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Silesius, Angelus: Geistreiche Sinn- vnd Schlussrime. Wien, 1657.

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Vierdtes Buch.
71. Der Himmel allenthalben.
Jn GOtt lebt/ schwebt/ und regt sich alle Creatur:
Jsts war? was fragstu dann erst nach der Himmel-
spuhr?
72. Den Bräutgam wünscht die Braut.
Verwundere dich nicht daß ich nach GOtt vorlange:
Der Braut ist allezeit nach jhrem Bräutgam bange.
73. Hier muß man Bürger werden.
Streb nach der Bürgerschafft deß Himmels hier auf
Erden:
So kan er dir darnach dort nicht versaget werden.
74. Hütt dich vor sicherheit.
Laß dir vom Himmelreich nicht gar so sicher träumen/
Du sihst wol daß es auch die Jungfern selbst ver-
säumen.
75. Daß tröstlichste Wort.
Daß allertröstlichste daß ich an JEsu find'/
Jst/ wenn Er sprechen wird: kom benedeiles Kind.
76. Trauben von Dornen.
Wer seinen neider liebt/ und gutts von feinden spricht:
Sag ob derselbe nicht von Dornen Trauben bricht?
77. Daß geistliche Sterben.
Stirb ehe du noch stirbst/ damit du nicht darffst sterben/
Wann du nu sterben solst: sonst möchtestu verderben.
79. Die Hoffnung hält die Braut.
Die Hoffnung hält mich noch: sonst wär' ich längst
dahin:
Warumm? dieweil ich nicht bey meinen Bräntgam bin.
79. Der beste Freund und Feind.

Mein bester Freund mein Leib/ der ist mein ärgster
Feind:
Er bindt und hält mich auf/ wie gut ers jmmer meint.

Jch
F 6
Vierdtes Buch.
71. Der Himmel allenthalben.
Jn GOtt lebt/ ſchwebt/ und regt ſich alle Creatur:
Jſts war? was fragſtu dann erſt nach der Him̃el-
ſpuhr?
72. Den Braͤutgam wuͤnſcht die Braut.
Verwundere dich nicht daß ich nach GOtt vorlange:
Der Braut iſt allezeit nach jhrem Braͤutgam bange.
73. Hier muß man Buͤrger werden.
Streb nach der Buͤrgerſchafft deß Himmels hier auf
Erden:
So kan er dir darnach dort nicht verſaget werden.
74. Huͤtt dich vor ſicherheit.
Laß dir vom Himmelreich nicht gar ſo ſicher traͤumen/
Du ſihſt wol daß es auch die Jungfern ſelbſt ver-
ſaͤumen.
75. Daß troͤſtlichſte Wort.
Daß allertroͤſtlichſte daß ich an JEſu find’/
Jſt/ wenn Er ſprechen wird: kom benedeiles Kind.
76. Trauben von Dornen.
Wer ſeinen neider liebt/ uñ gutts von feinden ſpricht:
Sag ob derſelbe nicht von Dornen Trauben bricht?
77. Daß geiſtliche Sterben.
Stirb ehe du noch ſtirbſt/ damit du nicht darffſt ſterbẽ/
Wann du nu ſterben ſolſt: ſonſt moͤchteſtu verderben.
79. Die Hoffnung haͤlt die Braut.
Die Hoffnung haͤlt mich noch: ſonſt waͤr’ ich laͤngſt
dahin:
Warum̃? dieweil ich nicht bey meinẽ Braͤntgam bin.
79. Der beſte Freund und Feind.

Mein beſter Freund mein Leib/ der iſt mein aͤrgſter
Feind:
Er bindt und haͤlt mich auf/ wie gut ers jmmer meint.

Jch
F 6
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[131[129]/0135] Vierdtes Buch. 71. Der Himmel allenthalben. Jn GOtt lebt/ ſchwebt/ und regt ſich alle Creatur: Jſts war? was fragſtu dann erſt nach der Him̃el- ſpuhr? 72. Den Braͤutgam wuͤnſcht die Braut. Verwundere dich nicht daß ich nach GOtt vorlange: Der Braut iſt allezeit nach jhrem Braͤutgam bange. 73. Hier muß man Buͤrger werden. Streb nach der Buͤrgerſchafft deß Himmels hier auf Erden: So kan er dir darnach dort nicht verſaget werden. 74. Huͤtt dich vor ſicherheit. Laß dir vom Himmelreich nicht gar ſo ſicher traͤumen/ Du ſihſt wol daß es auch die Jungfern ſelbſt ver- ſaͤumen. 75. Daß troͤſtlichſte Wort. Daß allertroͤſtlichſte daß ich an JEſu find’/ Jſt/ wenn Er ſprechen wird: kom benedeiles Kind. 76. Trauben von Dornen. Wer ſeinen neider liebt/ uñ gutts von feinden ſpricht: Sag ob derſelbe nicht von Dornen Trauben bricht? 77. Daß geiſtliche Sterben. Stirb ehe du noch ſtirbſt/ damit du nicht darffſt ſterbẽ/ Wann du nu ſterben ſolſt: ſonſt moͤchteſtu verderben. 79. Die Hoffnung haͤlt die Braut. Die Hoffnung haͤlt mich noch: ſonſt waͤr’ ich laͤngſt dahin: Warum̃? dieweil ich nicht bey meinẽ Braͤntgam bin. 79. Der beſte Freund und Feind. Mein beſter Freund mein Leib/ der iſt mein aͤrgſter Feind: Er bindt und haͤlt mich auf/ wie gut ers jmmer meint. Jch F 6

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Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




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Zitationshilfe: Silesius, Angelus: Geistreiche Sinn- vnd Schlussrime. Wien, 1657, S. 131[129]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/silesius_schlussrime_1657/135>, abgerufen am 21.02.2024.