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Silesius, Angelus: Geistreiche Sinn- vnd Schlussrime. Wien, 1657.

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Erstes Buch.
83. Wie kan man GOttes geniessen?
GOtt ist ein Einges Ein/ wer seiner wil geniessen/
Muß sich nicht weniger als Er/ in Jhn einschliessen.
84. Wie wird man GOtte gleich?
Wer GOtt wil gleiche seyn/ muß allem ungleich
werden/
Muß ledig seiner selbst/ und loß seyn von beschwerden.
85. Wie hört man GOttes Wort?
So du daß Ewge Wort in dir wilt hören
sprechen:
So mustu dich zuvor von Unruh gantz entbrechen.
86. Jch bin so breit als GOtt.
Jch bin so breit alß GOtt/ nichts ist in aller Welt/
Daß mich (O Wunder ding!) in sich umbschlossen
helt.
87. Im Ekstein ligt der Schatz.
Was marterstu daß ärtzt: der Ekstein ists allein/
Jn dem Gesundheit/ Gold/ und/ alle Künste sein.
88. Es liget als im Menschen.
Wie mag dich doch O Mensch nach etwas thun Ver-
langen/
Weil du in dir hältst GOtt/ und alle Ding' umb-
fangen?
89. Die Seel ist GOtte gleich.
Weil meine Seel in GOtt steht ausser Zeit und Ort/
So muß sie gleiche seyn dem Ort und Ewgen Wort.
90. Die Gottheit ist daß grüne.
Die GOttheit ist mein Safft: was auß mir grünt
und blüht/
Daß ist sein Heilger Geist/ durch den der trib ge-
schicht.
91. Man
B 5
Erſtes Buch.
83. Wie kan man GOttes genieſſen?
GOtt iſt ein Einges Ein/ wer ſeiner wil genieſſen/
Muß ſich nicht weniger als Er/ in Jhn einſchlieſſen.
84. Wie wird man GOtte gleich?
Wer GOtt wil gleiche ſeyn/ muß allem ungleich
werden/
Muß ledig ſeiner ſelbſt/ und loß ſeyn von beſchwerden.
85. Wie hoͤrt man GOttes Wort?
So du daß Ewge Wort in dir wilt hoͤren
ſprechen:
So muſtu dich zuvor von Unruh gantz entbrechen.
86. Jch bin ſo breit als GOtt.
Jch bin ſo breit alß GOtt/ nichts iſt in aller Welt/
Daß mich (O Wunder ding!) in ſich umbſchloſſen
helt.
87. Im Ekſtein ligt der Schatz.
Was marterſtu daß aͤrtzt: der Ekſtein iſts allein/
Jn dem Geſundheit/ Gold/ und/ alle Kuͤnſte ſein.
88. Es liget als im Menſchen.
Wie mag dich doch O Menſch nach etwas thun Ver-
langen/
Weil du in dir haͤltſt GOtt/ und alle Ding’ umb-
fangen?
89. Die Seel iſt GOtte gleich.
Weil meine Seel in GOtt ſteht auſſer Zeit und Ort/
So muß ſie gleiche ſeyn dem Ort und Ewgen Wort.
90. Die Gottheit iſt daß gruͤne.
Die GOttheit iſt mein Safft: was auß mir gruͤnt
und bluͤht/
Daß iſt ſein Heilger Geiſt/ durch den der trib ge-
ſchicht.
91. Man
B 5
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[33[31]/0037] Erſtes Buch. 83. Wie kan man GOttes genieſſen? GOtt iſt ein Einges Ein/ wer ſeiner wil genieſſen/ Muß ſich nicht weniger als Er/ in Jhn einſchlieſſen. 84. Wie wird man GOtte gleich? Wer GOtt wil gleiche ſeyn/ muß allem ungleich werden/ Muß ledig ſeiner ſelbſt/ und loß ſeyn von beſchwerden. 85. Wie hoͤrt man GOttes Wort? So du daß Ewge Wort in dir wilt hoͤren ſprechen: So muſtu dich zuvor von Unruh gantz entbrechen. 86. Jch bin ſo breit als GOtt. Jch bin ſo breit alß GOtt/ nichts iſt in aller Welt/ Daß mich (O Wunder ding!) in ſich umbſchloſſen helt. 87. Im Ekſtein ligt der Schatz. Was marterſtu daß aͤrtzt: der Ekſtein iſts allein/ Jn dem Geſundheit/ Gold/ und/ alle Kuͤnſte ſein. 88. Es liget als im Menſchen. Wie mag dich doch O Menſch nach etwas thun Ver- langen/ Weil du in dir haͤltſt GOtt/ und alle Ding’ umb- fangen? 89. Die Seel iſt GOtte gleich. Weil meine Seel in GOtt ſteht auſſer Zeit und Ort/ So muß ſie gleiche ſeyn dem Ort und Ewgen Wort. 90. Die Gottheit iſt daß gruͤne. Die GOttheit iſt mein Safft: was auß mir gruͤnt und bluͤht/ Daß iſt ſein Heilger Geiſt/ durch den der trib ge- ſchicht. 91. Man B 5

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Zitationshilfe: Silesius, Angelus: Geistreiche Sinn- vnd Schlussrime. Wien, 1657, S. 33[31]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/silesius_schlussrime_1657/37>, abgerufen am 27.02.2024.