewaͤhret/ gehalten/ und alles fleiſſigſt darin- nen verzeichnet/ was fuͤrgangen/ zuſammen gebracht wor- den/ iſt etwas drinnen/ ſo dem ſcharffſinnigen Leſer uͤberfluͤſ- ſig duͤncket/ ſo goͤnne er mir die Freyheit/ daß ich der Einfalt zum beſten/ nach meinem gut befinden ſchreiben mag/ wie ich ihm hergegen die/ gerne goͤnne/ daß er/ was ihm unnoͤtig duͤncket/ vorbey gehe/ oder die gantze Geſchicht/ gar nicht leſe. §. 9.Weiln auch viel fragens geweſt/ ob dieſer Menſch ſey beſeſſen geweſen? So koͤnte ich zwar einem jedweden ſei- ne Meinung/ ohn meine Widerrede/ und einige Erinnerung goͤnnen/

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/scriver_schaefflein_1672
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/scriver_schaefflein_1672/13
Zitationshilfe: Scriver, Christian: Das Verlohrne und wiedergefundene Schäfflein. Magdeburg, 1672, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/scriver_schaefflein_1672/13>, abgerufen am 18.07.2024.