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Silesius, Angelus: Geistreiche Sinn- vnd Schlussrime. Wien, 1657.

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Johannis Angeli
273. Steig über die Heiligkeit.
Die Heiligkeit ist gutt: wer drüber kommen kan/
Der ist mit GOtt und Mensch am allerbesten dran.
274. Der Zufall muß hinweg.
Der Zufall muß hinweg/ und aller falscher schein:
Du must gantz wesentlich und Ungefärbet seyn.
275. Der Mensch bringt alles in GOtt.
Mensch alles liebet dich: umm dich ists sehr gedrange:
Es lauffet allß zu dir/ daß es zu GOtt gelange.
276. Eins deß andern Anfang und Ende.
GOtt ist mein letztes End: Wenn ich sein Anfang bin
So weset er auß mir/ und ich vergeh in Jhn.
277. Daß Ende GOttes.
Daß GOtt kein ende hat/ gesteh ich dir nicht zu:
Denn schau/ Er sucht ja mich/ daß er in mir beruh.
278. GOttes ander-Er.
Jch bin GOtts ander-Er/ in mir findt Er allein
Was Jhm in Ewigkeit wird gleich und ähnlich sein.
279. Die Jchheit schaffet nichts.
Mit Jchheit suchestu/ bald die bald jene sachen:
Ach tissest dus' doch Gott nach seinem willen machen!
280. Der wahre weisen Stein.
Dein stein Chimist ist nichts: d'Ekstein den ich mein'
Jst meine Gold Tinctur, und aller weisen Stein.
281. Seine Gebette sind nicht schwer.
Mensch lebestu in GOtt/ und stirbest deinem Willen/
So ist dir nichts so leicht/ als sein Gebott erfüllen.
282. Jn GOtt der beste Standt.
Was hilfft michs daß den Herrn die Morgensteren
Loben/
So ich nicht über sie in Jhn bin aufgehoben.
283. Gott
Johannis Angeli
273. Steig uͤber die Heiligkeit.
Die Heiligkeit iſt gutt: wer druͤber kommen kan/
Der iſt mit GOtt und Menſch am allerbeſten dran.
274. Der Zufall muß hinweg.
Der Zufall muß hinweg/ und aller falſcher ſchein:
Du muſt gantz weſentlich und Ungefaͤrbet ſeyn.
275. Der Menſch bringt alles in GOtt.
Menſch alles liebet dich: um̃ dich iſts ſehr gedrange:
Es lauffet allß zu dir/ daß es zu GOtt gelange.
276. Eins deß andern Anfang uñ Ende.
GOtt iſt mein letztes End: Weñ ich ſein Anfang bin
So weſet er auß mir/ und ich vergeh in Jhn.
277. Daß Ende GOttes.
Daß GOtt kein ende hat/ geſteh ich dir nicht zu:
Denn ſchau/ Er ſucht ja mich/ daß er in mir beruh.
278. GOttes ander-Er.
Jch bin GOtts ander-Er/ in mir findt Er allein
Was Jhm in Ewigkeit wird gleich und aͤhnlich ſein.
279. Die Jchheit ſchaffet nichts.
Mit Jchheit ſucheſtu/ bald die bald jene ſachen:
Ach tiſſeſt dus’ doch Gott nach ſeinem willen machen!
280. Der wahre weiſen Stein.
Dein ſtein Chimiſt iſt nichts: d’Ekſtein den ich mein’
Jſt meine Gold Tinctur, und aller weiſen Stein.
281. Seine Gebette ſind nicht ſchwer.
Menſch lebeſtu in GOtt/ und ſtirbeſt deinem Willen/
So iſt dir nichts ſo leicht/ als ſein Gebott erfuͤllen.
282. Jn GOtt der beſte Standt.
Was hilfft michs daß den Herrn die Morgenſteren
Loben/
So ich nicht über ſie in Jhn bin aufgehoben.
283. Gott
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[54[52]/0058] Johannis Angeli 273. Steig uͤber die Heiligkeit. Die Heiligkeit iſt gutt: wer druͤber kommen kan/ Der iſt mit GOtt und Menſch am allerbeſten dran. 274. Der Zufall muß hinweg. Der Zufall muß hinweg/ und aller falſcher ſchein: Du muſt gantz weſentlich und Ungefaͤrbet ſeyn. 275. Der Menſch bringt alles in GOtt. Menſch alles liebet dich: um̃ dich iſts ſehr gedrange: Es lauffet allß zu dir/ daß es zu GOtt gelange. 276. Eins deß andern Anfang uñ Ende. GOtt iſt mein letztes End: Weñ ich ſein Anfang bin So weſet er auß mir/ und ich vergeh in Jhn. 277. Daß Ende GOttes. Daß GOtt kein ende hat/ geſteh ich dir nicht zu: Denn ſchau/ Er ſucht ja mich/ daß er in mir beruh. 278. GOttes ander-Er. Jch bin GOtts ander-Er/ in mir findt Er allein Was Jhm in Ewigkeit wird gleich und aͤhnlich ſein. 279. Die Jchheit ſchaffet nichts. Mit Jchheit ſucheſtu/ bald die bald jene ſachen: Ach tiſſeſt dus’ doch Gott nach ſeinem willen machen! 280. Der wahre weiſen Stein. Dein ſtein Chimiſt iſt nichts: d’Ekſtein den ich mein’ Jſt meine Gold Tinctur, und aller weiſen Stein. 281. Seine Gebette ſind nicht ſchwer. Menſch lebeſtu in GOtt/ und ſtirbeſt deinem Willen/ So iſt dir nichts ſo leicht/ als ſein Gebott erfuͤllen. 282. Jn GOtt der beſte Standt. Was hilfft michs daß den Herrn die Morgenſteren Loben/ So ich nicht über ſie in Jhn bin aufgehoben. 283. Gott

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Zitationshilfe: Silesius, Angelus: Geistreiche Sinn- vnd Schlussrime. Wien, 1657, S. 54[52]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/silesius_schlussrime_1657/58>, abgerufen am 22.02.2024.