Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 3. Göttingen, 1749.

Bild:
<< vorherige Seite



gerechtfertiget hat, so daß wir alle darüber stutzig
wurden, (können Eltern ohne Sorgen wegen ihrer
Tochter seyn, wenn sich eine Clarisse vergehet?)
so ist ihr aller Briefwechsel mit Jhnen bey Verlust
unserer Liebe verboten worden. Es ist dieses auf
Befehl meines Mannes, und auf Verlangen Jh-
rer Familie geschehen.

Jndessen betet das arme Mädchen alle Stunden
für Sie. Dieser Vorbitte kann ich Sie ohne
meiner Tochter Wissen versichern, und der Vor-
bitte

Freytags den
21ten April.
Jhrer bekümmerten Base
D. Hervey.


Der ein und funfzigste Brief
von
Fräulein Clarissa Harlowe an Fräulein
Howe.

(Der vorhergehende war mit beygelegt.)


Beyliegenden Brief habe ich eben von der Frau
Hervey erhalten. Lassen Sie aber niemand
etwas davon erfahren, daß sie an eine unglückliche
und unverständige Base geschrieben hat.

Jch sehe, daß ich meiner Freunde wegen nach Lon-
don
oder in die weite Welt gehen kann. Niemand
bekümmert sich darum, was aus mir wird. Jch woll-
te meine Reise aufschieben, bis ich von Hause Nach-
richt bekäme: und wenn ich einige Hoffnung zu einer

Aus-
B b 4



gerechtfertiget hat, ſo daß wir alle daruͤber ſtutzig
wurden, (koͤnnen Eltern ohne Sorgen wegen ihrer
Tochter ſeyn, wenn ſich eine Clariſſe vergehet?)
ſo iſt ihr aller Briefwechſel mit Jhnen bey Verluſt
unſerer Liebe verboten worden. Es iſt dieſes auf
Befehl meines Mannes, und auf Verlangen Jh-
rer Familie geſchehen.

Jndeſſen betet das arme Maͤdchen alle Stunden
fuͤr Sie. Dieſer Vorbitte kann ich Sie ohne
meiner Tochter Wiſſen verſichern, und der Vor-
bitte

Freytags den
21ten April.
Jhrer bekuͤmmerten Baſe
D. Hervey.


Der ein und funfzigſte Brief
von
Fraͤulein Clariſſa Harlowe an Fraͤulein
Howe.

(Der vorhergehende war mit beygelegt.)


Beyliegenden Brief habe ich eben von der Frau
Hervey erhalten. Laſſen Sie aber niemand
etwas davon erfahren, daß ſie an eine ungluͤckliche
und unverſtaͤndige Baſe geſchrieben hat.

Jch ſehe, daß ich meiner Freunde wegen nach Lon-
don
oder in die weite Welt gehen kann. Niemand
bekuͤmmert ſich darum, was aus mir wird. Jch woll-
te meine Reiſe aufſchieben, bis ich von Hauſe Nach-
richt bekaͤme: und wenn ich einige Hoffnung zu einer

