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Starck, Johann Friedrich: Tägliches Hand-Buch in guten und bösen Tagen. Frankfurt/Leipzig, 1749.

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Der Betrübte bittet
Der Betrübte bittet um Abnehmung
der Trübsal.
Aufmunterung.
Esa. XXXVIII, 14. 17.
Ich winselte wie ein Kranich und Schwal-
be, und girrete wie eine Taube, meine
Augen wolten mir brechen. HErr! ich
leide Noth, lindre mirs.

Siehe, um Trost war mir sehr bange, du aber
hast dich meiner Seelen hertzlich ange-
nommen, daß sie nicht verdürbe. Denn
du wirffest alle meine Sünde hinter dich
zurücke.

GOTT hat seinen Kindern eine Linderung und
Erquickung verheissen, entweder in diesem,
oder in dem ewigen Leben; es ist demnach denen
Betrübten nicht verboten, GOtt um die Erfül-
lung derselben auch in diesem Leben anzuflehen,
doch also, daß sie darin sich dem Willen GOt-
tes gäntzlich unterwerffen. Derowegen 1) wenn
sie empfinden ihres Creutzes Hefftigkeit, Bitter-
keit und Langwierigkeit, dürffen sie wohl bitten,
daß er es ihnen wieder abnehmen wolle; denn so
machte es ja Christus unser Heyland selbst, wel-
cher um Wegnehmung des bittern Kelchs den
himmlischen Vater anflehete: hiemit legen Be-
trübte ihr Vertrauen und Zuversicht zu der All-
macht GOttes an den Tag. Jedoch 2) sol diese

Bitte
Der Betruͤbte bittet
Der Betruͤbte bittet um Abnehmung
der Truͤbſal.
Aufmunterung.
Eſa. XXXVIII, 14. 17.
Ich winſelte wie ein Kranich und Schwal-
be, und girrete wie eine Taube, meine
Augen wolten mir brechen. HErr! ich
leide Noth, lindre mirs.

Siehe, um Troſt war mir ſehr bange, du aber
haſt dich meiner Seelen hertzlich ange-
nommen, daß ſie nicht verduͤrbe. Denn
du wirffeſt alle meine Suͤnde hinter dich
zuruͤcke.

GOTT hat ſeinen Kindern eine Linderung und
Erquickung verheiſſen, entweder in dieſem,
oder in dem ewigen Leben; es iſt demnach denen
Betruͤbten nicht verboten, GOtt um die Erfuͤl-
lung derſelben auch in dieſem Leben anzuflehen,
doch alſo, daß ſie darin ſich dem Willen GOt-
tes gaͤntzlich unterwerffen. Derowegen 1) wenn
ſie empfinden ihres Creutzes Hefftigkeit, Bitter-
keit und Langwierigkeit, duͤrffen ſie wohl bitten,
daß er es ihnen wieder abnehmen wolle; denn ſo
machte es ja Chriſtus unſer Heyland ſelbſt, wel-
cher um Wegnehmung des bittern Kelchs den
himmliſchen Vater anflehete: hiemit legen Be-
truͤbte ihr Vertrauen und Zuverſicht zu der All-
macht GOttes an den Tag. Jedoch 2) ſol dieſe

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[328/0354] Der Betruͤbte bittet Der Betruͤbte bittet um Abnehmung der Truͤbſal. Aufmunterung. Eſa. XXXVIII, 14. 17. Ich winſelte wie ein Kranich und Schwal- be, und girrete wie eine Taube, meine Augen wolten mir brechen. HErr! ich leide Noth, lindre mirs. Siehe, um Troſt war mir ſehr bange, du aber haſt dich meiner Seelen hertzlich ange- nommen, daß ſie nicht verduͤrbe. Denn du wirffeſt alle meine Suͤnde hinter dich zuruͤcke. GOTT hat ſeinen Kindern eine Linderung und Erquickung verheiſſen, entweder in dieſem, oder in dem ewigen Leben; es iſt demnach denen Betruͤbten nicht verboten, GOtt um die Erfuͤl- lung derſelben auch in dieſem Leben anzuflehen, doch alſo, daß ſie darin ſich dem Willen GOt- tes gaͤntzlich unterwerffen. Derowegen 1) wenn ſie empfinden ihres Creutzes Hefftigkeit, Bitter- keit und Langwierigkeit, duͤrffen ſie wohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen wolle; denn ſo machte es ja Chriſtus unſer Heyland ſelbſt, wel- cher um Wegnehmung des bittern Kelchs den himmliſchen Vater anflehete: hiemit legen Be- truͤbte ihr Vertrauen und Zuverſicht zu der All- macht GOttes an den Tag. Jedoch 2) ſol dieſe Bitte

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Zitationshilfe: Starck, Johann Friedrich: Tägliches Hand-Buch in guten und bösen Tagen. Frankfurt/Leipzig, 1749, S. 328. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/starck_handbuch_1749/354>, abgerufen am 19.05.2024.