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Silesius, Angelus: Geistreiche Sinn- vnd Schlussrime. Wien, 1657.

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Johannis Angeli
Jch haß' und Lieb jhn auch: und wann es kombt zum
scheiden/
Sv reiss' ich mich von jhm mit Freuden und mit Leiden.

80. Mit Lieb' erlangt man Gnad.
Wann dich der Sünder fragt wie er sol Gnad erlangen.
So sage daß er GOtt zulieben an sol fangen.
81. Der Todt.
Der Todt bewegt mich nicht: ich komme nur durch jhn/
Wo ich schon nach dem Geist mit dem Gemütte bin.
82. Die heilige Schrifft.
Gleich wie die Spinne saugt auß einer Rose Gifft:
Also wird auch verkehrt vom bösen Gottesschrifft.
83. Trompeten.
Trompeten hör' ich gern: Mein Leib sol auß der Erden
Durch jhren Schall erwekt/ und wieder meine werden.
84. Daß Antlitz GOttes.
Daß Antlitz GOttes sehn ist alle Seeligkeit:
Von dem verstossen sein daß höchste Hertzeleid.
85. Der Artzt hält sich zum Kranken.
Warumb pflegt doch der HErr mit Sündern umb-
zugehn?
Warumb ein trewer Artzt den Kranken beyzustehn?
86. S. Paulus.
Sanct Paulus wuste nichts als Christum und
sein Leiden/
Da er doch war gewest im Paradiß der Freuden.
Wie kont jhm diß so gantz entfallen sein? Er war
Jn den Gekreutzigten Verformet gantz und gar.
87. Die Liebe.
Die Liebe dieser Welt wil alls für sich allein/
Die Liebe GOttes macht dem Nächsten alls gemein:
Die wird ein jeder Mensch für Liebe wol erkennen/
Jen' aber sol man Neid/ und keine Liebe nennen.
88. Auß

Johannis Angeli
Jch haß’ und Lieb jhn auch: und wann es kombt zum
ſcheiden/
Sv reiſſ’ ich mich von jhm mit Freuden uñ mit Leidẽ.

80. Mit Lieb’ erlangt man Gnad.
Wañ dich der Suͤnder fragt wie er ſol Gnad erlangẽ.
So ſage daß er GOtt zulieben an ſol fangen.
81. Der Todt.
Der Todt bewegt mich nicht: ich kom̃e nur durch jhn/
Wo ich ſchon nach dem Geiſt mit dem Gemuͤtte bin.
82. Die heilige Schrifft.
Gleich wie die Spinne ſaugt auß einer Roſe Gifft:
Alſo wird auch verkehrt vom boͤſen Gottesſchrifft.
83. Trompeten.
Trompeten hoͤr’ ich gern: Mein Leib ſol auß der Erdẽ
Durch jhren Schall erwekt/ und wieder meine werden.
84. Daß Antlitz GOttes.
Daß Antlitz GOttes ſehn iſt alle Seeligkeit:
Von dem verſtoſſen ſein daß hoͤchſte Hertzeleid.
85. Der Artzt haͤlt ſich zum Kranken.
Warumb pflegt doch der HErꝛ mit Suͤndern umb-
zugehn?
Warumb ein trewer Artzt den Kranken beyzuſtehn?
86. S. Paulus.
Sanct Paulus wuſte nichts als Chriſtum und
ſein Leiden/
Da er doch war geweſt im Paradiß der Freuden.
Wie kont jhm diß ſo gantz entfallen ſein? Er war
Jn den Gekreutzigten Verformet gantz und gar.
87. Die Liebe.
Die Liebe dieſer Welt wil alls fuͤr ſich allein/
Die Liebe GOttes macht dem Naͤchſten alls gemein:
Die wird ein jeder Menſch für Liebe wol erkennen/
Jen’ aber ſol man Neid/ und keine Liebe nennen.
88. Auß
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[132[130]/0136] Johannis Angeli Jch haß’ und Lieb jhn auch: und wann es kombt zum ſcheiden/ Sv reiſſ’ ich mich von jhm mit Freuden uñ mit Leidẽ. 80. Mit Lieb’ erlangt man Gnad. Wañ dich der Suͤnder fragt wie er ſol Gnad erlangẽ. So ſage daß er GOtt zulieben an ſol fangen. 81. Der Todt. Der Todt bewegt mich nicht: ich kom̃e nur durch jhn/ Wo ich ſchon nach dem Geiſt mit dem Gemuͤtte bin. 82. Die heilige Schrifft. Gleich wie die Spinne ſaugt auß einer Roſe Gifft: Alſo wird auch verkehrt vom boͤſen Gottesſchrifft. 83. Trompeten. Trompeten hoͤr’ ich gern: Mein Leib ſol auß der Erdẽ Durch jhren Schall erwekt/ und wieder meine werden. 84. Daß Antlitz GOttes. Daß Antlitz GOttes ſehn iſt alle Seeligkeit: Von dem verſtoſſen ſein daß hoͤchſte Hertzeleid. 85. Der Artzt haͤlt ſich zum Kranken. Warumb pflegt doch der HErꝛ mit Suͤndern umb- zugehn? Warumb ein trewer Artzt den Kranken beyzuſtehn? 86. S. Paulus. Sanct Paulus wuſte nichts als Chriſtum und ſein Leiden/ Da er doch war geweſt im Paradiß der Freuden. Wie kont jhm diß ſo gantz entfallen ſein? Er war Jn den Gekreutzigten Verformet gantz und gar. 87. Die Liebe. Die Liebe dieſer Welt wil alls fuͤr ſich allein/ Die Liebe GOttes macht dem Naͤchſten alls gemein: Die wird ein jeder Menſch für Liebe wol erkennen/ Jen’ aber ſol man Neid/ und keine Liebe nennen. 88. Auß

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Zitationshilfe: Silesius, Angelus: Geistreiche Sinn- vnd Schlussrime. Wien, 1657, S. 132[130]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/silesius_schlussrime_1657/136>, abgerufen am 21.02.2024.