Aus-
B b 4
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <floatingText>
            <body>
              <p><pb facs="#f0405" n="391"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
gerechtfertiget hat, &#x017F;o daß wir alle daru&#x0364;ber &#x017F;tutzig<lb/>
wurden, (ko&#x0364;nnen Eltern ohne Sorgen wegen ihrer<lb/>
Tochter &#x017F;eyn, wenn &#x017F;ich eine <hi rendition="#fr">Clari&#x017F;&#x017F;e</hi> vergehet?)<lb/>
&#x017F;o i&#x017F;t ihr aller Briefwech&#x017F;el mit Jhnen bey Verlu&#x017F;t<lb/>
un&#x017F;erer Liebe verboten worden. Es i&#x017F;t die&#x017F;es auf<lb/>
Befehl meines Mannes, und auf Verlangen Jh-<lb/>
rer Familie ge&#x017F;chehen.</p><lb/>
              <p>Jnde&#x017F;&#x017F;en betet das arme Ma&#x0364;dchen alle Stunden<lb/>
fu&#x0364;r Sie. Die&#x017F;er Vorbitte kann ich Sie ohne<lb/>
meiner Tochter Wi&#x017F;&#x017F;en ver&#x017F;ichern, und der Vor-<lb/>
bitte</p><lb/>
              <closer>
                <salute>Freytags den<lb/>
21ten April.<lb/><hi rendition="#et">Jhrer beku&#x0364;mmerten Ba&#x017F;e<lb/><hi rendition="#fr">D. Hervey.</hi></hi></salute>
              </closer>
            </body>
          </floatingText>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#fr">Der ein und funfzig&#x017F;te Brief</hi><lb/>
von<lb/><hi rendition="#fr">Fra&#x0364;ulein Clari&#x017F;&#x017F;a Harlowe an Fra&#x0364;ulein<lb/>
Howe.</hi></head><lb/>
          <p> <hi rendition="#c">(Der vorhergehende war mit beygelegt.)</hi> </p><lb/>
          <floatingText>
            <body>
              <dateline> <hi rendition="#et">Sonnabends fru&#x0364;h den 22. April.</hi> </dateline><lb/>
              <p><hi rendition="#in">B</hi>eyliegenden Brief habe ich eben von der Frau<lb/><hi rendition="#fr">Hervey</hi> erhalten. La&#x017F;&#x017F;en Sie aber niemand<lb/>
etwas davon erfahren, daß &#x017F;ie an eine unglu&#x0364;ckliche<lb/>
und unver&#x017F;ta&#x0364;ndige Ba&#x017F;e ge&#x017F;chrieben hat.</p><lb/>
              <p>Jch &#x017F;ehe, daß ich meiner Freunde wegen nach <hi rendition="#fr">Lon-<lb/>
don</hi> oder in die weite Welt gehen kann. Niemand<lb/>
beku&#x0364;mmert &#x017F;ich darum, was aus mir wird. Jch woll-<lb/>
te meine Rei&#x017F;e auf&#x017F;chieben, bis ich von Hau&#x017F;e Nach-<lb/>
richt beka&#x0364;me: und wenn ich einige Hoffnung zu einer<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">B b 4</fw><fw place="bottom" type="catch">Aus-</fw><lb/></p>
            </body>
          </floatingText>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[391/0405] gerechtfertiget hat, ſo daß wir alle daruͤber ſtutzig wurden, (koͤnnen Eltern ohne Sorgen wegen ihrer Tochter ſeyn, wenn ſich eine Clariſſe vergehet?) ſo iſt ihr aller Briefwechſel mit Jhnen bey Verluſt unſerer Liebe verboten worden. Es iſt dieſes auf Befehl meines Mannes, und auf Verlangen Jh- rer Familie geſchehen. Jndeſſen betet das arme Maͤdchen alle Stunden fuͤr Sie. Dieſer Vorbitte kann ich Sie ohne meiner Tochter Wiſſen verſichern, und der Vor- bitte Freytags den 21ten April. Jhrer bekuͤmmerten Baſe D. Hervey. Der ein und funfzigſte Brief von Fraͤulein Clariſſa Harlowe an Fraͤulein Howe. (Der vorhergehende war mit beygelegt.) Sonnabends fruͤh den 22. April. Beyliegenden Brief habe ich eben von der Frau Hervey erhalten. Laſſen Sie aber niemand etwas davon erfahren, daß ſie an eine ungluͤckliche und unverſtaͤndige Baſe geſchrieben hat. Jch ſehe, daß ich meiner Freunde wegen nach Lon- don oder in die weite Welt gehen kann. Niemand bekuͤmmert ſich darum, was aus mir wird. Jch woll- te meine Reiſe aufſchieben, bis ich von Hauſe Nach- richt bekaͤme: und wenn ich einige Hoffnung zu einer Aus- B b 4

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa03_1749
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa03_1749/405
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 3. Göttingen, 1749, S. 391. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa03_1749/405>, abgerufen am 20.04.2021.